Europa League

YB qualifiziert sich mit viel Dusel, Luzern fliegt raus

Young Boy Nuzzolo (r.) setzt sich gegen Sylvester Igboun zur Wehr.

Young Boy Nuzzolo (r.) setzt sich gegen Sylvester Igboun zur Wehr.

Die Young Boys qualifizieren sich trotz der 0:2-Heimniederlage gegen den FC Midtjylland für die Gruppenphase der Europa League. Vorbei ist das Europa-Abenteuer dagegen für den FC Luzern, der in Genk mit 0:2 verlor.

Eine selten dämliche Aktion trug dem FC Luzern eine schwere Hypothek ein. Weil sich Dimitar Rangelov zu einer Tätlichkeit hinreissen liess, musste der FCL mehr als eine Halbzeit lang in Unterzahl spielen und schied durch das 0:2 in Genk aus.

Rund drei Millionen Franken hätte der FC Luzern verdienen können, wenn er es erstmals in der Vereinsgeschichte den Einzug in die Gruppenphase eines Uefa-Wettbewerbs geschafft hätte. Statt in der Europa League vielleicht gegen Liverpool, Atlético Madrid oder Inter Mailand antreten zu können, muss sich Luzern wieder auf den nationalen Alltag konzentrieren.

Ein Remis beim belgischen Meister von 2011 hätte den Innerschweizern gereicht, um den Coup im Playoff-Rückspiel zu realisieren. Stattdessen kassierte er in der Cristal Arena eine Niederlage, die er unter anderen Umständen womöglich hätte verhindern können. Der Sieg aus dem Hinspiel von letzter Woche genügte nicht, Genk schaffte das Weiterkommen letztlich dank des Auswärtstors zum 1:2 vom letzten Donnerstag.

Pacar schiesst FCL beinahe in die Verlängerung

In der Reprise vor etwas mehr als 12 100 Zuschauern kassierte Luzern in Unterzahl die Treffer zum 0:2 in der 56. und 88. Minute. Mit dem Mut der Verzweiflung rettete «Joker» Janko Pacar den FCL beinahe noch in die Verlängerung. Doch Genks Goalie Laszlo Köteles wehrte Pacars Kopfball in der 95. Minute mit einer spektakulären Parade ab.
Bis kurz vor der Pause ging Luzerns Plan weitgehend auf. Die Mannschaft von Ryszard Komornicki verteidigte mit der nötigen Ruhe, liess keine Chancen zu und hielt den Ball auf teils unorthodoxe Weise vom eigenen Tor fern. Allzu lange schaffte es der FCL aber sehr selten, den Ball in den eigenen Reihen zu halten. Vollgas-Fussball war es nicht, was Genk zu spielen versuchte. Aber der letztjährige Champions-League-Teilnehmer war klar überlegen, ohne indes zwingend zu sein.

Einzige nennenswerte Aktion war der Schlenzer von Steeven Joseph-Monrise (20.). «In der Defensive haben wir wenig zugelassen», zeigte sich der Luzerner Trainer Ryszard Komornicki zufrieden. Auch wenn er «Nervosität und etwas gar überhastete Aktionen» bemerkte. «Wir wollten im Spiel nach vorne zu viel.» 

Rangelovs Aussetzer
Als «Brandbeschleuniger» trat dann unnötigerweise ein Luzerner auf. Zur Unzeit leistete sich Rangelov einen Aussetzer der Marke unentschuldbar. Der ehemalige Bundesliga-Profi trat in der 37. Minute bei einem Spielunterbruch(!) gegen Nadson nach und wurde völlig zurecht des Feldes verwiesen. Gleichzeitig humpelte Dario Lezcano verletzt auf dem Feld herum und musste kurz darauf ausgewechselt werden.
Damit verlor der FCL, der ohnehin unter Druck stand, innert zwei Minuten zwei wichtige Offensivkräfte. «Das brachte uns natürlich aus dem Konzept», sagte Komornicki. Die dumme Aktion Rangelovs wollte er nicht gross kommentieren. Er habe sie nicht im TV gesehen. «Rangelov hat sich nach dem Spiel entschuldigt. Was uns natürlich im Nachhinein nichts nützt.» Neben dem Platzverweis und Lezcanos Out hatte Luzern einen weiteren Verletzten zu beklagen. Wie Lezcano dürfte auch Captain Florian Stahel, der sich das linke Knie verdrehte, länger ausfallen.

Luzern mit einem Mann weniger offensiv inexistent

Genks Vorwärtsdrang wurde ziemlich bald nach der Pause belohnt. Daniel Fernandez erzielte in der 56. Minute auf sehenswerte Weise das 1:0. Die Direktabnahme des spanischen Aussenverteidigers war für FCL-Goalie David Zibung unhaltbar. Genks Führungstreffer, der sich abgezeichnet hatte, erschwerte die Luzerner Aufgabe doppelt. Die vorher schon zaghaften Angriffsbemühungen fanden mit einem Mann weniger nicht mehr statt. Und auf eine Standardsituation wartete der FCL vergeblich.

Stattdessen wurde er sprichwörtlich auf dem falschen Fuss erwischt. Der eingewechselte Ayub Masika zirkelte zwei Minuten vor Schluss den Ball per Aussenrist in Zibungs nahe Ecke. Er löste damit die letzten verzweifelten Luzerner Versuche aus, doch noch die Overtime zu erzwingen. Mit dem bekannten Ende, dass der FCL im 20. Europacup-Spiel der Vereinsgeschichte zum 13. Mal verlor. Und Dimitar Rangelov von Komornicki, der in der dritten Partie als Cheftrainer erstmals nicht gewann, wohl die (verdiente) Quittung erhalten wird.

YB mit viel Dusel in der Europa League

Beim 0:2 gegen Midtjylland vermieden die Young Boys, die das Hinspiel 3:0 gewonnen hatten, indes nur ganz knapp eine monumentale Blamage. Das 1:0 vor 9327 Zuschauern im Stade de Suisse erzielte Sylvester Igboun. Der Nigerianer verwertete in der 75. Minute einen von Alain Nef verursachten Foulpenalty. Nef kassierte für seine Notbremse die Rote Karte. Das 2:0 für die Dänen erzielte der kurz zuvor eingewechselte Kristian Bak in der 89. Minute.

In der Nachspielzeit bewahrte YB-Goalie Marco Wölfli die Berner vor einem weiteren Gegentreffer, als Juhani Ojalas Rückpass viel zu kurz geriet, Wölfli aber geistesgegenwärtig herauslief. Wenig später kam dann der Schlusspfiff einer gewaltigen Erlösung gleich; Wölfli jubelte, wie wenn er gerade einen Titel gewonnen hätte.

Die Auslosung der Europa League-Gruppenphase findet am Freitag um 13.00 Uhr in Monaco statt.

Young Boys - Midtjylland 0:2 (0:0) Stade de Suisse. - 9327 Zuschauer. - SR Tudor (Rum). 
Tore: 75. Igboun (Foulpenalty) 0:1. 89. Bak Nielsen 0:2.

Young Boys: Wölfli; Sutter, Nef, Ojala, Raimondi (34. Lecjaks); Spycher (66. Silberbauer); Vitkieviez (85. Zverotic), Farnerud, Schneuwly, Nuzzolo; Bobadilla. 
Midtjylland: Lössl; Villafane, Sviatchenko, Ojuola, Juelsgard; Igboun, Andersson (83. Bak Nielsen), Uzochukwu, Albaek, Hassan (76. Christensen); Larsen (68. Nworuh).

Bemerkungen: YB ohne Simpson, Doubai, Frey, Bürki (alle verletzt), Zarate (noch nicht spielberechtigt), Martinez (U20 Venezuela); Midtjylland ohne Rasmussen (gesperrt), Olsen, Kibebe, Afrijie (alle nicht im Aufgebot). Platzverweis: 74. Nef (Notbremse). Verwarnungen: 60. Igboun (Foul). 88. Ojuola (Foul).

Genk - Luzern 2:0 (0:0) Cristal-Arena. - 12'135 Zuschauer. - SR Dean (Eng). 
Tore: 56. Fernandez (Vossen) 1:0. 88. Masika 2:0. 
Genk: Köteles; Fernandez, Nadson, Koulibaly, Anele (84. Croux); Buffel, Hyland, Gorius, Joseph-Monrose; Vossen (95. Hubert), Kennedy (86. Masika).

Luzern: Zibung; Sarr, Stahel (79. Hochstrasser), Puljic, Lustenberger; Wiss, Muntwiler; Winter, Lezcano (39. Hyka), Gygax (73. Pacar); Rangelov.

Bemerkungen: Genk ohne Barda, Joneleit, Simaeys, Tshimanga (alle verletzt) und Benteke (nicht im Aufgebot), Luzern ohne Renggli und Sorgic (beide verletzt). 37. Rote Karte gegen Rangelov (Tätlichkeit an Nadson). Verwarnungen: 47. Anele (Foul). 68. Muntwiler (Foul). 68. Gygax (Reklamieren). 81. Wiss (Foul). 91. Joseph-Monrose (Reklamieren). 93. Hochstrasser (Reklamieren). Verletzt out: 39. Lezcano (linker Fuss). 79. Stahel (linkes Knie).

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