Fussball

Nach 100-Millionen-Bale: «Das ist ökonomischer Irrsinn»

100 Millionen Euro für Gareth Bale, über 1 Milliarde Euro für die 30 teuersten Transfers des Sommers. «Das ist ökonomischer Irrsinn», sagt Willy Brockes von der Europäischen Sponsoring-Börse. «Die Spieler werden zu Handelsware», sagt Michel Platini.

«Die kolportierten Transfersummen sind völlig unvernünftig, jenseits von Gut und Böse. Solche Auswüchse sind bedauerlich. Kein Spieler ist diese Summen wert.» Das sagte Fussballlegende Günter Netzer der Handelszeitung. Damals wurde gerade bekannt, dass Mario Götze für 37 Millionen Euro von Borussia Dortmund zu Bayern München wechselt.

Götze noch knapp in den Top 10

Vom Rekordtransfer von Gareth Bale war damals noch nicht die Rede. Die Summe von 100 Millionen Euro soll Real Madrid für den Waliser hingeblättert haben. Götze schafft es mit seinen 37 Millionen gerade noch in die Top 10 der Sommerhitparade. Die 30 teuersten Transfers des Sommers zusammengezählt kosten 1017 Millionen Euro.

100 Millionen nicht refinanzierbar

«Auf diesem extrem hohen sportlichen Level explodieren die Preise», sagt Willy Brockes von der Europäischen Sportbörse, «diese Spieler sind High Performer.» Doch Verständnis für solche Summen kann der studierte Betriebswirt nicht aufbringen. «Das kann nicht gut investiertes Geld sein. 100 Millionen Euro können nicht refinanziert werden.» Nicht durch Trikotverkäufe, nicht durch Ticketpreise, nicht als Werbeträger.

Lob an Schweizer Klubs

Längerfristig seien nur eine solide Finanzierung und vernünftige Preise erfolgsversprechend. Dabei lobt Brockes die Schweizer Klubs wie den FC Thun oder St. Gallen, die sich für die Euro League qualifiziert haben. «In der Schweiz wird gut gewirtschaftet», sagt Brockes.

Platini: «Eine Schande»

Dagegen halten 99 Prozent der Fussball-Kenner das Vorgehen von Real Madrid für Schwachsinn. Brockes ist gespannt, ob sich Uefa-Präsident Michel Platini kritisch zu Wort melden wird. Und das hat der Franzose bereits. «Heute gehören viele Spieler ja nicht einmal den Klubs, sondern Unternehmen oder Investoren. Das ist eine Schande, es ist ein grosses Geschäft geworden», sagte der 58-Jährige in Monaco. «Die Spieler werden damit zu Handelsware. Wir müssen uns etwas Gesünderes überlegen.»

Brockes findet «traurig», was gerade geschehe. Bis vor wenigen Tagen hätte er sich einen Transfer wie jenen von Bale nicht vorstellen können. Dass der wirtschaftliche Aufschwung eine Rolle spielt, glaubt der Geschäftsführer der Sponsoring-Börse nicht. Gerade in Spanien, wo die Wirtschaft nicht in Schwung kommt, werden die horrendesten Preise bezahlt. Dabei sind die Klubs hochverschuldet. «Das ist unlauterer Wettbewerb», sagt Brockes, das könne nicht im Sinn des Fairplay-Gedankens der Uefa sein.

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