FC Basel
FCB-Sportchef Marco Streller nimmt Stellung: «Jetzt fangen wir bei Null an»

Nach dem Verpassen der Europa League übt Marco Streller Selbstkritik. Ein Rücktritt kommt für den FCB-Sportchef aber nicht infrage.

Aufgezeichnet: Céline Feller
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Marco Streller stellt sich nach der verpassten Qualifikation für die Europa League den Medien.

Marco Streller stellt sich nach der verpassten Qualifikation für die Europa League den Medien.

GEORGIOS KEFALAS

Marco Streller, geben Sie Ihren Rücktritt?

Marco Streller: Aus welchem Grund? Wenn in die Tatsache, dass wir uns zu dieser Medienrunde zu später Stunde am Flughafen treffen, jemand etwas hineininterpretiert, dann kann ich nichts dafür. Ich werde sicher nicht meinen Rücktritt geben.

Wie ordnen Sie ein, dass der FCB an Apollon Limassol gescheitert ist?

Die Enttäuschung ist riesig. Es ist eines unserer Ziele, das wir verpasst haben. Man hat es auch unmittelbar nach Abpfiff den Spielern angesehen. Wir haben so etwas in den vergangenen Jahren nicht erlebt. Das ist sehr schwer zu akzeptieren. Jetzt heisst es, vorwärtszuschauen und zu analysieren, wieso wir uns nicht für Europa qualifiziert haben. In der Nati-Pause haben wir diese Zeit. Das Trainerteam hat nie mit den Spielern intensiv arbeiten können. Auch das ist in der Nati-Pause endlich möglich. Genauso wie der Austausch mit uns, der jetzt intensiviert wird.

Geschlagen trotten die FCB-Spieler nach dem Gang zu den Fans weg.
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Allen voran: Captain Fabian Frei – ihm ist die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben.
Impressionen aus dem Spiel FC Basel - Apollon Limassol (30.08.2018)
Eray Cömert am Boden. Im Hintergrund jubeln die Zyprioten.
Es hat nicht sollen sein. Sinnbildlich für die Niederlage sieht der eingewechselte Albian Ajeti gelb vom Schiedsrichter.
Charalambos Kyriakou schoss das entscheidende Tor und sorgte für das Ausscheiden vom FC Basel.
Wieder nichts: Torhüter Bruno Vale schnappt sich den Ball vor Basels Albian Ajeti. Für den FCB ist die internationale Saison in dieser Spielzeit schon wieder vorbei.
Sieger- und Verlierer-Trainer: Sofronis Avgousti, der Gewinner im Vordergrund; Marcel Koller, der Verlierer dahinter.
Es hat nicht gereicht. Enttäuscht schnäuzt Ricky van Wolfswinkel ins FCB-Trikot.
Die Apollon-Fans freuen sich mit ihrem Team über den Einzug in die Gruppenphase der Europa League.
Der eingewechselte Albian Ajeti (rechts) versuchte alles. Es reichte nicht...
Andre Schembri (rechts) ist vor Basels Agressivleader Serey Die am Ball.
Die Limassol-Spieler sind immer einen Schritt schneller. Hier ist es sinnbildlich Andre Schembri vor Ricky van Wolfswinkel.
Die Freude über den 1:0-Führungstreffer ist bei Apollon Limassol riesig.
Samuele Campo (links) gibt eines der wenigen offensiven Lebenszeichen der Basler ab. Hier wird er gerade noch von Georgios Vasiliou bedrängt.
Das schnelle FCB-Eigengewächs, Noah Okafor (rechts), versucht Facundo Pereyra abzuschütteln.
Die mitgereisten Basel-Fans im fast leeren Stadion von Apollon Limassol.
Ricky van Wolfswinkel versuchts mit einem Abschluss: Limassols Hector Yuste kommt einen Schritt zu spät.
FCB-Trainer Marcel Koller dürfte mit der gezeigten Leistung seiner Mannschaft in der ersten Halbzeit nicht happy sein.
Basels Innenverteidiger Eray Cömert ist vor Fotis Papoulis am Ball.
Serey Die weiss beim FCB wie immer in kämpferischer Hinsicht zu überzeugen. Hier holt er sich den Ball von Gegenspieler Anton Maglica.
Torhüter Bruno Vale von Apollon Limassol hat in der ersten Halbzeit wenig zu tun gegen die Basler Offensive.
Schwieriges Spiel für die Basler: Hier Ricky van Wolfswinkel (vorne) – im Hintergrund: Serey Die.
Silvan Widmer (links) wird hart bedrängt. Limassol hat mehr vom Spiel.
Captain Fabian Frei schirmt den Ball gegen zwei Limassol-Spieler ab.
Hier führt Charalambos Kyriakou den Ball. Fabian Frei (links) versucht ihn zu bedrängen.
Silvan Widmer (links) versucht Limassol-Spieler Georgios Vasiliou am rechten Flügel auszutanzen.
Das Spiel läuft: Apollos Charalambos Kyriakou (links) im Zweikampf mit Basels Luca Zuffi.

Geschlagen trotten die FCB-Spieler nach dem Gang zu den Fans weg.

GEORGIOS KEFALAS

Ein Diskussionspunkt wird sicher auch der Zeitpunkt des Trainerwechsels sein.

Sicher, über den Zeitpunkt der Trainerentlassung kann man diskutieren. Vielleicht wäre es konsequent gewesen, das Ende der vergangenen Saison zu machen. Das wäre besser gewesen, so hätte der neue Trainer eine Vorbereitung mit der Mannschaft absolvieren können. Aber wir müssen jetzt aus den Fehlern lernen und vorwärts schauen.

War der Entscheid denn richtig? Gegen Paok Thessaloniki ist man ja dennoch gescheitert.

Im Nachhinein kann man sich diese Frage stellen. Ich treffe, und das möchte ich noch einmal betonen, diese Entscheidungen nicht alleine, wir haben ein Gremium im Verein. Mann muss eingestehen, dass es ein Entscheid oder eine Massnahme war, die kurzfristig, international nicht aufgegangen ist.

FC Basel - Paok Saloniki (01.08.2018)
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Dimitri Oberlin im Zweikampf mit Fernando Varela.
Serey Die (Basel) im Luftduell mit Pelkas (Paok).
Silvan Widmer im Kampf um den Ball mit Leo Jaba.
Frustrierte Basler nach dem erneuten Gegentreffer.
Omar El Kaddouri schiesst das 3:0 für Paok und zerstört damit auch die letzten Basler Champions-League-Träume.
Kalulu kann Paoks Keeper nicht bezwingen.
Kevin Bua im Duell mit Fernando Varela.
Jubelnde Griechen: Ein nicht selten gesehenes Bild an diesem Abend.
Prijovic schiesst das 2:0 für Saloniki.
Trainer Alex Frei ist mit dem Pausenresultat sicherlich nicht zufrieden.
Basel liegt zur Pause mit 0:1 im Rückstand.
Bua und Kalulu (Basel) nehmen Dimitris Pelkas (Paok) in die Mangel.
Eder Balanta im Laufduell mit Limnios.
Paoks Keeper Paschalakis kann einen Kopfball von Albian Ajeti abwehren.
Kopfballduell zwischen Paoks Prijovic und Basels Cuemart.
Kevin Bua duelliert sich mit Dimitris Limnios um den Ball.
Basels Keeper Jonas Omlin wehrt einen Schuss ab.
Paoks Leo Matas versucht, den Ball unter Kontrolle zu bringen.
Sery Die, der heute für Fabian Frei spielt, im Zweikampf mit Omar El Kaddouri.
Die Griechen jubeln – es wird nicht das letzte Mal sein.
Fernando Varela bringt die Gäste in Führung.
Kevin Bua (Basel) im Duell mit Dimitri Pelkas (Paok)
Die beiden Mannschaften laufen ins Stadion ein.
Kann Interimscoach Alex Frei die Basler Champions-League-Hoffnungen am Leben erhalten?

FC Basel - Paok Saloniki (01.08.2018)

GEORGIOS KEFALAS

Wie schwer wiegt das Verpassen des internationalen Geschäfts?

Wenn es einmal der Fall ist, kann man das als Ausrutscher abbuchen. Wenn man weiss, wie der FCB funktioniert, dann weiss man auch, dass wir uns immer über das internationale Geschäft definiert haben. Dieses Schaufenster fehlt uns jetzt. Aber es kann so vielleicht auch mal etwas wachsen. Wir müssen Kontinuität reinkriegen. In der Situation, so schlimm sie auch ist, muss man auch eine Chance sehen. Wir sagen aber auch immer wieder, dass wir uns an der eigenen Nase nehmen müssen, dass wir gewisse Ziele zu forsch gesteckt haben und den Umbruch zu schnell herbei führen wollten. Jetzt fangen wir bei Null an.

Heisst das, dass das Konzept gescheitert ist?

Nein, aber der sportliche Erfolg ist ausgeblieben, das ist ein Fakt. Dass der wieder kommen muss, wissen wir auch. Da müssen wir selbstkritisch sein. Wir haben uns alle den Kopf zwei, drei Mal hart angeschlagen. Wir haben es so lernen müssen. Es war mutig, nach dieser grossartigen Ära zu übernehmen. Es war klar, dass man nur hat verlieren können. Aber es ist so viel Herzblut da, dass man das nicht als normalen Job ansehen kann.

Wird also an allen Punkten des Konzeptes festgehalten?

Wir wollen nicht von diesem Weg abkommen. Das war auch mit dem Trainer abgesprochen. Wenn man die letzten zwei Startformationen ansieht, merkt man, dass er das mitträgt. Es braucht einfach ein Gerüst, um welches man die Jungen aufbauen kann. Aber das ist nicht einfach. Jeder ist mit sich selber beschäftigt. Man muss gewisse Dinge ertragen, den Helm anziehen und da gestärkt daraus heraus kommen. Das kennt man in Basel nicht, aber das muss man lernen. Wir Basler reklamieren immer für uns, dass wir speziell sind. Das müssen wir jetzt zeigen, indem wir auch in schweren Momenten zusammenhalten.

Bislang hat dieser Weg des Konzeptes aber nur nach unten geführt.

Ich sehe es nicht so radikal, dass wir alles vergeigt haben. Auch wenn ich keine Argumente dafür habe. Vielleicht muss man auch mal durch das Tal der Tränen. Wir wissen aber, dass es zwei, drei solcher Jahre nicht erträgt.

Muss man aufpassen, die Vorreiterrolle im Schweizer Fussball nicht zu verlieren?

Wir müssen auf uns schauen und versuchen, in dieser schwierigen Situation zusammen zu stehen, an einem Strang zu ziehen und in die Erfolgsspur zurückzukommen. Den Nimbus der Unbesiegbarkeit haben wir definitiv verloren. Jetzt gilt es, diesen zurückzuholen. Das braucht aber Zeit, und diese Zeit müssen wir uns geben und nehmen. Es ist eine Chance für alle, wieder Demut zu lernen. Wir waren sehr verwöhnt in den letzten Jahren. Jetzt aber müssen wir Demut vorleben.

Sind Sie denn demütiger geworden?

Ich habe mir eine dicke Haut zulegen müssen. Man darf nicht vergessen, dass man es hier mit Menschen zu tun hat. Es muss alles etwas bescheidener werden, ohne dass wir unsere Werte verkaufen. Das haben wir lernen müssen, nachdem wir Vizemeister geworden sind. Der Tenor ist vielleicht negativer geworden in der Stadt, die absolute Weltuntergangsstimmung herrscht aber nicht.

Werden die Saisonziele angepasst?

Das Kader war für die Champions League nicht gut genug. Für die Europa League wäre es das gewesen. Jetzt, wo diese verpasst wurde, ist das Kader gross und breit für Schweizer Verhältnisse. Der Meistertitel ist aktuell kein Thema. YB angreifen zu wollen, wäre vermessen. In einen Cupfinal aber können wir immer kommen. Aber dafür müssen wir zuerst Stabilität finden.

Spüren Sie das Vertrauen von Präsident Bernhard Burgener?

Natürlich spüre ich das Vertrauen von ihm und das ist schön.

Welche Rolle werden Sie in den nächsten Wochen einnehmen?

Wir müssen die Rollen miteinander absprechen, das ist so. Was Transfers angeht, sind mir die Hände gebunden. Ich werde aber viele Gespräche führen, mit Agenten beispielsweise.

Was erwarten Sie am Sonntag?

Die Mannschaft kann Thun nicht aus dem Stadion hauen. Aber sie ist im Stande, zu gewinnen.