Deutschland

Meisterfrage geklärt, Abstiegsfrage offen

Urs Fischer im Fokus: Der Schweizer Coach kämpft mit Union Berlin um den Ligaerhalt und kann dabei nicht auf seine Fans zählen

Urs Fischer im Fokus: Der Schweizer Coach kämpft mit Union Berlin um den Ligaerhalt und kann dabei nicht auf seine Fans zählen

In der 28. Runde der Bundesliga fiel die vermeintliche Entscheidung im Titelrennen zu Gunsten von Bayern München. Für die verbleibenden sechs Runden rückt so das untere Tabellendrittel in den Fokus.

Die Meisterfrage in der Bundesliga gilt seit Dienstag als geklärt. Der achte Meistertitel in Folge ist Bayern München nach dem 1:0-Sieg in Dortmund kaum mehr zu nehmen, womit sich der Fokus der Medien in Deutschland auf andere Schauplätze verschiebt: Vermeintlich harmlose Aussagen von Trainern werden zu möglichen Rücktritten umgedeutet, Goalies werden nach Fehlern auf die Ersatzbank oder zu anderen Klubs geschrieben, und die untere Tabellenregion gewinnt an Bedeutung.

Während der Tabellenletzte Paderborn acht Punkte hinter dem Barrage-Platz zurückliegt und sich kaum mehr Hoffnungen auf den Verbleib in der Bundesliga machen kann, zittern sechs Klubs darum, Ende Saison nicht dasselbe Schicksal zu erleiden. Bis zum Liga-Neustart vor zwei Wochen sah Werder Bremen wie der zweite sichere Bundesliga-Absteiger aus, doch seit dem Wiederbeginn ist das Team von Florian Kohfeldt gefestigter unterwegs. Aus den letzten beiden Spielen gegen die weitaus besser klassierten Teams aus Freiburg (1:0) und Mönchengladbach (0:0) resultierten für Werder vier Punkte.

Die Aussicht auf weiteren Zuwachs ist günstig, am Samstag treffen die Bremer auswärts in Gelsenkirchen auf ein zuletzt desolates Schalke. Seit Januar wartet die Mannschaft von David Wagner in der Bundesliga auf einen Sieg, der zu Saison-Halbzeit mögliche Europacup-Startplatz ist in Ferne gerückt. Die Gäste aus Bremen haben den Abstiegskampf seit Wiederaufnahme des Spielbetriebes angenommen, von "sieben Finals" sprach Trainer Kohfeldt vor der Partie in Gelsenkirchen. "Keiner darf die Galligkeit verlieren. Keiner darf die Griffigkeit verlieren. Wir haben nur noch Schlüsselwochen vor uns", sagte er anlässlich der Online-Pressekonferenz vor dem Spieltag.

Einen ähnlichen Aufwärtstrend wie Bremen weisen von den gefährdeten Klubs seit dem Neustart der Tabellen-16. Fortuna Düsseldorf (5 Punkte) und Augsburg (12./4 Punkte) aus, denen am Samstag aber deutlich härtere Prüfungen bevorstehen werden. Düsseldorf tritt bei den Bayern an, während Augsburg mit den Schweizern Ruben Vargas und Stephan Lichtsteiner gegen die ebenfalls erstarkte Hertha aus Berlin spielen muss. "Hertha ist im Flow, spielt einen guten Fussball derzeit. Aber wir bereiten jedes Spiel so vor, dass wir drei Punkte holen wollen", sagte Vargas im Hinblick auf die kommende Partie.

Den Atem der Konkurrenz im Nacken spürt plötzlich auch Aufsteiger Union Berlin. Für das Team des Zürchers Urs Fischer resultierten aus den letzten fünf Spielen nur zwei Punkte, neben dem Platz sorgte zusätzlich die Freistellung von Angreifer Sebastian Polter für Aufregung. Wie deutsche Medien berichten, soll der 29-Jährige als einziger Spieler des Union-Kaders den im März beschlossenen Gehaltsverzicht nicht mitgetragen haben. Dieses "unsolidarische Verhalten" passe nicht zu den "elementaren Werten des 1. FC Union Berlin", schrieb der Aufsteiger in einer Mitteilung.

Die öffentliche Demaskierung Polters, die Fischer mitträgt, kam drei Tage vor einem schwierigen Spiel bei Borussia Mönchengladbach. Dem Tabellen-4. ist der Neustart indes nicht gut bekommen, nur ein Sieg resultierte aus den drei Spielen seit dem 16. Mai. Dennoch ist für Fischer klar: "Das wird eine schwierige, aber interessante Aufgabe." Für sein Team gelte es, an die Leistung vom Mittwoch gegen Mainz (1:1) anzuknüpfen, als sich Union auch von einer Gelb-Roten Karte gegen Robert Andrich in der 41. Minute nicht aus dem Konzept bringen liess. Dass sich Unions Vorsprung auf den Barrage-Platz seit dem Neustart auf vier Punkte halbiert hat, löst bei Fischer keine Nervosität aus. "Wir wussten von Beginn weg, in welcher Region wir uns in etwa aufhalten würden", sagte Fischer. Union Berlin befinde sich seit dem Saisonstart im Abstiegskampf, neu ist seit Dienstag nur, dass es die deutschen Medien interessiert.

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