Raphael Wicky verwirft die Hände. Eben ist Mikel Balenziaga nach einem Hands auf der Torlinie regelkonform vom Platz geflogen, weil er den Kopfball Marek Suchys abgewehrt und somit das Führungstor der Basler verhindert hat.

Wenn es einen Trainer normalerweise freut, 60 Minuten Überzahl spielen zu können, stört Wicky der Fakt, dass er nicht über 90 Minuten sieht, ob sein System funktioniert. «In einem Testspiel kann man auch einmal eine gelbe Karte geben, wenn es kein grobes Foul gewesen ist. Man will gegen elf Spieler testen.» Und zwar vor allem, ob auch gegen einen spielerisch besseren Gegner funktioniert, was er schon am letzten Samstag gegen Xamax versucht hat. Erneut setzt er auf eine Dreierkette, mit Matías Delgado (der den fälligen Penalty nach dem Hands zum 1:0 verwandelt) direkt davor, einem Fünfer-Mittelfeld sowie einem Zwei-Mann-Sturm.

Dominanz nach 15 Minuten

Und obwohl Bilbao, in der abgelaufenen Saison immerhin 7. der spanischen Primera División, mehr Gegenwehr bietet als Xamax, ist der FCB stärker. Spielbestimmend. Dominant. Vor allem gegen Ende der ersten Halbzeit, als das Spiel ohnehin eine hohe Intensität aufweist. «Wir brauchten 15 Minuten, um in die Partie zu kommen. Danach habe ich eine sehr gute erste Halbzeit gesehen», bilanziert der FCB-Trainer.

Ganz zufrieden ist er aber nicht. Das 1:1 der Basken resultierte aus einem individuellen Fehler. Pedro Pacheco spekulierte, kam aber nicht an den langen Ball. Eine Situation, die man noch einmal genau anschauen muss, wie Wicky sagt.

Ebenfalls zu bemängeln ist der Rückstand kurz nach der Pause, als der eben erst eingewechselte Kike Sola zu frei zum Kopfball kommt. Weil aber Ricky van Wolfswinkel mit seiner letzten Ballberührung vor seiner Auswechslung und nach zwei Spielen ohne Tor wieder trifft, kann der FCB ausgleichen. Kurz vor Schluss schiesst Afimico Pululu die Basler gar noch zum Sieg.

Letzter Test gegen Sporting

Die Basler gewinnen somit ihr zweitletztes Testspiel mit 3:2. Es ist ein Resultat, das Wicky freut. Weil seine beiden gelernten Stürmer getroffen haben und ihnen «das Vertrauen geben wird». Weil Bilbao der erwartet grössere Prüfstein war als dies Rosenheim, Wil und Xamax waren, man aber trotzdem dagegenhalten oder vielmehr bestehen konnte. Weil Wicky im Vorfeld betonte, dass der Fokus voll auf diesem Spiel und jenem vom Samstag gegen Sporting Lissabon liegt und das bis jetzt auch seinen Zweck erfüllt hat.

Vor allem aber auch, weil der FCB zu überzeugen wusste. Die Mannschaft wirkte frisch. Etwas, was in den letzten Spielen nicht so war. Die Laufwege stimmten. Der Ball zirkulierte schön durch die Reihen. Und die Basler wirkten trotz einer erneut veränderten Startelf eingespielt.

Nach den neun Wechseln, die Wicky nach einer Stunde vornahm, ging der Spielfluss etwas verloren. Eine logische Konsequenz, die bewusst entgegengenommen wurde. Noch bleibt schliesslich eine weitere Möglichkeit, um die Feinjustierungen vorzunehmen.