Wie ist das nur möglich? WM-Achtelfinal. Es ist das Highlight für eine ganze Generation. Das wichtigste Spiel seit vier Jahren. Eine riesige Chance. Die Tür steht weit offen. Und dann so ein miserabler Auftritt.

Die WM ist für die Schweiz vorbei. Nichts anderes wäre verdient gewesen. Wer sich Gedanken darüber gemacht hat, wie offen das WM-Tableau ist, wie nahe vielleicht sogar der Halbfinal- oder ein Final-Einzug war, der schämt sich hinterher dafür. Die Schweiz hat auf dieser Bühne nichts verloren.

Die Liste des Schreckens ist um ein Kapitel reicher

Die Liste des Schreckens ist um ein Kapitel reicher. Wieder scheitert die Schweiz im Achtelfinal. Nach 2014 und 2016 zum dritten Mal hintereinander. Nach Argentinien und Polen ist nun Schweden Endstation. Ein sehr bescheidender Gegner. Es macht das jüngste Fiasko noch bitterer.

Man versprach sich von dieser Schweizer Generation, dass sie etwas Besonderes sei. Dass ihr irgendwann der grosse Wurf gelingen könnte. Aber am Ende fehlt eben immer etwas.

Waren die Niederlagen 2014 und 2016 noch nach heroischen Kämpfen mit viel Pech zustande gekommen, bleibt nun nur das Kopfschütteln. Über eine behäbige Leistung ohne Leidenschaft, dafür voller Ideenlosigkeit.

Die wichtigsten Szenen des Spiels:

Schweiz-Schweden: die Schlüsselszenen des Spiels

Spielerisch ist die WM sogar ein Rückschritt

Vladimir Petkovic ist 2014 angetreten, um als Nachfolger von Ottmar Hitzfeld die Schweiz weiterzuentwickeln. Zum heutigen Zeitpunkt gilt die nüchterne Erkenntnis: Petkovic hat es nicht geschafft. Die Schweizer sind kein bisschen weiter als zuvor.

Und vor allem: Der Petkovic-Fussball ist berechenbar geworden. Wenn ein Gegner gut organisiert ist, fehlt jede Überraschung im Schweizer Spiel. Spielerisch war die WM sogar ein Rückschritt.

Lara Gut tröstet ihren Freund Valon Behrami

          

Nun ist es Zeit, sich zu hinterfragen. Das beginnt bei der Arbeit des Trainers. Es muss nicht sein, dass Petkovic der falsche Mann ist, um diese Mannschaft weiterzubringen. Aber der Verband sollte schon genau hinschauen. Es ist und bleibt rätselhaft, wie diese eigentlich talentierte Schweizer Equipe offensichtlich nur dann zu ihrer Leistung findet, wenn sie durch die Emotionen von aussen aufgeputscht ist. So, wie das gegen Serbien der Fall war.

Aus dem geplanten Höhenflug wurde eine Bruchlandung

Eine einzige gute Halbzeit bei der WM, das ist schlicht zu wenig. Nur war das eigentlich schon bei der EM nicht anders. Die Frage ist darum: Gelingt es Petkovic wirklich, mit seinen Worten ins innerste der Köpfe seiner Spieler vorzudringen? Natürlich müssen auch die Spieler Verantwortung übernehmen.

Haris Seferovic und Granit Xhaka nach dem Schlusspfiff.

     

Es fragt sich schon, ob sich gewisse Akteure nicht ein wenig überschätzen. Weder Polen noch Schweden sind Gegner, die höher einzuschätzen sind als die Schweizer Auswahl. Der Nachweis, dass sich in der Mentalität der Schweizer grundlegend etwas verändert hätte, bleiben sie auch diesmal schuldig. Es bleibt eher die Erkenntnis: Die wichtigsten Spiele verliert die Schweiz allesamt.

Aus dem geplanten Höhenflug an dieser WM ist eine Bruchlandung geworden. Eine ziemlich harte. Nun gilt es, wieder aufzustehen. Eine gute Portion Selbstkritik ist dabei kein schlechter Ratgeber. Den Satz, ein WM-Achtelfinal sei nicht selbstverständlich, mag niemand mehr hören.