Kommentar
Scheitern mit Ansage: Mit dem Ausscheiden hat Deutschland den Tiefpunkt erreicht

0:2 verliert Deutschland gegen Südkorea und scheidet damit bereits in der Gruppenphase aus. Zum ersten Mal überhaupt. Damit ist der Tiefpunkt erreicht. Wie soll es nun weitergehen?

Sebastian Wendel
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Toni Kroos läuft betrübt vom Platz.

Toni Kroos läuft betrübt vom Platz.

Keystone

Der letzte war mit Abstand der schlechteste von drei bedenklichen Auftritten. Man rieb sich verwundert die Augen, ehe ZDF-Kommentator Béla Réthy für Gewissheit sorgte: «Was Sie da sehen, ist keine Zeitlupe.»

Apathisch, ängstlich, ideenlos, unbeteiligt – nach dem 0:2 gegen Südkorea braucht es kein «Was wäre wenn», kein Jammern über fehlendes Glück: Das Ausscheiden ist ganz einfach verdient. Vier Jahre nach dem Triumph in Brasilien ist der Titelverteidiger am Tiefpunkt angelangt: Noch nie in der WM-Geschichte blieb Deutschland in der Vorrunde hängen.

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Mario Gomez

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Es ist ein Scheitern mit Ansage. Die letzte überzeugende Leistung datiert vom November 2017 (2:2 gegen Frankreich). Die Wochen vor der WM verliefen unbefriedigend: lasche Auftritte in den Testspielen; die Affäre um Mesut Özil und Ilkay Gündogan, die zu Propaganda-Zwecken neben dem türkischen Diktator Erdogan posierten; und letztlich die Ungewissheit über den Formstand und die Gesundheit mehrerer Schlüsselspieler.

Trainer Jogi Löw hat den Problemen zu wenig Beachtung geschenkt. Der Glaube, dank der Qualität und dem Selbstverständnis den Schalter rechtzeitig umlegen zu können, war fatal. Dass der Last-Minute-Sieg gegen Schweden letztlich nur eine Nebelpetarde und nicht der vermeintliche Befreiungsschlag war, steht sinnbildlich für die tiefliegenden Probleme. Ebenso der Fakt, dass Löw auch im dritten WM-Spiel seine Mannschaft noch nicht gefunden hat.

In Deutschland lautet nun die grosse Frage: wie weiter mit Jogi Löw? Vier Jahre nach dem Höhepunkt hat er sich quasi selber entzaubert: Er hat mit ManCity-Star Leroy Sané auf den besten Jungprofi der besten Liga der Welt verzichtet, er hat trotz Alarmzeichen an seinen Lieblingsspielern festgehalten, er hat die Startpleite gegen Mexiko (0:1) schöngeredet, ja er hat die offensichtlichen Probleme mit seinem Charme wegmoderiert.

Trotz Vertrag bis 2022 sagt er: «Ich weiss nicht, wie es weitergeht.» Entlassen wird er nicht, dafür ist sein Stellenwert nach zwölf Jahren im Amt zu gross. Die Frage «Wie weiter mit Jogi Löw?» beantwortet nur er selber.

So titeln die Deutschen Nachrichtenportale nach dem WM-Aus:

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Die Zeit setzt auf Humor.
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Der Spiegel bleibt kurz und knapp.
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... gehen durch ganz Deutschland.
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