Fussball
Wieso das Hochrisikospiel des FC Aarau friedlich endete

Vor und nach dem Spiel SC Brühl gegen FC Aarau, das als Hochrisikospiel eingestuft wurde, kommt es zu keinen Tumulten. Trotz dem exzessiven Alkoholkonsum ist die Stimmung rundherum friedlich geblieben.

Adrian Hunziker (Text und Fotos)
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Leo Locher, Sicherheitsverantwortlicher des FC Aarau, hatte vor dem Challenge League-Spiel SC Brühl gegen FC Aarau so seine Bedenken. Er stufte die Partie als Hochrisikospiel ein («Der Sonntag» berichtete). Doch es blieb an diesem Sonntagnachmittag ruhig - so wie abgemacht.

Der Fussballsonntag beginnt für die Fans, die Sicherheitskräfte und den Reporter so richtig gegen 12 Uhr am Bahnhof Aarau. Die Aarau-Supporter treffen sich, um gemeinsam mit dem Zug nach St. Gallen zu reisen. «Die Stimmung ist gut, aber die Fans sind auch angespannt. Dies aufgrund der polizeilichen Auflagen, welche im Vorfeld des Spiels kommuniziert wurden», sagte Locher bereits am Sonntagmorgen. Konkret sollte den Aarau-Fans, die mit dem Zug anreisen, der Eintritt ins Stadion verweigert werden.
Die führenden Köpfe der Aarauer Fanszene hatten mit Locher im Vorfeld diverse konstruktive Gespräche geführt. Doch gewisse Zweifel blieben beim Sicherheitsverantwortlichen: «Man kann nie sicher sein, was passiert. Die Stimmung kann von einem auf den anderen Moment wechseln.»
Alkohol fliesst in Strömen
Bereits am Bahnhof, wie auch während der Zugfahrt, konsumieren die Fans Alkohol - zum Teil in rauen Mengen. Zudem rauchen Einige in den reservierten Wagen. «Wir sagen ihnen zwischendurch, sie sollen das nicht tun, aber verhindern lässt sich das nicht. Einige nehmen aber Rücksicht auf die Kinder und unterlassen es», sagt eine Securitas-Mitarbeiterin. Insgesamt begleiten den Tross 12 Personen, 2 davon sind Frauen. «Ich arbeite gerne mit weiblichen Securitas zusammen. Sie dringen häufig einfacher zu den männlichen Fans durch. Diese lassen sich von Frauen leichter etwas sagen», so Locher.
Die Stimmung im Zug ist gut und friedlich - auch wenn die Fans sich mit lauten Sprechgesängen auf das Spiel einstimmen. An den neuralgischen Punkten, an den Bahnhöfen von Zürich, Winterthur und Wil, schauen die Sicherheitsverantwortlichen, dass keine gegnerischen Fans zusteigen. Da der FC St. Gallen bereits einen Tag zuvor sein Spiel absolvierte, wäre es möglich gewesen, dass sie sich mit den Aarauern am Sonntag Scharmützel hätten liefern können. Doch das ist nicht der Fall. Es bleibt auf der Zugfahrt wie auch bei der Ankunft ruhig.
Massives Polizeiaufgebot
Das Umsteigen im Bahnhof St. Gallen verläuft ebenfalls reibungslos. An der Endstation St. Gallen-St. Fiden steht dann aber ein massives Polizeiaufgebot parat. «Die spinnen doch. So viel Polizei für uns. Wir machen doch nichts. Und was das wieder kostet», echauffiert sich ein Fan. Er behält Recht. Die Aarauer machen zwar viel Lärm und stimmen Sprechgesänge an. Doch sie steigen ganz friedlich in die zwei vorgesehenen Busse, die sie zum Stadion bringen. Die Polizei braucht nicht einzugreifen.
Im Stadion werden die Fans in einem kleinen Sektor wie Vieh regelrecht eingepfercht. Daneben bleibt der Rest der Tribüne leer. Das stört die rund 200 Aarauer Fans - etwa 130 kamen per Zug, der Rest mit dem Auto - aber keineswegs und sie sorgen bei Sonnenschein, Regen, Hagel und Wind für Stimmung während 90 Minuten Spielzeit. Grund dazu gibt es genug: Der Favorit FC Aarau schlägt den SC Brühl mit 3:0.
Bei der Fahrt mit dem Bus vom Stadion an den Bahnhof St. Gallen feiern die Fans ihren FC Aarau. Sie schreien und johlen, im Bus und am Bahnhof, aber alles bleibt im Rahmen. St. Gallen-Fans sind keine da.
Zu wenig Stimmung für zwei Fans
Einmal im Zug angekommen, zollen die meisten Fans dem anstrengenden Tag Tribut. Es herrscht ruhige und angenehme Stimmung. Doch zwei Fans haben scheinbar noch nicht genug Action gehabt an diesem Sonntag: Sie geraten im Zug aneinander. «Die können sich schon längere Zeit nicht schmecken. Aber das war keine grosse Sache, die haben sich schnell wieder beruhigt», sagt ein anderer FCA-Fan. Er meint, diese Auseinandersetzung sei nur wegen des grossen Alkoholkonsums entstanden.
Nichtsdestotrotz kommen alle Fans und auch die anderen Beteiligten nach einem verhältnismässig erlebnisarmen Tag heil in Aarau gegen 19.30 Uhr an.

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