Nun ist sie als einzige des Teams nächsten Sommer in Frankreich dabei – als Trainerin von Deutschland. Voss-Tecklenburg kann einige Tränen nicht zurückhalten. Am Mittelkreis umarmt sie jede Spielerin und den ganzen Staff. Später sagt sie: «Im Moment bin ich einfach leer und traurig. Aber Dankbarkeit und Demut überwiegen.»

Die Trainerin, die zum Glücksfall wurde

Eines ist klar: Die Schweiz verpasst die WM nicht wegen den Barrage-Spielen gegen Holland. Die Europameisterinnen waren eine Klasse besser. Bitter ist, dass die vorzügliche Ausgangslage in der Qualifikations-Gruppe verspielt wurde, das 0:0 gegen Polen Ende August kommt die Schweiz teuer zu stehen. Ein Sieg damals hätte für die Endrunde gereicht. Einen kurzen Moment der Hoffnung auf ein Wunder gab es gestern dennoch. Die zurückgekehrte Stürmerin Ramona Bachmann entwischte der Holland-Abwehr schon nach sieben Minuten und konnte nur noch mit einem Foul gestoppt werden. Eine rote Karte war die Folge. Doch ein schnelles Tor wollte nicht fallen. Im Gegenteil.

Die 5148 Fans – Rekordkulisse für ein Länderspiel der Frauen – sahen, wie die Holländerinnen anfangs der zweiten Hälfte gar in Führung gingen. Voss-Tecklenburg trieb ihr Team weiter unbändig an. Es ging jetzt zwar nur noch um Kosmetik. Doch die Schweizerinnen gaben nie auf, kämpften immer weiter, und wurden doch noch mit einem Treffer durch die eingewechselte Coumba Sow belohnt. Sie wahrten damit die Ehre. 

Was aber bleibt von der Ära Voss-Tecklenburg? Die Deutsche war für den Schweizer Frauenfussball ein Glücksfall. In den sieben Jahren unter ihrer Führung gelangen die ersten Endrunden-Teilnahmen. Die Schweiz war sowohl an der WM 2015 in Kanada als auch an der EM 2017 dabei. Viel wichtiger noch: Der Frauenfussball erreichte eine zuvor nie da gewesene Beachtung. Doch der Weg ist noch lange nicht zu Ende.

Junge Fussballerinnen brauchen bessere Bedingungen

Der Verband und Nils Nielsen, der neue Frauen-Nationaltrainer aus Dänemark, sind weiter gefordert. Es geht darum, noch bessere Bedingungen zu schaffen für junge Mädchen, die Fussball spielen wollen. Denn es besteht durchaus die Gefahr, von anderen Ländern überholt zu werden. Von Ländern, in denen es längst Usus ist, dass Frauen und Männer in Klubs dieselbe Infrastruktur nutzen können. Da hinkt die Schweiz hinterher.

Das Frauen-Nationalteam steht derweil vor einem Umbruch. Jüngere Spielerinnen müssen den nächsten Schritt machen. Das geht nur über Erfahrungen im Ausland oder an grossen Turnieren. Umso bitterer ist die verpasste WM. Es bleibt zu hoffen, dass der Rückschlag nicht allzu gross ist.