Nassim Ben Khalifa hat vor Gericht gewonnen. Was löst das Urteil in Ihnen aus?
Alain Sutter: Nichts. Es ist das Urteil des Richters und damit ein Fakt. Auch bin ich nicht sauer auf Nassim. Es war sein gutes Recht, gegen uns zu klagen. Wir leben in einem Rechtsstaat, wir müssen das jetzt umsetzen und werden nicht rekurrieren.

Aber die Causa ist schon irritierend. Sie gelten als harmoniebedürftiger, sensitiver Mensch – ausgerechnet unter und auch wegen Ihnen kam es nun zu einem solchen Streit.
Wir haben nie gestritten! Und was heisst harmoniebedürftig? Es geht letztlich darum, vernünftig und korrekt miteinander umzugehen. Es gab halt unterschiedliche Sichtweisen und Umstände, die zu alledem führten.

Ist es sinnvoll, den Spieler weiter bis Sommer 2020 im Kader zu haben?
Die Sinnfrage stellt sich mir nicht. Bis Sommer 2020 ist er ein Mitglied des FC St.Gallen, ausser er findet früher einen neuen Arbeitgeber.

Die Grasshoppers machten es anders. Sie suspendierten sechs Spieler. Wieso tat dies der FC St.Gallen nicht?
Wie das Urteil jetzt zeigt, hätten wir dafür keine rechtliche Handhabe gehabt. Wir wussten, dass wir Nassim nicht dauerhaft vom Mannschaftstraining ausschliessen können. Aber es war möglich, ihn für eine bestimmte Zeit in die U21 zu schicken.

Auf dem juristischen Parkett hat der FC St.Gallen verloren. Auf dem Rasen läuft es ebenfalls nicht gut.
Natürlich sind wir nicht zufrieden, unsere Lage ist brisant. Wir werden jetzt aber nicht nervös deswegen.

Trainer Peter Zeidler hat immer gesagt, er werde ihm niemals passieren, dass er des Feldes verwiesen werde. Doch nervös?
Das muss man im Kontext betrachten. Wir hatten zwei schlechte Spiele gegen Lugano und Luzern, die für alle unbefriedigend waren. Dann gehst du nach Bern, du spielst gut, führst – und dann kommt in der 81. Minute der Handspenalty. Wir sind Menschen mit Emotionen. In dieser Situation habe ich vollstes Verständnis für den Coach.

Was muss passieren, dass der FC St.Gallen von einer guten Saison spricht?
Dass wir in den restlichen Spielen so auftreten wie in den sechs guten Partien in der Rückrunde. Wenn wir so spielen, holen wir auch wieder Punkte.

Und dann erkennt man, dass man auf dem Transfermarkt aktiv werden muss? Es laufen 13 Verträge aus.
Ich mache meine Kaderplanung nicht öffentlich, auch wenn ich Pläne habe. Pläne, von denen ich weiss, dass einige scheitern können. Am Schluss gibt es dann eine Realität, die wir zusammenbringen und bekannt geben. Ablösesummen werden wir weiterhin keine bezahlen.

Sie sagten, Peter Zeidler sei Ihr bester Transfer. Was überzeugt Sie an ihm?

Alles. Wie er arbeitet, wie er den Fussball sieht, wie er mit den Menschen und den Spielern umgeht, wie sein Umgang mit den Medien und in der Öffentlichkeit ist.

 
Man hört, er werde herumgeboten. Es könnte also sein, dass er dem FC St.Gallen abhandenkommt.
Ich bin Realist. Jeder Verein, der einen Trainer sucht, muss irgendwann auch auf den Namen Peter Zeidler stossen. Logisch ist er begehrt auf dem Markt, weil er einfach hervorragende Arbeit leistet. Nicht umsonst rufen mich viele Berater an, die ihre Spieler bei uns platzieren wollen. Dank Peter Zeidler bekommt der FC St.Gallen Spieler, die er sonst nicht erhalten würde. Es ist nicht selbstverständlich, dass er unser Trainer ist. Ich gehe jetzt aber nicht davon aus, dass Peter Zeidler im Sommer uns verlässt. Aber im Fussball gibt es keine absoluten Garantien.

Wenn Zeidler den Verein verlassen würde: Wie wäre das für Sie?
Ich würde das sehr bedauern, weil ich sehr gerne mit ihm zusammenarbeite. Und ich müsste einen neuen Trainer suchen. Aber das ist alles hypothetisch.

Ist es auch hypothetisch, dass Sie Sportmanager der Schweizer A-Nationalmannschaft werden? Der Name Alain Sutter wird gehandelt.
Zu Gerüchten nehme ich keine Stellung. Ich bin hier beim FC St.Gallen und nicht auf der Suche. Ich habe einen extrem herausfordernden Job, ich habe keine Kapazität, mich um anderes zu kümmern.

Die Partien heute gegen die Grasshoppers und am Samstag in Neuenburg bekommen plötzlich eine ungleich wichtige Note.
Wir müssen unsere Negativserie durchbrechen. Die Grasshoppers kommen mit dem Messer zwischen den Zähnen und kämpfen ums Überleben. Und sie haben Qualität. Rein tabellarisch ist diese Partie wegweisend, wir sind jetzt nur noch Achter. Am Ende der Woche nach dem Spiel gegen Xamax wissen wir, wo es für uns hingeht. Realistisch gesehen können wir beide Partien gewinnen. Wir haben es in den Füssen. Aber wir müssen gut sein.