Fortschritt
Die Schweizer Nati ist zu einem Team gewachsen: Auf dem Schiff kam die Wende

AM 29. März verliert die Schweizer Nati gegen Bosnien-Herzegowina 0:2 und lässt düster in die Zukunft schauen. Jetzt aber stehen die Schweizer vor einer rosigen Zukunft. Mit einer Aussprache auf dem Luganersee kam die Wende.

Markus Brütsch
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1. Juni: Bei einem Bootsausflug auf dem Luganersee arbeiten die Schweizer um Captain Stephan Lichtsteiner am Teamspirit.

1. Juni: Bei einem Bootsausflug auf dem Luganersee arbeiten die Schweizer um Captain Stephan Lichtsteiner am Teamspirit.

Keystone

Lettland, Griechenland, Moldawien, Moldawien, Griechenland, Lettland, Luxemburg, Israel, Slowenien, Albanien, Norwegen, Island, Zypern, Zypern, Island, Albanien, Norwegen, Slowenien, Portugal, Ungarn, Andorra, Färöer – zugegeben: Die Namen der Schweizer Gegner in den letzten acht Jahren in WM-Qualifikationsspielen verbreiten nicht Angst und Schrecken. Ausser Europameister Portugal haben sich den Rot-Weissen keine Schwergewichte des europäischen Fussballs in den Weg gestellt.

29. März: Auf dem Tiefpunkt: Nach dem 0:2 gegen Bosnien-Herzegowina sieht die Fussballschweiz für die EM schwarz.

29. März: Auf dem Tiefpunkt: Nach dem 0:2 gegen Bosnien-Herzegowina sieht die Fussballschweiz für die EM schwarz.

Keystone

Weil Experten aber immer betonen, dass es im Fussball keine «Kleinen» mehr gebe, darf die Nati gleichwohl ein wenig stolz darauf sein, in den letzten 22 WM-Ausscheidungsspielen nie verloren zu haben. 17 Siege, 5 Unentschieden und 41:13 Tore ist die Bilanz eines charakterstarken Teams unter den Coaches Vladimir Petkovic und Ottmar Hitzfeld, das jeden Gegner ernst genommen und seriös bespielt hat. Die letzte Blamage geht auf den 10. September 2008 zurück, als die Nati eine 1:2-Heimniederlage gegen Luxemburg kassierte. Von jenem Aufgebot sind heute nur noch Johan Djourou, Valentin Stocker, Gelson Fernandes und Stephan Lichtsteiner dabei.

Wer sieht, wie schwer sich Länder wie Griechenland, die Türkei, Rumänien, zuletzt auch Holland und neuerdings wieder Österreich, tun, um stabil auf einem hohen Level zu bleiben, der kann die Konstanz der Schweizer nur loben. Mit dem vierten Sieg im vierten Qualifikationsspiel für die WM 2018 in Russland haben sie ihren Job im zweiten Halbjahr 2016 perfekt erfüllt.

Zu einem Team gewachsen

Dabei sind es erst siebeneinhalb Monate her, seit die Schweiz nach zwei schwachen Testspielen in Irland und gegen Bosnien-Herzegowina scheinbar perspektivlos am Boden lag. «So brauchen wir gar nicht an die EM zu fahren», war der Tenor im Land. Doch im Vorbereitungscamp in Lugano geschah Wundersames: Die Schweiz wuchs zu einem echten Team zusammen. Viele betrachten rückblickend diese Wochen am und auf dem Luganersee als Startschuss in eine neue Ära unter dem alten Trainer. Petkovic hatte die Zeichen richtig gedeutet, den langjährigen Captain Gökhan Inler mangels Spielpraxis ausgemustert und Bewegung ins Innenleben der Mannschaft gebracht. Die Schweiz zeigte eine gute EM, doch Petkovic redete das Aus im Penaltyschiessen gegen Polen nicht schön, sondern hakte das Turnier als Niederlage ab. Gut so, denn Selbstzufriedenheit bedeutet Rückschritt.

6. September: Die Schweiz spielt gegen Europameister Portugal gut und siegt beim WM-Qualifikationsstart verdient 2:0.

6. September: Die Schweiz spielt gegen Europameister Portugal gut und siegt beim WM-Qualifikationsstart verdient 2:0.

Keystone

Mit viel Hunger haben die Schweizer danach das Ziel «Russland» in Angriff genommen, Portugal, Ungarn, Andorra und die Färöer besiegt und das Schicksal in der eigenen Hand, sich als Gruppensieger direkt für die WM zu qualifizieren. Mut macht das breite Kader, das selbst Ausfälle wie von Xherdan Shaqiri und Breel Embolo auffangen kann. Sind die Aussichten der Nati Ende März noch ausgesprochen düster erschienen, so sind die Perspektiven jetzt rosig und viel versprechend.

13. November: Beim 2:0 über die Färöer lässt die Schweiz nichts anbrennen. Sie beweist Reife, Portugal bleibt auf Distanz.

13. November: Beim 2:0 über die Färöer lässt die Schweiz nichts anbrennen. Sie beweist Reife, Portugal bleibt auf Distanz.

Keystone

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