Abstieg

Ein Klub in Trümmern: Der tiefe Fall des FC Zürich

Die Spieler des FCZ mussten sich vorgestern vor der Südkurve für den Abstieg in die Challenge League entschuldigen.

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Das Ehepaar Heliane und Ancillo Canepa hat den FCZ in die Challenge League manövriert. Es sind die Canepas, die nun für den erheblichen Verlust aufkommen müssen. Wer befiehlt, bezahlt – doch es wird teuer.

Zuletzt hat der FCZ für seine Verhältnisse richtig gut gewirtschaftet. Nur 0,7 Millionen Franken Verlust wies Präsident Ancillo Canepa an der letzten Generalversammlung aus.

Ein Jahr zuvor waren es noch 3,9 Millionen. Durch den Abstieg wird es aber richtig teuer für das Ehepaar Heliane und Ancillo Canepa, das 90 Prozent der Aktien hält.

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Klar, die Canepas könnten ihr Aktienpaket verkaufen. Wobei man in diesem Zusammenhang eher von verschenken sprechen müsste.

Denn mehr als einen symbolischen Betrag wird niemand für die Canepa-Aktien bezahlen.

Warum? Weil Geld beim FCZ nicht gedeiht, jetzt erst recht nicht. Experten rechnen, dass ein Klub nach dem Abstieg etwa 50 Prozent weniger einnimmt als in der Super League.

Weil der FCZ die Ausgaben kaum reduzieren kann, müssen die Canepas mit einem Verlust im hohen einstelligen Millionenbereich kalkulieren.

Theoretisch bestünde die Chance, den FCZ breiter abzustützen. Doch ehemalige Mitstreiter hat Canepa mit seiner sturen Art vergrault.

Und neue Geldgeber findet er nicht, weil sein Image durch seine Egotrips in den letzten Jahren zu sehr gelitten hat.

Selbst einen Hauptsponsor für die kommende Saison hat der FCZ noch nicht gefunden. Kurz: Die Canepas müssen die Trümmer selbst zusammenkehren.

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Die Einbussen

Die Einnahmen aus der TV-Vermarktung sind in der Schweiz bescheiden. Trotzdem: Der FCZ kassiert als Letzter der Super League 800 000, in der Challenge League sind es noch 150 000 Franken.

Roger Geissberger, Vizepräsident beim FC Aarau, kennt aus eigener Erfahrung die Konsequenzen eines Abstiegs. «Die Sponsoring-Einnahmen sind bei uns um 40 Prozent zurückgegangen», sagt Geissberger.

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«Die Einnahmen aus den Ticketverkäufen haben etwa ein Drittel weniger betragen als in der Super League. Für diese Differenz sind weniger die eigenen Fans als die Gästefans verantwortlich. Denn es macht einen grossen Unterschied, ob der FC Basel mit 2000 oder der FC Chiasso mit 20 Zuschauern zu Besuch kommt.»

2010 ist der FC Aarau nach 29 Jahren in der Erstklassigkeit abgestiegen. Das kam die Aarauer teuer zu stehen. Nur haben sie daraus ihre Lehren gezogen. Seither werden Verträge mit Spielern mit zwei unterschiedlichen Lohnbezügen ausgehandelt. 100 Prozent Lohn in der Super League, 60 Prozent in der Challenge League.

So weit haben die Canepas nicht studiert. Ihre Spieler müssen in der Challenge League keine Lohneinbussen befürchten.

Und das wird die Canepas richtig schmerzen. Denn der FCZ leistet sich etliche Grossverdiener.

Kommt dazu, dass mit Ausnahme des russischen Altstars Alexander Kerschakow und des langjährigen Aussenverteidigers Philippe Koch alle Spieler einen laufenden Vertrag haben.

Schadenfreude: Die FCB-Fans feiern nicht nur den Meistertitel, sondern auch den Abstieg des Erzrivalen FCZ und singen «Züri Nati B, Züri Nati B».

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Keine Juwelen im Tresor

Spieler sind das wichtigste Asset eines Fussballklubs. Eigentlich müssten deshalb die Canepas nur ein paar Spieler verkaufen, um das Millionen-Loch zu stopfen.

Doch das ist einfacher gesagt als getan. Viele begehrte Spieler hat der FCZ nicht mehr. Erst letzten Sommer hat er mit Nico Elvedi, Dimitri Oberlin und Francisco Rodriguez seine grössten Juwelen abgegeben.

Im aktuellen Kader findet sich indes kaum ein Spieler mit einem namhaften Marktwert. Ein Verkauf von Kevin Bua, letzten Sommer von Servette verpflichtet, könnte vielleicht einmal Geld in die Kasse spülen.

Doch das ganz grosse Geschäft wird auch mit ihm nicht möglich sein. Schliesslich ist er auch schon 23 und hat erst ein mittelprächtiges Super-League-Jahr hinter sich.

Anto Grgic, die einzige FCZ-Entdeckung dieser Saison, ist ein potenzieller Kandidat für einen grossen Transfer.

Doch auch Nothelfer-Trainer Uli Forte hat im Abstiegskampf nicht auf den 19-Jährigen gesetzt. Bleibt Oliver Buff, FCZler durch und durch. Sein Vertrag läuft in einem Jahr aus. Letzte Chance für Canepa, mit Buff einen Transfererlös zu erzielen. Nur: Geht Buff, verliert der FCZ nicht nur einen wichtigen Spieler, sondern die letzte Identifikationsfigur, die auch auf dem Platz etwas taugt.

Demgegenüber stehen Spieler wie Cabral, Chiumiento, Kecojevic, Yapi, Etoundi und viele andere. Spieler ohne Ausstrahlung, ohne Demut und ohne Identifikation mit dem Arbeitgeber.

Von solchen Spielern müsste sich Canepa dringend trennen. Nur findet sich kaum ein Verein in Westeuropa, der so wirtschaftet wie der FC Zürich.

Deshalb werden sie wohl bleiben. Ihnen ist egal, ob es Chiasso oder Basel ist – Hauptsache die Kohle stimmt.

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