Am Mittwochabend beschäftigte sich auch Xherdan Shaqiri noch einmal mit der WM. Kroatien hatte gerade England niedergerungen, es war ein aufwühlendes Spiel. Danach sagte Dejan Lovren: «Die Leute sollten realisieren, dass ich einer der bestenVerteidiger der Welt bin.»

Das Interview von Lovren verbreitete sich ziemlich rasch. Und auch Shaqiri, der bis anhin nicht die engste Beziehung zum Liverpool-Verteidiger Lovren hatte, bekundete via soziale Medien sein «Like». Spätestens da war klar, dass tatsächlich Realität werden könnte, was Shaqiri in der «Schweiz am Wochenende» vom 2. Juni antönte – sein Wechsel zum FC Liverpool.

Nach dem medizinischen Test, dem er sich am Freitag unterzog, unterschrieb Shaqiri bei den «Reds». Stoke City, sein bisheriger Verein, einigte sich mit Liverpool auf einen Mehrjahresvertrag. Über die exakte Dauer machte der Champions-–League-Finalist keine Angaben.

17 Millionen Franken muss Liverpool dem Premier-League-Absteiger überweisen. Er hatte eine Klausel im Vertrag, wonach er den Verein bei einem Abstieg verlassen darf.

Der Name der Hoffnung: Klopp

26 Jahre alt ist Xherdan Shaqiri mittlerweile. Und die Frage lautet: Was bedeutet dieser Wechsel für ihn?

Ganz grundsätzlich ist Shaqiri endlich wieder da, wo er sich selbst am liebsten sieht: auf der grossen Bühne. Er hat immer betont, wie gerne er wieder Champions League spielen würde. Wie gerne er um Titel kämpfen möchte. Die Voraussetzungen dazu sind mit Liverpool gegeben. Kein anderes Team Europas hat in den vergangenen zwei Jahren einen ähnlichen Aufschwung erlebt wie die «Reds» von der Anfield Road. Dafür steht ein Name: Jürgen Klopp. Der Deutsche hat das Feuer im Verein neu entfacht.

Die Hoffnung ist, dass Klopp auch Shaqiri noch einmal erwecken kann. Dass er ihn so kitzeln kann, dass er das viele Talent, das er zweifellos hat, regelmässig in gute Leistungen ummünzen kann.

Das Arbeitsethos

In Liverpool hat Shaqiri die Chance, zu beweisen, dass er wirklich so gut ist, wie er das von sich selber denkt. Das Team ist gespickt mit Stars. Stars, die sich nicht nur über die Kunstformen des Fussballs definieren. Sondern vor allem auch verstanden haben, wie wichtig das Arbeitsethos im Fussball geworden ist. Dafür stehen auch ein Mohamed Salah, ein Sadio Mané oder ein Roberto Firmino, diese drei Stürmer, die so exemplarisch sind für Liverpools rauschenden, überfallartigen Angriffsfussball.

Shaqiri wechselt nicht nur aus der Position der Stärke zu Liverpool. Das hat nichts mit Stoke Citys Abstieg aus der Premier League zu tun. Im Gegenteil. Es war Shaqiris beste Saison in England. Er totalisierte acht Tore und sieben Assist, blieb zudem von langwierigen Verletzungen verschont. Doch wer den Karriere-Verlauf genauer unter die Lupe nimmt – erst Bayern München, dann Inter Mailand, dann Stoke City – erkennt durchaus einen schleichenden Abstieg.

Der Name Shaqiri: grosse Last

Xherdan Shaqiri – dieser Name stand für so vieles. Für Kunst. Für Unbeschwertheit. Für Wucht auch. Einst sollte er der erste Weltstar des Schweizer Fussballs werden. Wahrscheinlich war die Last etwas zu gross.

Dass ein Verein wie Liverpool weiterhin etwas Spezielles in ihm sieht, ist ein bemerkenswertes Zeichen. Vielleicht gelingt der Aufstieg in die Bel-Etage des Fussballs ja im zweiten Anlauf. Es ist Shaqiri zu wünschen, dass er sich durchbeisst. Selbst wenn er zuerst hinten anstehen müsste. Denn einiges deutet auch darauf hin: Es könnte die letzte Chance sein.