Die Botschaft: Kein Spieler ist grösser als das Tennis. Und zu dieser Haltung gehört eben auch das: Kein Sport ist grösser als das Tennis. Wimbledon, das ist der Heilige Gral des Weltsports.
Und darum ist es nichts als konsequent, dass es auf der ganzen Anlage keine Bildschirme gibt, auf denen die Spiele der Fussball-WM gezeigt werden. Roger Federer sagte: «Für uns ist Wimbledon so wichtig, dass es egal ist, wenn unser Final am gleichen Tag stattfindet wie der WM-Final.»

Es seien andere Fans, andere Sportarten und andere Orte. Im Scherz fügte er an: «Ich sorge mich mehr darum, dass der WM-Final unter Wimbledon leiden könnte, weil die Zuschauer jeden Punkt auf den Handys mitverfolgen, und die Spieler nicht begreifen, was abgeht.»

Nun, beides entspricht nicht ganz der Wahrheit, zumal England vom ersten WM-Titel seit 1966 träumt. Überall auf der Anlage scharten sich am Samstag beim 2:0-Sieg gegen Schweden Grüppchen um Menschen mit Handys. Und der lauteste Jubel hallte über die Anlage, als Maguire und Alli für die «Three Lions» trafen. So und nicht anders wird es auch heute sein, wenn England gegen Kroatien um den Final-Einzug spielt.

Denn eine Fussball-WM ist in England eben nicht nur ein Anlass für Sportfans, sondern gerade in Zeiten des Brexit ein identitätsstiftendes Ereignis. Verbürgt ist, dass auch Roger Federer WM-Tore bejubelt. Wem er nach dem Schweizer WM-Aus die Daumen drückt, liess er diplomatisch unbeantwortet. Doch auch er wird sich freuen, spielt er heute bereits um 14 Uhr. Der WM-Halbfinal wird um 20 Uhr angepfiffen. Auch Fussball-Legende Sir Bobby Charlton freut das. Er war am Samstag in Wimbledon Ehrengast – und verpasste so Englands Sieg gegen Schweden.