Auf dem Platz wurde Fabio Daprelà nicht bestraft. Für sein Einsteigen mit gestrecktem Bein gegen FCSG-Stürmer Cedric Itten, sah der Lugano-Verteidiger keine Karte. Dennoch könnte sein rüdes Foul am bisher mit vier Treffern besten St.Galler Saisontorschützen ein Nachspiel haben. Beim Foul zog sich der 21-jährige Itten einen Riss des vorderen Kreuz- und des Innenbands im rechten Knie zu. Der Stürmer fällt mindestens sechs Monate aus.

Unmittelbar nach dem Spiel teilte der FC St.Gallen in den Sozialen Medien mit, er behalte sich explizit weitere Schritte in dieser Angelegenheit vor. FCSG-Mediensprecher Daniel Last sagt auf Anfrage: «Wir sind mit der Liga und unserem Anwalt in Kontakt und klären ab, was möglich ist.»

Ein Fussballer nimmt ein Verletzungsrisiko in Kauf

Wo hört also das Foul auf und wo beginnt die Körperverletzung? Mirco Ceregato, Anwalt bei der Kanzlei Bratschi in St.Gallen, sagt: «Wenn die Aktion als spieltypische Spielregelverletzung und mit dem Spielfluss vereinbar taxiert werden kann, hat der foulende Spieler juristisch wohl nichts zu befürchten.» Ein Fussballer nehme bei der Ausübung seiner Sportart ein gewisses Risiko in Kauf.

«Anders sieht es aus, wenn eine Foul nichts mehr mit dem Spiel an sich zu tun hat und weit entfernt von spielerischem Verhalten ist», sagt Ceregato, der auch als Verbandsrichter bei der Rekursinstanz der Swiss Football League für die Erteilung der Lizenzen amtet. Kein spielerisches Verhalten liege beispielsweise vor, wenn der Angriff nur dem Körper des Gegenspielers gelte, etwa ein Faustschlag im Fussball.

Ein ähnlich gelagerter Fall stammt aus dem Jahr 2014. Der damalige FC-Aarau-Spieler Sandro Wieser foulte den Zürcher Gilles Yapi grob und fügte ihm damit acht Knieverletzungen zu. Das Obergericht Lenzburg verurteilte den Liechtensteiner Wieser nach einer Strafanzeige des FC Zürich zu einer Busse von 10'000 Franken sowie einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen. In zweiter Instanz wurde Wieser allerdings freigesprochen.

Tut schon beim Hinschauen weh: Wieser tritt Yapis Knie durch.

Tut schon beim Hinschauen weh: Wieser tritt Yapis Knie durch.

Rechtliche Schritte sind schwierig durchsetzbar

Ob beim FC St.Gallen eine Anzeige gegen Daprelà im Raum steht, kann Daniel Last noch nicht sagen. «Der Fall Wieser/Yapi hat aber gezeigt, dass es als Club schwierig ist, rechtliche Schritte gegen einen Spieler durchzusetzen», so Last. Der Club werde über mögliche weitere Schritte informieren.

In Spielen gegen den FC St.Gallen ist Daprelà bereits in der Vergangenheit negativ aufgefallen. Vergangenen April leistete sich der Verteidiger eine Tätlichkeit am St.Galler Marco Aratore. Dafür sah er die Rote Karte - die Liga sperrte Daprelà für drei Spiele.