FC Basel

Torschützenkönig, Punktemaximum, und Abschiedsworte: Der FCB vor dem letzten Spiel

Seydou Doumbia könnte sich gegen den FC St. Gallen die Torjäger-Kanone in der Super League holen.

Seydou Doumbia könnte sich gegen den FC St. Gallen die Torjäger-Kanone in der Super League holen.

Der FC Basel bestreitet am Freitagabend gegen den FC St. Gallen sein letztes Saisonspiel. Neben diversen Abschieden, die auf dem Programm stehen, haben die Basler auch noch die Möglichkeit, gleich mehrfach Geschichte zu schreiben.

«So wird das aber nichts morgen», ruft Urs Fischer Seydou Doumbia zu. «So bleibst du bei 18 stehen!» Doumbia selber verwirft nur die Hände, sein Ball flog eben ziemlich deutlich über dem Tor vorbei. Es will nicht so recht klappen in diesem Training. Während all seine Mitspieler Tor um Tor machen, eines schöner als das andere, fliegen die Bälle des FCB-Stürmers reihenweise vorbei.

Es ist der Tag vor dem letzten Saisonspiel. Das letzte Abschlusstraining der Meisterschaft 2016/2017. Für die Spieler geht es am Freitagabend um so gut wie nichts mehr. Ausser für einen: Seydou Doumbia. Er kann sich, so er mindestens einmal trifft gegen St. Gallen, zum Torschützenkönig der Super League küren.

Aktuell ist er gleich auf mit YBs Guillaume Hoarau, der ebenfalls bei 18 Treffern steht. Weil Hoarau verletzt ist, liegt es alleine in Doumbias Füssen, Hoarau hingegen ist machtlos und müsste zuschauen, wie die ihm schon fast sicher geglaubte Torjägerkanone doch noch weggeschnappt wird.

Die Generalprobe misslingt Doumbia aber komplett. Immer wieder haut der Ivorer den Ball daneben, immer wieder ruft ihm Fischer zu. Zwei Stunden später sitzt Letzter im Medienzentrum, bereit zur Pressekonferenz. Es ist seine letzte als Trainer des FC Basel. Für ihn untypisch verrät er, dass Doumbia gegen St. Gallen spielen wird. «Schliesslich kann er das Rennen um den Titel des Torschützenkönigs noch für sich entscheiden. Da ist es logisch, dass er den Vorzug bekommt.»

Jankos selbstlose Aktion 

Sogar Marc Janko, Doumbias direkter Konkurrent um den einzigen Platz in der Sturmspitze, habe diese Idee an Fischer herangetragen. Obschon es Jankos letztes Spiel für die Basler sein wird, lässt er selbstlos und grosszügig Doumbia den Vorzug. Schliesslich geht es um Bestmarken. Und glaubt man Fischer, dann ist das Knacken dieser fast nur Formsache: «Seydou hat Qualitäten. Er hat immerhin schon 18 Tore erzielt. Und ich gehe davon aus, dass es 19 werden. Wenn nicht sogar 20.»

Der Gewinn der Torjägerkrone in Person von Seydou Doumbia ist aber tatsächlich nicht das einzige verbleibende Ziel, dass der FCB im letzten Saisonspiel hat. So könnte mit einem Sieg der Punkterekord der Saison 2003/2004 um einen Zähler auf 86 verbessert werden. Eine Marke, von der man damals sagte, sie sei für die Ewigkeit. Wären die Resultate seit Sicherstellen der Meisterschaft gegen Luzern nicht so bescheiden gewesen, Fischer und sein Team hätten diese Bestmarke gar schon längst geknackt.

Jetzt aber kann es im letzten Spiel geschafft werden. Genauso wie der Rekord der erzielten Tore. Aktuell steht der FCB bei 88 Treffern, erzielte im Schnitt 2,5 Tore pro Spiel. Gelingt den Baslern das auch heute, fällt auch hier ein Rekord: jener aus der Saison 2009/2010, der ersten unter Thorsten Fink, als nach 36 Spielen 90 Tore zu Buche standen.

Direkt verbunden damit ist auch die Tordifferenz. Momentan hat der FCB ein Plus von 54 Toren, genau so wie in der bislang besten Spielzeit – jener 2003/2004. Auch hier ist ein neuer Höchstwert möglich.

Ein würdiger Abschied für den Double-Trainer

Des Weiteren könnten noch drei Rekorde egalisiert werden: die meisten Siege (26, Saison 2003/2004), die wenigsten Niederlagen (2, Saison 2013/2014) und keine Pleiten in Heimspielen (erreicht in den Saisons 03/04 und 04/05).

All diese Zahlenspiele und das Erreichen dieser neuen Bestwerte wären das Tüpfchen auf dem i einer national ohnehin schon bemerkenswerten Saison. Und vor allem würde es Fischers gute Arbeit, die er mit dem Team geleistet hat, noch einmal unterstreichen und ihm einen noch würdigeren Abschied bereiten. Denn für den Double-Trainer ist am Freitag Schluss. «Es wird sehr, sehr speziell werden», gibt er zu. Vor allem, ein letztes Mal in das volle Stadion zu laufen (im Vorverkauf gingen 28 000 Tickets weg), werde ihn berühren.

In der Kabine hingegen werde auf grosse Emotionen oder Abschiedsworte verzichtet. «Ich habe schon ein paar Worte an die ganze Mannschaft und den Staff gerichtet. Es ging darum, mich für diese fantastische Zeit zu bedanken.» Die Abschiedsworte, sie seien ihm etwas leichter gefallen als nach seiner Entlassung als beim FCZ, weil er mehr Zeit hatte, es zu verarbeiten. «Aber wenn ich mich dann von jedem noch einmal persönlich verbschiede, dann wird es sicher emotionaler werden.»

Am Freitagabend soll es aber um den Fussball gehen. Und gefeiert werden. Die Meisterschaft. Das Double. Und vielleicht auch noch ein paar neue Bestmarken – und den Torschützenkönig der Liga.

Infogram: Die möglichen Rekorde des FC Basel

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