Uefa
Europa-Meisterschaft ohne Präsident? Das versucht die UEFA zu verhindern

Nach dem Rücktritt von Michel Platini droht der UEFA die grosse Blamage – eine EM-Endrunde ohne Präsident auf der Tribüne. Hinter den Kulissen des Fussball-Verbands wird aber bereits ein Nachfolger gesucht - mit Hilfe des Deutschen Fussball-Bunds DFB.

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Michel Platini fehlt vorderhand auf der Liste der zugelassenen Kandidaten für die FIFA-Präsidentschaft

Michel Platini fehlt vorderhand auf der Liste der zugelassenen Kandidaten für die FIFA-Präsidentschaft

KEYSTONE/AP/LIONEL CIRONNEAU

Fast scheint es so, als ob die europäischen Fußball-Bosse vor der Krise auf dem alten Kontinent in die neue Welt geflohen sind. In Mexiko-Stadt beraten die Chefs der nationalen Verbände unter enormem Zeitdruck über die Zukunft der Europäischen Fußball-Union (UEFA) nach dem erzwungenen Rücktritt ihres Präsidenten Michel Platini. Beim Kongress des Weltverbands FIFA werden fieberhaft Pläne geschmiedet, um die drohende Blamage doch noch zu verhindern – eine EM-Endrunde ohne UEFA-Boss auf der Tribüne.

Wird der UEFA-Vize Platinis Nachfolger?

Dabei fällt immer wieder der Name von Michael van Praag (68). Der UEFA-Vize und Präsident des niederländischen Verbands KNVB, der fast genau vor einem Jahr seine Kandidatur zum FIFA-Präsidenten aufgrund der nicht vorhandenen Chancen im Kampf gegen den damaligen Amtsinhaber Sepp Blatter zurückgezogen hatte, gilt als Favorit auf die Platini-Nachfolge.

Trotz des neuen Chefs in spe ist es aber äußerst fraglich, ob das Horrorszenario einer EURO ohne Präsidenten noch verhindert werden kann. Denn nur mit einem Konsens-Kandidaten aller 55 UEFA-Mitglieder könnte es eine Wahl im Schnellverfahren geben. Gibt es einen Gegenkandidaten, kann der einen Wahlkampf von einem bis zwei Monate fordern. Dann würde sich die Nibelungen-Treue der UEFA zu Platini und das viel zu lange Zögern bitter rächen.

Sollten sich die Europäer aber doch schon in Mexiko auf van Praag verständigen, wäre vor der Krisensitzung des Exekutivkomitees am Vormittag des Europa-League-Finals am 18. Mai in Basel die wichtigste Frage geklärt. Der frühere DFB-Präsident Wolfgang Niersbach (65) und seine Kollegen könnten sich in der Schweiz dann bereits um die Organisation eines Wahlkongresses kümmern.

Damit wäre viel Zeit gewonnen und van Praag könnte vielleicht doch als UEFA-Boss am 10. Juni die EM in Frankreich eröffnen. Für die Außendarstellung des Verbands wäre es eminent wichtig, wenn er bei der Endrunde vom unbelasteten Niederländer repräsentiert wird. Schließlich ist der spanische Vizepräsident Angel Maria Villar Llona (66), der derzeit die Geschäfte führt, keinesfalls über jeden Zweifel erhaben.

UEFA sucht Unterstützung beim DFB

Ein wichtige Rolle bei der Suche nach einem Nachfolger für Platini (60), der am Montag nach der Bestätigung seiner Sperre durch den Internationalen Sportgerichtshof CAS seinen Rücktritt erklärt hatte, spielt natürlich der Deutsche Fußball-Bund (DFB) - immerhin der größte Einzelsportverband der Welt.

Der neue Präsident will sich aber noch nicht in die Karten schauen lassen. "Der DFB wird in den kommenden Tagen mit den europäischen Verbänden und Wolfgang Niersbach als deutschem Mitglied im UEFA-Exekutivkomitee darüber beraten, wer als neuer Präsident des europäischen Verbandes in Frage kommt", sagte Reinhard Grindel (54), der immer noch für die CDU im Bundestag sitzt, ganz im Stile eines Politikers.

Auch Niersbach, der aufgrund der Ermittlungen der FIFA-Ethiker wegen seiner Verfehlungen im Skandal um die WM-Vergabe 2006 als Kandidat ausscheidet, hält sich bedeckt. Er verweist auf das Krisentreffen in der kommenden Woche in Basel. Dort wolle das Exko "über das weitere Prozedere beraten".

Dass der deutsche Funktionär Sympathien für van Praag hegt, ist allerdings bekannt. "Ich persönlich kann über ihn nur Gutes erzählen. Er ist eine absolut integre Persönlichkeit mit einer hohen Glaubwürdigkeit", hatte Niersbach den Niederländer während seiner FIFA-Kandidatur gelobt.

Ob der DFB seinem früheren Boss in dieser Frage folgt oder ob sich Grindel von seinem Vorgänger emanzipieren will, wird sich in den kommenden Tagen entscheiden - vielleicht schon in Mexiko.

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