Wer am Pokertisch «all in» geht, ist entweder verzweifelt oder zu hundert Prozent von seinen Karten überzeugt. Was ist Paulo Sousa, als er vor der Partie gegen Liverpool die 18 Namen auf das Matchblatt schreibt? Wir wissen es nicht. Was wir hingegen aus dem Aufgebot ableiten können: Der portugiesische FCB-Trainer geht gegen den englischen Vizemeister «all in»: Mit Ahmed Hamoudi und Breel Embolo beginnen zwei Spieler, die in der Super League noch nie (Hamoudi) oder erst ein Mal (Embolo) in der Startfomation standen.

Dafür sitzen Shkelzen Gashi und Derlis Gonzalez, zwei Garanten für die vielen Tore in der Meisterschaft, nur auf der Bank. Gar für Kopfschütteln sorgt der Blick auf die Ersatzbank: Kein, ja sie lesen richtig, kein Verteidiger sitzt da. Samuel, Aliji, Ajeti – alle Kandidaten sitzen auf der Tribüne. Sousas Aufgebot gegen das offensiv hochkarätig besetzte Liverpool – ein Hochrisiko-Entscheid.

Einer, der nur aufgeht, wenn alles für den FCB läuft. Schon zu Beginn droht Sousa entlarvt zu werden, als Safari nach acht Minuten verletzt raus muss und für den Linksverteidiger der offensive Gonzalez kommt. Doch abgesehen davon hat der FCB an diesem Abend alle Trümpfe in seiner Hand: Er profitiert davon, dass Liverpool seine Baisse aus der Liga (Rang 14) mit ans Rheinknie nimmt und offensiv nie auf Touren kommt. Und der FCB hat eine Mannschaft auf dem Rasen, in der – angetrieben vom euphorischen Publikum – persönliche Eitelkeiten keinen Platz finden. Kämpferisch war das eine Darbietung fürs Lehrbuch. So wie es sein muss, wollen 88 Millionen gegen 300 Millionen Franken Umsatz gewinnen.

Was bedeutet dieser Erfolg für die Zukunft? Zuerst einmal, dass Rot-Blau weiter voll im Rennen ist um die Achtelfinals. Vorausgesetzt, er leistet sich in den kommenden zwei Spielen gegen Ludogorez keinen Ausrutscher. Andererseits kann dieser grossartige Erfolg wie ein Befreiungsschlag wirken, nachdem Sousas bisherige Arbeit bei den Beobachtern und auch in der Mannschaft viele Fragen aufgeworfen hat. Ab auf die Welle!