Die Umgebung ist wohlbekannt. In Lugano hat das Schweizer Nationalteam unter Vladimir Petkovic so etwas wie eine zweite Heimat gefunden. Hier bereitete sie sich auf die WM vor. Und hier nimmt sie nun Anlauf, um das Länderspieljahr mit positiven Gefühlen zu beenden.
Zunächst trifft die Schweiz in einem Testspiel auf Katar. Ehe sie am Sonntag in Luzern Belgien empfängt. Katar? Das provoziert natürlich Fragen. Wie viel Sinn macht es aus sportlicher Sicht, gegen die Nummer 96 der Weltrangliste zu testen? Katar ist einen Rang hinter den Färöer Inseln klassiert.

Obwohl das Testspiel zu diesem Zeitpunkt obligatorisch ist, fragt man sich, ob nicht ein etwas kompetitiverer vorhanden gewesen wäre. Allzu beeindruckend kann der Schweizer Ruf in der Fussball-Welt also noch nicht sein.

Wie die Belastungen verteilen?

Vladimir Petkovic sitzt im Stadion Cornaredo. Er sagt: «Wir wollen mit einem Sieg gegen Katar positive Energie tanken.» Am Tag zuvor hat er ins Hotel geladen für ein Round-Table-Gespräch. Es kam einem ein bisschen vor, als wäre man im Spital und lauschte dem Oberarzt beim Verlesen der Diagnosen. Bald kam man auf die Idee, es wäre wohl einfacher, festzuhalten, wer von den Schweizer Spielern vorbehaltlos gesund ist als umgekehrt.

Petkovic wirkte etwas verzweifelt. Auch ihm ist bewusst, wie sehr die Spieler in den Vereinen gefordert sind. Seine Worte waren so etwas wie ein kleiner Hilferuf an Uefa und Fifa, endlich zu überlegen, wie die Belastungen besser verteilt werden können. Schliesslich sagte er aber doch noch mit einem Lächeln: «Ich bin immer optimistisch.»

Das Spiel gegen Katar dürfte eine willkommene Chance für einige Spieler der zweiten Garde sein. Sie können beweisen, dass sie eine echte Alternative sind, wenn im März die Qualifikation für die EM beginnt.

Freuler und Mvogo

Einer davon ist Remo Freuler. Er hat im Nationalteam noch nie wirklich überzeugt. Weniger jedenfalls als in der Serie A bei Bergamo. Er sagt: «Klar will ich immer die Bestleistung abrufen. Das gelingt mal besser, mal weniger gut.» Im Tor erhält gegen Katar erneut Yvon Mvogo eine Chance. Dies nach seinem überzeugenden Debüt gegen Island vor knapp einem Monat. «Der Grund dafür ist einfach: Er hat sich den Einsatz verdient», sagt Petkovic.

Nach drei Wochen des Dauerregens schien gestern in Lugano endlich wieder die Sonne. Das ist mit Blick auf das Terrain nicht ganz unbedeutend. Der Rasen im Cornaredo sieht ziemlich mitgenommen aus. Trainings darauf waren nicht möglich.

Das Spiel gegen Katar von heute ist indes nur der Aufgalopp für die grosse Prüfung am Sonntag. Gegen Belgien lockt bei einem Sieg der Gruppensieg in der Nations League. Er würde nebst mindestens drei Millionen Euro Preisgeld dem SFV auch die Teilnahme am «Final 4» im kommenden Juni garantieren. Es wäre ein hübscher Erfolg zum Schluss eines turbulenten Jahres. Für einen Sieg müsste indes schon ziemlich vieles stimmen. Belgien ist schliesslich nicht umsonst WM-Halbfinalist und Nummer 1 der Weltrangliste.