WM 2018

Shaqiri schiesst das Siegtor und dessen Heimat Kosovo tickt aus

Im Kovoso - auch der 27. Kanton der Schweiz genannt - feiern Fussballfans den Sieg der Schweizer Nationalmannschaft gegen die Serben. Wir haben vor Ort in Gjilan mitgefeiert, der Heimat von Siegtorschütze Xherdan Shaqiri.

Mit dem Schlusspfiff der Partie Schweiz-Serbien jubelten die Fans nicht nur in Zürich, Bern oder Genf. Auch im kosovarischen Gjilan flippten die Fussballfans aus. Gerade hat Xherdan Shaqiri kurz vor Spielschluss das Siegtor geschossen.

Dazu muss man wissen: Gjilan ist die Heimatstadt des Schweizer Nationalspielers. Die Stadt hat seinen berühmten Sohn 2014 nach der Weltmeisterschaft in Brasilien zum Ehrenbürger ernannt.

"Wir feiern für die Schweizer", freut sich eine Frau in Gjilans Strassen. Autos hupen, Leute singen. Der Provinzhauptort ist ausser Rand und Band. Die Hauptstrasse ist verstopft. Ein Fan hält Shaqiris Trikot hoch. Shaq war der Mann des Spiels.

Gjilan feiert den Schweizer Sieg

Gjilan feiert den Schweizer Sieg

Die Schweizer Nationalmannschaft hat 2:1 gegen Serbien gewonnen. Fussball Weltmeisterschaft Russland 2018. In Gjilan Shaqiris Heimatstadt feiern Albaner mit Schweizer Flagge

Es sieht aus wie an der Zürcher Langstrasse, wo nach Spielschluss ebenfalls alles feiert, Feuerwerk wird gezündet.

Fans feiern den Schweizer Sieg an der Zürcher Langstrasse

Fans feiern den Schweizer Sieg an der Zürcher Langstrasse

Die Schweizer Nationalmannschaft hat 2:1 gegen Serbien gewonnen. Fussball Weltmeisterschaft Russland 2018.

In Gjilan schickt Festa Shabani eine Grussbotschaft auf Albanisch in die Schweiz: "Wir gratulieren aus Gjilan. Wir gratulieren aus Kosova. Gratulationen in die Schweiz."

Festa Shabani und Melani Alilaj gratulieren der Schweiz

Festa Shabani und Melani Alilaj gratulieren der Schweiz

Shabani: "Wir gratulieren aus Gjilan. Wir gratulieren aus Kosova. Gratulationen in die Schweiz." Die Schweizer Nationalmannschaft hat 2:1 gegen Serbien gewonnen. Fussball Weltmeisterschaft Russland 2018. In Gjilan Shaqiris Heimatstadt feiern Albaner.

Ausgerechnet jene beiden Spieler, die von den serbischen Fans im Stadion von Kaliningrad ununterbrochen ausgepfiffen worden waren, hatten einen Rückstand in einen Schweizer Sieg verwandelt: Neben Shaqiri auch Granit Xhaka.

Es war das erwartet heisse Spiel an der Weltmeisterschaft in Russland.

Kosovaren feiern den Schweizer Sieg gegen Serbien - Hupkonzert

Kosovaren feiern den Schweizer Sieg gegen Serbien - Hupkonzert

Die Schweizer Nationalmannschaft hat 2:1 gegen Serbien gewonnen. Fussball Weltmeisterschaft Russland 2018. In Gjilan Shaqiris Heimatstadt feiern Albaner mit Schweizer Flagge.

Fussballspiele zwischen der Schweiz und Serbien sind seit einigen Jahren emotionsgeladene Begegnungen. Das liegt an den Nationalspielern kosovo-albanischer Herkunft: Xhaka, Shaqiri, oder Behrami. Hintergrund: Serbien weigert sich, seine ehemalige Provinz den Kosovo als unabhängigen Staat anzuerkennen. 

Politik schwingt mit

Für die Schweiz mag das WM-Spiel Sport sein, für die Kosovaren ist es einen Tick mehr. Die gespannte Beziehung zu Serbien durchdringt alles. Der Sieg der Schweiz und ihrer kosovostämmigen Nationalspieler über Serbien ist für die Menschen in Gjilan auch ein Sieg Kosovos gegen Serbien. Und wohl auch für Xhaka und Shaqiri.

Kosovo selbst hat den Sprung an die WM nicht geschafft, die Qualifikations-Spiele waren die ersten in der Geschichte des jüngsten europäischen Staates. 

Der Doppeladler

Xhaka wie Shaqiri haben beim Torjubel die Hände übereinandergelegt - zum Doppeladler. Es ist das Wappentier der Albaner. Eine Reaktion auf das Pfeifkonzert der Serben? Eine Reaktion auf die Provokationen von Politikern aus Serbien vor dem Spiel?

"Es geht hier nicht um Politik, sondern um Fussball", sagt Shaqiri nach dem Spiel in die Kameras. Und auch Xhaka will nichts von Politik wissen: "Die Geste war für die Leute, die mich immer unterstützt haben. Sie war nicht gegen den Gegner gerichtet."

So richtig glauben, kann man das nicht.

Der vierfache WM-Torschütze erklärt in einem heute erschienen Artikel bei der «Players Tribune», wie er zur Schweiz und zum Kosovo steht.

«Ich glaube, meine Gefühle für die Schweiz werden oft missverstanden», erklärt Shaqiri und fährt fort: «Ich habe zwei Heimaten. So ist es einfach.»

Im Netz machen die Torjubel von Xhaka und Shaqiri bereits weltweit die Runde. Die Kosovaren sind stolz auf ihre Fussballhelden. Das Adlerzeichen finden sie toll.

Benzin ins Feuer gegossen

Der Schweizer Nati-Trainer Vladimir Petkovic versuchte Distanz zu halten zur politisch mehr als heiklen Debatte. "Wir trennen Sport und Politik. Das halte ich genauso wie der Verband und die Spieler. Wir sind neutral und dies auf und neben dem Platz." Aber dann hob er doch noch den Warnfinger in Richtung Medien und meinte ironisch: "Ich danke dafür, dass man noch Benzin ins Feuer gegossen hat."

Der serbische Trainer Mladen Krstajić will nicht auf die Diskussion um den Torjubel der Schweizer eingehen. "Ich bin keiner, der sich damit auseinandersetzt. Ich bin Sportler und werde es bleiben.”

Twitter: Reaktion Serbischer Trainer

Doch Shaqiri hat auch eine ikonografische Pose eingenommen: jene des Italieners Balotelli:

Meistgesehen

Artboard 1