Frauen-WM

Die Frauen-WM stand im Zeichen von Genderdebatten

Die am Sonntag zu Ende gegangene Frauen-WM in Frankreich kürte mit den USA einen verdienten Weltmeister

Die am Sonntag zu Ende gegangene Frauen-WM in Frankreich kürte mit den USA einen verdienten Weltmeister

Die Frauen-WM in Frankreich kürte mit den USA einen verdienten Weltmeister. Es war ein Turnier der vielen Zuschauer, hohen Einschaltquoten und gesellschaftspolitischen Diskussionen.

Es schien, als hätten die Massenmedien in Europa in den letzten vier Wochen den Frauenfussball für sich entdeckt. Die TV-Stationen berichteten umfangreich und verkündeten Rekordquoten, die Bilder von Megan Rapinoe, Jackie Groenen oder Lucy Bronze zierten die Titelseiten und Online-Portale, Kommentare und Analysen füllten die Zeitungsspalten der Sportberichterstattung. Die inhaltlichen Diskussionen drehten sich aber weniger um das Geschehen auf dem Platz, als um gesellschaftspolitische Themen wie Gleichberechtigung und allgemeine Genderdebatten.

Sportlich brachte das Turnier kaum neue Trends. Dass sich das Niveau von Endrunde zu Endrunde steigert, ist aufgrund der fortschreitenden Professionalisierung in den europäischen Top-Ligen selbstredend. Die afrikanischen Teams machten gegenüber der WM vor vier Jahren in Kanada kaum Fortschritte und scheiterten in den Achtelfinals klar. Die Auftritte von Chile und Argentinien deuteten an, dass sich in Südamerika nicht nur in Brasilien in der Frauenfussball-Bewegung etwas tut, in Asien gibt weiter Japan, der Weltmeister von 2011 und Finalist von 2015, den Ton an.

USA vor Generationenwechsel

Die USA untermauerten ihren Status als weltweite Nummer 1 und verteidigten den Titel mit Erfolg. Angeführt von Captain Rapinoe, welche die grosse Bühne nutzte, um ein persönliches Agenda-Setting zu betreiben, verliehen die Amerikanerinnen ihren sport-politischen Forderungen Nachdruck und lieferten mit den Leistungen auf dem Platz starke Argumente im juristischen Prämienstreit mit dem eigenen Verband.

Das Team befindet sich mitten in einem Generationenwechsel. Die extrovertierte Torhüterin Hope Solo, Olympiasiegerin 2012 und Weltmeisterin 2015, war nicht mehr dabei, Carli Lloyd, der überragende Spielerin der WM 2015 und zweifachen Weltfussballerin, blieb in Frankreich nur die Rolle einer Ergänzungsspielerin.

Auch Rapinoe ist schon 34 und dürfte nach den Olympischen Spielen in Tokio ihre internationale Karriere ebenfalls beenden, andere Teamstützen wie Becky Sauerbrunn, Tobin Heath oder Alex Morgan sind auch schon über 30. Und ob Jill Ellis, die als erste Trainerin seit dem Italiener Vittorio Pozzo in den Dreissigerjahren ein Team zur erfolgreichen Titelverteidigung an einer WM führte, bis Tokio weitermachen wird, ist offen.

Europa muss warten

Aus europäischer Sicht verlief das Turnier ernüchternd, obwohl der alte Kontinent sieben der acht Viertelfinalisten stellte. Beim Gastgeber, der in den Viertelfinals auf die USA traf, verpassten Amandine Henry und Co. einmal mehr eine goldene Chance, ihre Generation mit einem Titel mit der Nationalmannschaft zu krönen. England war wie an der WM 2015 und der EM 2017 nahe dran. In zwei Jahren, an der EM-Endrunde im eigenen Land, dürften die "Lionesses" das Team sein, das es zu schlagen gilt.

Die Niederlande erreichte zwar erstmals den WM-Final, vermochte aber im Gegensatz zur EM vor zwei Jahren im eigenen Land spielerisch nicht mehr zu begeistern. Die Mannschaft von Sarina Wiegman bahnte sich den Weg in den Final in der schwächeren Tableauhälfte durch ihre defensiven Qualitäten. Zu viele der Stars wie Lieke Martens, Vivianne Miedema oder Sherida Spitse waren nicht in Topform. Deutschland, dem Olympiasieger von 2016, gelang auch unter Martina Voss-Tecklenburg die Rückkehr an die Weltspitze nicht.

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