Brasilien

Ney! So rufen ihn seine Freunde und Verehrer. Neymar da Silva Santos Júnior, so heisst er wirklich. Aber was interessiert das schon? Entscheidend ist nur eines: Neymar führt Brasilien zum 6. WM-Titel. Zum ersten seit 2002. Es ist eine gefühlte Ewigkeit her. Doch das Drama an der Heim-WM 2014 ist vergessen.

Die Tränen sind getrocknet. Sein Wirbelbruch, zugezogen im Viertelfinal gegen Kolumbien, sorgt bei Neymar für noch mehr Motivation. Aber alles im Rahmen, nicht mit übermässigem Pathos beladen. Dieses Jahr hat sich Neymar die Verletzung (Fuss) früher zugezogen.

Neymar fährt ausgeruht zur WM und wird mit jedem Spiel besser in Fahrt kommen.

  

Während die Konkurrenz die Strapazen der Saison spürt, fährt der 26-Jährige ausgeruht zur WM. Neymar wird mit jedem Spiel besser in Fahrt kommen. Entscheidend ist: Diesmal muss er nicht allein sein Team tragen. Sondern er wird getragen von einer starken Gruppe – und kann am Ende dann den Unterschied machen. (ewu)

Frankreich

Eigentlich könnte er am Strand liegen und den Sand durch die Zehen rieseln lassen, während ihm die Sonne auf die enthaarte Brust brennt. Aber nein, Karim Benzema kickt. Nicht mit der französischen Nationalmannschaft in Nizza gegen Italien, sondern in Kuwait beim Al-Rudan-Turnier. Nie gehört? Macht nichts, hinter dem klingenden Namen verbirgt sich ein Futsal-Wettbewerb.

Futsal, Sie erinnern sich, das ist so etwas wie der kleine Bruder des Fussballs. Nun, der Mann, der Real Madrid den Weg zum Champions-League-Sieg ebnete, verlustiert sich also mit Freunden in der Wüste, während sich die Équipe Tricolore auf die Eroberung des zweiten Titels nach 1998 vorbereitet.

Karim Benzema: Er ist nicht in Frankreichs WM-Kader mit dabei. Bei der offensiven Durchschlagskraft der Franzosen spielt das aber keine Rolle.

  

Das Schöne daran: Frankreich kann es sich leisten. Selbst ohne den königlichen Benzema – auch ohne den Mass stemmenden Ribéry – ist dieses Team so stark, dass es im Zarenreich alles und jeden auseinanderkugeln wird. Vive la France! (sel)

Spanien

Sevilla. Pfiffe unentwegt. Lauter als 100 Dezibel. So ist es immer, wenn Sergio Ramos mit Real Madrid in seiner Heimat aufkreuzt. Manchmal erzeugen die Anfeindungen Wirkung. Wie vergangenen Mai. Ramos verschiesst einen Penalty und produziert hinterher ein Eigentor. Andere Spieler bleiben liegen. Aber Ramos steht auf. Immer wieder.

Als Real einen zweiten Penalty bekommt, tritt Ramos an und verwandelt. Für die spielerischen Glanzlichter sind andere verantwortlich. Aber Ramos ist der Antreiber, der unbestrittene, hartnäckige, nimmersatte Leader. 151 Länderspiele, viermal Champions-League-Sieger, zweimal Europameister, einmal Weltmeister – keine Ruhe, immer weiter. Unerschütterlich.

Sergio Ramos: Wenn es für den Erfolg sein muss,tut er dem Gegner weh.

Sergio Ramos: Wenn es für den Erfolg sein muss,tut er dem Gegner weh.

Wenn es für den Erfolg sein muss, tut er dem Gegner weh. Wie den Liverpoolern Salah und Karius. Und die Schiedsrichter? Schauen nicht weg, lassen sich aber von der Aura von Ramos blenden. (fsc)

Deutschland

Wer einen Blick auf das Kader des Titelverteidigers wirft, der denkt: Und wo sind die Superstars? Der Star ist die Mannschaft! Diesem Motto unterwirft sich ganz sicher auch Toni Kroos, ein Inbegriff für Teamgedanke. Dabei gilt: Wer im aktuellen Fussball-Olymp nach einem Deutschen sucht, der findet Kroos. Mit 28 Jahren hat der Ostdeutsche die Vita einer Legende: Weltmeister 2014! Champions- League-Sieger 2013 mit Bayern und von 2016
bis 2018 drei Mal in Folge mit Real Madrid!

Immer als Stammkraft, als Metronom, als Waage zwischen Defensive und Offensive, als Wegbereiter für die Kollegen im Scheinwerferlicht. Für Trainer-Gurus wie Jogi Löw, Zinédine Zidane und Jupp Heynckes war er stets der wichtigste Spieler. Das wird er auch in Russland sein, wo die Deutschen den Titel von 2014 verteidigen wollen. Trotz einiger Störfeuer im Vorfeld. Aber sie haben ja Regulator Kroos – das müsste reichen. (wen)

Toni Kroos ist das Metronom, die Waage zwischen Defensive und Offensive, und für jede Mannschaft unentbehrlich.

Toni Kroos ist das Metronom, die Waage zwischen Defensive und Offensive, und für jede Mannschaft unentbehrlich.

Belgien

Würde man ein Allstar-Team der höchstdotierten Liga der Welt, der Premier League, zusammenstellen, dann würde dort locker ein halbes Dutzend belgischer Nationalspieler Platz finden. Zum Beispiel Goalie Courtois (Chelsea), Innenverteidiger Kompany (Manchester City),
der defensive Mittelfeldstratege Dembélé (Tottenham), Regisseur De Bruyne
(Manchester City), Zaubermaus Eden Hazard (Chelsea) oder Torjäger Lukaku (Manchester United).

Und das sind nur die Allerbesten aller herausragenden Belgier. Diese Mannschaft ist auf jeder Position überragend besetzt. So gut, dass man sich fragt, wie die «roten Teufel» am erstmaligen Gewinn des WM-Titels gehindert werden können. Antwort: Gar nicht! Denn der wichtigste Mann steht an der Linie: der spanische Trainer Roberto Martinez. Er schafft es, aus diesen Spielern ein starkes Kollektiv zu formen – und führt Belgien auf den WM-Thron. (ku)

Roberto Martinez, Trainer von Belgien, hat seine Weltklasse-Fussballer gut im Griff.

Roberto Martinez, Trainer von Belgien, hat seine Weltklasse-Fussballer gut im Griff.