Fussball

10 gute Gründe, die Champions League zu schauen, obwohl keine Schweizer Klubs dabei sind

Wollen endlich den Titel in der Champions League: die Pariser Superstars Neymar (links) und Kylian Mbappé.

Wollen endlich den Titel in der Champions League: die Pariser Superstars Neymar (links) und Kylian Mbappé.

Heute beginnt die Champions League – ohne Schweizer Klubs. Doch es gibt gleichwohl gute Gründe, den Fernseher einzuschalten.

Die Stars überstrahlen alles

Klar ärgert mich, dass das Format immer weniger kleine Klubs zulässt. Andererseits fasziniert mich die Königsklasse. Kürzlich in Barcelona war ich beeindruckt vom Stellenwert von Barça und Messi. Der Superstar ist omnipräsent in Form von Trikots, Riesenporträts an Hausfassaden und in Gesprächen mit Taxifahrern. Messi überstrahlt mit Ronaldo und van Dijk die Champions League. Ihre Spielkunst will ich sehen. Egal, ob mit oder ohne Schweizer Teilnehmer.

In der Königsklasse gibt es schöne Tore

Das Salz im Fussball sind Tore. So gesehen ist die Schweizer Super League mit einem Schnitt von drei Toren pro Spiel eine der attraktivsten Spielklassen Europas. Das Problem: Oft sind es haarsträubende Fehler, die zur Torflut führen. Das ist in der Champions League anders. Mit 2,64 Treffern pro Partie fallen zwar geringfügig weniger Tore, doch die Qualität der Entstehung ist ungleich höher. Das Netz dergestalt zappeln zu sehen, erfreut jedes Fussballherz.

Vorfreude auf das Versagen

Es mag paradox klingen, aber: Als Fan von Manchester United kann man sich sehr auf die Champions League freuen. Nicht, weil die Erinnerungen an Paris präsent sind. Auch nicht, weil man von einer Wiederholung träumen darf. Dazu hätte man sich überhaupt qualifizieren müssen. Doch daran scheiterte United so deutlich wie City am Versuch, die Königklasse zu gewinnen. Und genau das ist der Grund zur Vorfreude: Die Garantie, dass der «noisy neighbour» erneut versagen wird.

Und dann schmollt sogar Messi

15 Meister spielen in der Champions League. In ihren Ligen holten sie den Titel letzte Saison im Schnitt mit 8,2 Punkten Vorsprung. Langweilig. Zum Glück gibt es die Königsklasse. Denn dort verlieren auch diese erfolgsverwöhnten Klubs - bis auf einen - alle irgendwann. Dann weint Cristiano Ronaldo, dann schmollt Lionel Messi und sogar Pep Guardiola ist kurz sprachlos. Und alle Underdog-Liebhaber unter uns sitzen gemütlich auf dem Sofa und sind irgendwie froh.

Ajax lässt uns wieder träumen

Wollen wieder für Überraschungen sorgen: Ajax mit Daley Blind, hier im Duell mit Tottenham-Stürmer Lucas Moura.

Wollen wieder für Überraschungen sorgen: Ajax mit Daley Blind, hier im Duell mit Tottenham-Stürmer Lucas Moura.

Was waren das für magische Nächte, die wir letzte Saison erleben durften. Ajax Amsterdam, der Kleine der Grossen, überraschte alle. Nach dem Halbfinal ging es diesmal schon in der dritten Quali-Runde los. Umso schöner also, dass Ajax wieder dabei ist. Und obwohl mit de Ligt und de Jong zwei Führungsspieler weg sind, blieb der grosse Aderlass aus. Darum darf man wieder von Überraschungen träumen. Vielleicht gar vom ersten Ajax-Titel in der Champions League seit 1995.

Die Schönheit muss siegen

Vielleicht läuft tatsächlich nicht alles gut im Milliarden-Business Fussball. Aber deswegen ständig nörgeln? Böses Paris mit seinen Öl-Millionen! Böser Neymar mit seinen Schwalben! Es nervt nur noch. Denn es gibt nichts Schöneres als dem wunderbaren Pariser Fussball zuzuschauen. Lieber stilvoll untergehen statt hässlich gewinnen. Das ist das, was wir Fussball-Liebhaber sehen möchten. Und darum: Allez PSG, auf zum längst überfälligen Titel in der Königsklasse!

Patriotisch – auch ohne Basel und YB

Kein Schweizer Klub, dafür Spieler. Unter anderem der Dortmunder Goalie Roman Bürki. (EPA)

Kein Schweizer Klub, dafür Spieler. Unter anderem der Dortmunder Goalie Roman Bürki. (EPA)

Keine Young Boys. Kein FC Basel. Aber immerhin sie: Shaqiri. Akanji. Bürki. Seferovic. Freuler. Gavranovic. Moubandje. Mvogo. Hitz. Neun Schweizer Fussballer mischen die Champions League auf - und wir fiebern mit ihnen. Freuen uns auf die nächsten Gala-Minuten Shaqiris gegen Barcelona. Auf Trainer Lucien Favre und seinen Dortmunder Zauber. Und überhaupt auf möglichst viele Schweizer Erfolgsmeldungen. Sie werden dringend benötigt.

Wenig Lacher dank Salzburger Premiere

Es ist noch nicht lange her, da hatte unsereins bloss ein schadenfrohes Lächeln übrig für den Dosenklub aus Österreich. Seit 2005 pulverte Milliardär und Mäzen Dieter Mateschitz zig Millionen in die Mannschaft, das Tor zur Königsklasse blieb aber zu. 2012 scheiterte RB Salzburg sogar an Düdelingen aus Luxemburg. Mal schauen, was der Neuling in der Champions League ausrichten kann. Basel hielt sich bei seiner Premiere 2002 immerhin Liverpool vom Leib.

Unerträglich, unsägliche Experten

Die Young Boys mit dem Afrika-Element und ihrem smarten Trainer werden mir fehlen. Was nun also? Für Champions-League-Fussball ohne YB dieser unsäglich-unerträglichen Teleclub-Expertenrunde zuhören müssen? Nun gut, der TV-Ton wird erst mit dem Anpfiff eingeschaltet. Und dann wird Neymar gehuldigt. Dieser charakterlich offenbar unerträglich-unverbesserliche Flegel ist und bleibt bis auf weiteres der technisch beste Fussballer der Welt.

Die Tippspiel-Saison ist eröffnet

Wir Praktikanten können den einen oder anderen finanziellen Zustupf gut gebrauchen. Da kommt die Champions League gerade recht. Denn anders als in der Super League, in der man die Resultate mittlerweile würfeln kann, ist Fussballwissen in der Königsklasse noch etwas wert. Tippgruppen florieren, Wettbegeisterte Kollegen warten überall – wunderbar, das ist die Chance, ihnen den einen oder anderen Zwanziger abzuluchsen. So lautet zumindest der Plan.

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