Super League
GC-Captain Munas Dabbur hat keine Manieren, ist aber ein exzellenter Torjäger

Munas Dabbur schiesst GC zum 1:0-Sieg über YB und aus dem Abstiegskampf. Doch der Israeli nervt nicht nur seine Gegner.

Markus Brütsch
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Munas Dabbur diskutiert gerne.

Munas Dabbur diskutiert gerne.

Keystone

Nein, ein Sympathieträger ist Munas Dabbur definitiv nicht. Vielleicht denkt er, es sei die Pflicht eines Captains, ständig das Maul aufzureissen, alles zu kommentieren und jeden zu kritisieren. GC-Trainer Carlos Bernegger sollte ihn zur Mässigung anhalten.

Auch ist das Spiel des Palästinensers aus Israel immer mal wieder unsauber: Die YB-Spieler Sekou Sanogo und Steve von Bergen bekommen am Ostermontag die ausgefahrenen Ellbogen des GC-Stürmers schmerzhaft zu spüren. Danach scheinheilig Pardon zu sagen, macht die Sache auch nicht besser. Sanogo jedenfalls hat den 24-Jährigen durchschaut und dessen Entschuldigung zurückgewiesen.

Als es in den Schlussminuten darum geht, den knappen Vorsprung über die Zeit zu bringen, zeigt Dabbur nach einem Schlenzer mit der Hand auf seine Adduktoren und signalisiert, er müsse ausgewechselt werden. Damit dies nicht zu schnell passiert, lässt er sich aber noch auf den Kunstrasen fallen, lässt die Pfleger kommen und spielt − oh Wunder − nach reichlich verstrichener Zeit weiter. Um sich dann doch auswechseln zu lassen und ein weiteres Mal Zeit von der Uhr zu nehmen.

Sieben Spiele hat Dabbur für GC seit seiner Rückkehr im Februar bestritten und ist dabei fünf Mal verwarnt worden. Eine Sperre hat er bereits absitzen müssen. Weshalb Bernegger allen Ernstes behaupten kann, Dabbur bringe die nötige Ruhe ins Team, ist sein Geheimnis.

Wenn der Trainer aber sagt, Dabbur sei immer dabei, wenn GC vor dem gegnerischen Tor für Gefahr sorge, dann liegt er richtig. Der Stürmer mit dem eigenartigen Watschelgang hat nämlich auch eine gute Seite: Er ist ein exzellenter Torjäger.

Munas Dabbur ist aber auch ein hervorragender Fussballer.

Munas Dabbur ist aber auch ein hervorragender Fussballer.

Keystone

Für seine vier Tore seit seiner Ankunft hat er im Schnitt 136 Minuten pro Tor gebraucht. Damit ist er statistisch gar noch besser als in seinen GC-Saisons 13/14 (140 Minuten), 14/15 (208) und 15/16 (165). Für die beiden Treffer mit Salzburg in der Vorrunde hatte er 982 Minuten benötigt.

Nach seinen beiden entscheidenden Toren beim 3:1 gegen St. Gallen vor einer Woche hat Dabbur die Grasshoppers gegen YB nun acht Minuten vor Schluss mit einem Kopftor fast schon aus dem Abstiegssumpf gezogen. Dass der Berner Captain Von Bergen beim Zweikampf mit ihm zum wiederholten Mal in den letzten Wochen miserabel ausgesehen hat, konnte dem Torschützen egal sein. Die acht Punkte Vorsprung auf Schlusslicht Vaduz bedeuten, dass GC acht Runden vor dem Saisonende ein beruhigendes Polster hat.

Ach ja: Dabburs Tor hat auch noch zur Folge, dass der FC Basel schon am kommenden Sonntag als Meister feststehen kann. Wenn er am Samstag zu Hause Vaduz bezwingt und YB am Sonntag im Stade de Suisse gegen den FC Lugano nicht gewinnt.

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