Fussball
Borussia Dortmund im Freudentaumel: «Waren kurz vor dem Herzinfarkt»

In einem dramatischen wie historischen Fussball-Krimi hat sich Borussia Dortmund erstmals seit 15 Jahren für den Halbfinal der Champions League qualifiziert und seine Fans in einen unbeschreiblichen Freudentaumel gestürzt.

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Borussioa Dortmund siegt gegen Malaga CF

Borussioa Dortmund siegt gegen Malaga CF

Keystone

Die Explosion der Emotionen erschütterte das Stadion in seinen Grundfesten. Auf dem Rasen türmte sich ein schwarz-gelbes Spielerknäuel, Trainer Jürgen Klopp spurtete scheinbar ziellos über den Platz und umarmte jeden, der seinen Weg kreuzte.

«Oh, wie ist das schön», sangen die Fans ohrenbetäubend noch lange nach dem Abpfiff und sorgten für Gänsehaut pur, als die neuen Europacup-Helden von Borussia Dortmund, begleitet von Standing Ovations, ihre Ehrenrunde liefen.

Der Versuch, das gerade Erlebte in Worte zu fassen, scheiterte bei den Beteiligten selbst eine Stunde nach dem Abpfiff kläglich. «Das ist unbeschreiblich, unfassbar. Ich bin fix und fertig.

Das war bisher der emotionalste Moment überhaupt», sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke nach dem 3:2 (1:1) der weiterhin unbesiegten Borussen über den FC Malaga und dem ersten Einzug in den Halbfinal der Champions League seit 15 Jahren.

Es war das 100. Tor der Westfalen in der Königsklasse durch Felipe Santana und das zweite nach dem Treffer von Marco Reus innerhalb von 69 Sekunden in der Nachspielzeit, das die Fussball-Welt in Dortmund aus den Angeln hob.

Denn zwischen Depression und Emotionen lagen nur zehn Minuten, zumal Eliseu (82.) Malaga mit dem 2:1 quasi schon in die Runde der letzten vier geschossen hatte.

«Wir waren alle kurz vor dem Herzinfarkt. Wir sind irgendwohin losgerannt und waren nicht aufzuhalten. Das ist Wahnsinn. Ich werde dieses Spiel nie vergessen», äusserte ein von einer dramatischen Schlussphase gezeichneter Trainer Jürgen Klopp und konnte sein Glück kaum fassen. «Ich glaube, dieses Spiel wird seinen Platz in der BVB-Historie erhalten», sagte Sportdirektor Michael Zorc.

Das Gefühlschaos bei allen Beteiligten und den 65 829 Zuschauern im ausverkauften Dortmunder Tollhaus hatte vielerlei Gründe. Es war nicht nur der späte Rückstand, nach dem wohl niemand mehr einen Pfifferling für den BVB gegeben hätte, es war auch das schlechteste Champions-League-Spiel der Westfalen, das kaum noch Hoffnung machte.

«Ich habe nicht mehr daran geglaubt. Mir sind die vergebenen Chancen vom 0:0 aus dem Hinspiel schon durch den Kopf gegangen», meinte Nationalspieler Ilkay Gündogan: «Und dann so etwas.» Sein glückseliger Teamkollege Nuri Sahin tönte: «Jetzt wollen wir den Pokal!»

Malaga will Protest einlegen

Die Borussen waren sich des Glücks, das sie in den Kreis der vier besten Mannschaften Europas – oder sogar der Welt – katapultierte, vollends bewusst.

Zumal Tor Nummer drei, als Santana den Ball über die Linie stocherte, aus klarer Abseitsposition entstand und speziell bei den frustrierten Spaniern eine Schiedsrichter-Diskussion bis hin zu schwersten Vorwürfen («Rassismus») durch Klub-Präsident Abdullah ben Nasser Al-Thani auslöste.

Malaga wird bei der Uefa offiziell Einspruch gegen die Spielwertung einlegen. Dies kündigte der Klub am Mittwoch via Twitter an. Das sei «lächerlich», betonte BVB-Boss Watzke bei Sky, denn wenn man das Spiel bei allem Verständnis für die Enttäuschung der Spanier objektiv betrachte, werde man schnell feststellen, dass das zweite Tor von Malaga auch abseits war.

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