«Hochrisiko-Spiel»
FCB-Fans droht in Frankreich Hausverbot

Müssen die Fans draussen bleiben, wenn der FC Basel nächsten Monat in Frankreich um das Weiterkommen in der Europa League kämpft?

Sebastian Wendel und Jakob Weber
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Hochrisiko? Den Basler Fans droht ein Hausverbot beim Europa-League-Spiel gegen Saint-Étienne.

Hochrisiko? Den Basler Fans droht ein Hausverbot beim Europa-League-Spiel gegen Saint-Étienne.

Keystone

Seit den Terroranschlägen am 13. November 2015 in Paris herrscht in Frankreich der Ausnahmezustand. Heisst: Die lokalen Behörden haben viel weitreichendere Kompetenzen als sonst. Sie können Personen zum Hausarrest verdonnern, Hausdurchsuchungen ohne richterlichen Beschluss durchführen, Versammlungen und Demonstrationen auflösen oder Kinos, Restaurants und Theater spontan schliessen lassen. Und: Sie können Menschengruppen den Zutritt zu einem Gebäude verbieten, zum Beispiel Fussballfans den Zutritt in ein Stadion. Eine Woche nach den Anschlägen in Paris war für alle Partien der französischen Ligue 1 der Einlass von Fans der Gästemannschaft verboten.

Auch gut zwei Monate später bestimmt der Ausnahmezustand den Alltag der Franzosen – und somit auch den Fussball in unserem Nachbarland. Womit wir beim FC Basel wären: Dieser bestreitet am 18. Februar das Hinspiel der Europa-League-Sechzehntelfinals in Saint-Étienne. Tut er dies ohne die Unterstützung der mitgereisten FCB-Fans? Gut möglich. Die Schliessung des Gästesektors im «Stade Geoffroy-Guichard» für das Spiel gegen Basel ist wahrscheinlich. Dies, weil die FCB-Fans in Europa nicht den allerbesten Ruf geniessen und die Sicherheitsbehörden in Saint-Étienne (50 Kilometer südwestlich von Lyon) die Partie als «Hochrisiko-Spiel» einstufen könnten. Bei solchen werden in Frankreich zurzeit konsequent keine Gästefans zugelassen: So blieb am 17. Januar beim Derby zwischen der AS Saint-Étienne und Olympique Lyon der Gästesektor leer. Auch vor internationalen Spielen macht die Regelung keinen Halt: Am 26. November durften beim Europa-League-Gruppenspiel zwischen der AS Monaco und Anderlecht die belgischen Fans nicht ins Stadion.

Verwirrung in Saint-Étienne

«Wir können unseren Fans zum jetzigen Zeitpunkt nicht garantieren, dass sie das Spiel in Saint-Étienne vor Ort verfolgen können», sagt Andrea Roth, die Mediensprecherin des FC Basel. Die Entscheidung, ob und wie die Fans von Rot-Blau nach Frankreich reisen können, soll in den nächsten Tagen fallen. «Sobald eine Entscheidung gefallen ist, werden wir informieren.»

Beim FCB weiss man also Bescheid. Komischerweise war das in Saint-Étienne nicht der Fall. Zumindest so lange nicht, bis die «Nordwestschweiz» wegen einer allfälligen Sperrung des Gästesektors anfragte. Die spontane Antwort von Mediensprecher Nicolas Parent lautete: «Davon weiss ich nichts. Aber unsere Fans werden für das Rückspiel ganz normal nach Basel reisen. Darum frage ich mich: Warum sollten die FCB-Fans nicht zu uns kommen dürfen?» Parent versprach, sich dennoch beim Sicherheitschef der AS Saint-Étienne zu erkundigen. Und liess später – nicht mehr telefonisch, sondern nur noch per E-Mail – verlauten: «Bis jetzt ist noch keine Entscheidung gefallen.» Was den Schluss zulässt, dass die Schliessung des Gästesektors am 18. Februar sehr wohl ein Thema ist. Ähnlich tönt es nämlich vom europäischen Fussballverband Uefa. Auf unsere Fragen, ob die FCB-Fans zu Hause bleiben müssen und ob dies Konsequenzen habe für die AS Saint-Étienne, lautete die Antwort: «Wir haben dazu derzeit noch keine Informationen.»

Es scheint, als wäre das Thema ein heisses Eisen, an dem sich niemand die Finger verbrennen möchte. Blöd für die FCB-Fans, die eigentlich nach Saint- Étienne reisen möchten, mit der Reiseplanung aber weiter zuwarten müssen.