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GC-Trainer Skibbe und das Spiel auf Augenhöhe

Michael Skibbe dirigiert GC zum ersten Saisonsieg. KEYSTONE

Michael Skibbe dirigiert GC zum ersten Saisonsieg. KEYSTONE

Die Zürcher verlieren in Lyon 0:1 – wegen etwas Pech und etwas Unvermögen. Trainer Michael Skibbe ist enttäuscht. Das Team hat einige Chancen verpatzt. Da hätten Fans und Trainer mehr erwartet.

Manchmal erzählen die Emotionen auf den Tribünen genau so viel wie die Resultat-Tafel. 1:0 für Lyon hiess es zwar dort. Aber so wirklich zufrieden schienen die 27 331 Zuschauer im Stade de Gerland doch nicht. Nicht so die mitgereisten GC-Anhänger. Sie harrten gerne der Dinge, jubelten den Spielern während des Auslaufens zu, mit jeder Runde schien der Zuspruch noch ein bisschen grösser.

Wie denken also über ein Spiel, das zwar mit einer knappen Niederlage endete, aber nie grosse Unterschiede zwischen den beiden Mannschaften offenbarte? Qualitäts-Unterschiede, die sowohl Umfeld wie auch die Grasshoppers selbst erwartet hatten.

Michael Skibbe, der Trainer, wollte seine Enttäuschung gar nicht erst verbergen. „Ich bin sehr enttäuscht, dass wir verloren haben." Er dachte an die ersten 40 Minuten im Spiel, „als wir fussballerisch total überzeugten". Er dachte an den Pfostenschuss von Michael Lang, den Latten-Kopfball von Shkelzen Gashi und, vor allem, den Kopfball aus sechs Metern von Milan Vilotic.

Salatic: „0:1 ist gar nicht so schlecht"

Daraus hätte mehr resultieren müssen. „Es sind solche Dinge, an denen man die Qualitätsunterschiede zweier Mannschaften ablesen kann", urteilte Torhüter Roman Bürki. Viel gefordert war er nicht wirklich. Die insgesamt starke GC-Defensive liess nur drei klare Lyon-Möglichkeiten zu. Aber einmal war er eben doch chancenlos, als Bisevac den Zweikampf gegen Grichting gewann und zum 1:0 köpfelte.

Skibbe bemängelte, dass sein Team in der zweiten Hälfte die „fussballerische Linie" verloren habe. In der Tat spielte sich das Geschehen da meist vor Bürki ab. „Es gelang uns nicht mehr, zwischendurch für Entlastung zu sorgen - deshalb ist das Gegentor dann auch folgerichtig." Über 90 Minuten aber sah er ein „Spiel auf Augenhöhe".

Was ist noch möglich für GC am nächsten Dienstag im Rückspiel der 3. Qualifikationsrunde für die Champions-League? „Wir haben alle Möglichkeiten, Lyon nochmals zu fordern", sagt Skibbe. Etwas optimistischer gibt sich Izet Hajrovic. Er denkt: „Man kann nicht sagen, wir hätten eine Chance verpasst. Es ist ja noch alles offen. Das 0:1 ist gar nicht so schlecht." Die GC-Leistung umschreibt Hajrovic dann jedoch wieder erstaunlich defensiv, wenn er sagt: „Es war ok."

Es war irgendwo zwischen erstaunlich und bemerkenswert, mit welcher Ruhe und Souveränität die ihr Abenteuer auf der internationalen Bühne begannen. Wie sie das Spieldiktat an sich rissen. Wie Viotic die Abwehr organisierte. Wie Rechtsverteidiger Lang einen nächsten hervorragenden Auftritt zeigte. Wie Salatic und Abrashi für ein Übergewicht im Mittelfeld sorgten. Auch wie unbekümmert Gashi, vor zwei Jahren noch bei Aarau in der Challenge League, spielte.

„Sonst hat der Trainer ein Problem"


Natürlich war nicht alles gut. Einige Fehlpässe zu viel. Oder, vor allem, die mangelnde Chancenauswertung. Oder die mangelnde Ballbeherrschung und Durchschlagskraft in der Offensive. Und Skibbe wird eher früher als später merken, dass die Stärken von Toko auf der Position hinter der Spitze eher nicht zum tragen kommen.

Als Captain Vero Salatic noch vor dem Spiel von einer französischen Journalistin gefragt wurde, was denn die grösste GC-Stärke sei, antwortete er: „Wir sind eine junge und ehrgeizige Gruppe. Niemand hatte uns auf der Rechnung, trotzdem holten wir Rang 2 und Cup." Er sagte es nicht, aber vielleicht dachte es ja Salatic in diesem Moment: Warum sollte sich daran nun etwas ändern?

Enttäuscht war auch er im Anschluss an das Spiel. Aber er fand das Lachen schnell wieder. Nachdem Trainer Skibbe ankündigte, am Samstag in der Super League bei Lausanne das Team auf einigen Positionen zu verändern, bekräftigte Salatic: „Ich brauche keine Pause - und sowieso, der Trainer wird ja wohl nicht seinen Captain rausnehmen." Ehe er lächelnd anfügte: „Sonst hat er ein Problem."

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