FC Aarau
Jäckle, Perrier und Carlinhos: Aaraus Tormaschine besiegt Winterthur mit 3:0

Für den FC Aarau ging es bisher in der Rückrunde nur eines: bergauf. Auch gegen Winterthur folgte der nächste Streich. Nach drei Toren in der zweiten Halbzeit setzen die Aarauer ihre Fahrt auf der Erfolgsspur fort.

François Schmid-Bechtel (Text) und Patrick Haller (Liveticker)
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Patrick Rossini setzt sich gegen Winterthurs Guillaume Katz in Szene.
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Das Duell der Captains: Winterthurs Patrik Schuler und Sandro Burki.
Juan Pablo Garat gegen Winterthurs Sead Hajrovic.
Sead Hajrovic dürfte sich gegen Miguel Peralta nur eines Gedacht haben: «Auge zue, grind abe und seckle!»
Winterthurs Patrik Schuler startet gegen Zoran Josipovic einen Kung-Fu-Angriff. Der Tessiner kommt zum seinem Pflichtspieldebut.
Der Torschütze zum 1:0, Olivier Jäckle, und Musa Araz stellen sich dem Zweikampf.
Luca Radice (Mitte) und Kim Jaggy versuchen, Christian Fassnachts Angriff abzuschwächen.
Nur eine Minute nach seiner Einwechslung traf Michael Perrier (links) zum zwischenzeitlichen 2:0.
Carlinhos setzt dem klaren Sieg mit seinem Treffer zum 3:0 den Deckel auf.
FC Aarau - FC Winterthur, 10.04.2016
Der aktuelle und der alte Aarau-Trainer: Marco Schällibaum (links) und Sven Christ beim Handshake nach dem Spiel.

Patrick Rossini setzt sich gegen Winterthurs Guillaume Katz in Szene.

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Ein Tor von Olivier Jäckle ist seltener als die Sonnenfinsternis. Womit wir nicht die Qualitäten des 23-Jährigen anzweifeln. Schliesslich hat er als Defensivspieler andere Kernaufgaben als Tore zu erzielen. Trotzdem: Knapp drei Jahre sind vergangen, seit Jäckle letztmals getroffen hat. Damals, am 20. Juli 2013, schoss er das 1:0 gegen Luzern (4:2). Am Sonntag erzielte er das 1:0 gegen Winterthur.

Perrier der Terrier

Seltenheitswert haben auch Tore von Michael Perrier. In 256 Spielen als Profi hat er zehn Treffer erzielt. Doch Aarau hat den 27-Jährigen im Sommer nicht wegen seiner Torgefahr, sondern wegen seiner bissigen Art, seiner Gabe, das Spiel des Gegners zerstören zu können, verpflichtet. Und Perrier, im Sommer als Ergänzungsspieler vom FC Sion gekommen, hat sich wohl mehr ausgerechnet, als eine Spielklasse tiefer wieder nur Ergänzungsspieler zu sein. Perrier sollte Sandro Burki im zentralen Mittelfeld den Rücken frei halten. Doch seit Jäckle sich auf ebendieser Position unentbehrlich gemacht hat, sitzt Perrier in der zweiten Reihe. Gleichwohl hat der kleine, drahtige Kämpfer aus dem Wallis seinen grossen Auftritt. Mit der ersten Ballberührung nach seiner Einwechslung – Sandro Burki musste mit Knieproblemen raus – erzielt Perrier mit dem 2:0 sein erstes Tor für Aarau.

Die zwei Torpremieren sind ein klares Indiz: Der FC Aarau hat ein Ticket für die Welle gelöst, tobt sich auf dieser genüsslich aus. Elf Spiele hat die Mannschaft von Trainer Marco Schällibaum nicht mehr verloren. Das Ende dieses Ritts auf der Welle ist nicht abzusehen.

Im Stil einer grossen Mannschaft

Sinnbild für diesen Lauf ist die Partie gegen Winterthur. Das Team des früheren Aarau-Trainers Sven Christ erstickt das Spiel des Gegners. Daraus entsteht Rasenschach mit einer Pattsituation. Denn Aarau bekundet enorme Probleme mit dem Mittelfeldpressing der Zürcher. Doch Aarau bleibt gelassen, agiert nie panisch. Wohl wissend, dass Abwehrgigant Stéphane Besle den Laden im Griff hat. Und vorne die Chance irgendwann kommen würde. Kurz: Aarau gewinnt im Stil einer grossen Mannschaft, die hinten nichts anbrennen lässt und bei Bedarf einen Gang hochschalten kann.

«Wir wussten, dass Aarau bei Standardsituationen sehr gefährlich ist», resümiert Christ. «Trotzdem haben wir das 0:1 nach einem Eckball kassiert.» Auch wenn Winterthur innerhalb einer Minute durch Fassnacht und Bengondo zwei ausgezeichnete Ausgleichsmöglichkeiten auslässt, ist eine taktische Alternative zur Spielzerstörung nicht erkennbar. «Doch, doch, wir hatten einen Plan B», wehrt sich Christ. «Aber nach dem zweiten Gegentreffer war das Spiel gelaufen.»

Ist es eine Frage der Qualität, dass Winterthur Aarau nur eine Halbzeit lang Paroli bieten konnte? Christ sagt: «Wir sind mit zwei Niederlagen in Serie nach Aarau gekommen. Deshalb war das Selbstvertrauen sicher nicht ganz intakt. Klar ist aber: Die Mannschaft benötigt einen Umbruch. Und dieser wird im Hinblick auf die neue Saison auch vollzogen.»

Jäckle löst mit dem 1:0 kurz nach der Pause die Handbremse. Das Spiel der Aarauer wird zielstrebiger, ideenreicher. «Ich habe in der Pause darauf hingewiesen, dass wir mehr laufen, häufiger die 1:1-Situation suchen, aktiver agieren müssen. Das ist uns gelungen», resümiert Aaraus Trainer Schällibaum. Und was sagt Schällibaum zur wundersamen Geschichte mit dem Torschützen Perrier in der Hauptrolle? «Das zeigt, wie hervorragend wir funktionieren, welch guten Umgang wir pflegen. Denn die Situation ist nicht leicht für Perrier. Aber ich weiss, wie auch bei den anderen Ersatzspielern, dass ich mich jederzeit auf ihn verlassen kann.»

Aarau - Winterthur 3:0 (0:0)

Brügglifeld. – 4354 Zuschauer. – SR: Fähndrich. – Tore: 52. Jäckle 1:0. 73. Perrier 2:0. 86. Carlinhos 3:0.

Aarau: Deana; Nganga, Besle, Garat, Jaggy; Peralta, Jäckle, Burki (72. Perrier), Radice (74. Romano); Rossini (79. Carlinhos), Josipovic.

Winterthur: Von Ballmoos; Foschini, Katz, Hajrovic, Köfler; Schuler; Fassnacht, D’Angelo (70. Bengondo), Araz, Cecchini (60. Cicek); Paiva (62. Krasniqi).

Bemerkungen: Aarau ohne Russo und Thaler (beide verletzt), Lieder (gesperrt) und Hammerich (nicht im Aufgebot). Winterthur ohne Avanzini, Holenstein, Schättin (alle verletzt) und Iapichino (krank). Verwarnungen: 21. Cecchini, 26. Katz, 30. Peralta (alle wegen Foul), Besle (Handspiel), 66. Cicek, 79. Krasniqi (beide wegen Foul).

Lesen Sie hier die Partie in unserem Liveticker nach:

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