EM-Qualifikation

Fussball-Nati gewinnt erneut mit 4:0 – und ist zurück im Rennen

Im vierten Spiel der laufenden EM-Qualifikation gewinnt die Schweiz zum zweiten Mal. Nach dem 4:0 gegen San Marino wird auch Litauen mit 4:0 abgefertigt. Damit klettert die Schweiz auf den dritten Tabellenplatz.

Wann endlich? Wann folgt dieses erlösende Tor? Die Minuten vergehen und vergehen. Viel zu schnell. Kann das wirklich sein? Wie lange hält dieser Teufelskerl im litauischen Tor noch dicht? Eine rot-weisse Angriffswelle folgt der nächsten. Mehmedi kommt alleine vors Tor, schiebt den Ball an den Pfosten.

Das Tor will und will nicht fallen. Man ertappt sich beim Nachschlagen des Begriffs «Tor» im Duden. «Durch zwei Pfosten und eine sie verbindende Querlatte markiertes Ziel, in das der Ball zu spielen ist», steht da geschrieben.

Draussen steht Vladimir Petkovic im Regen. Stoisch verfolgt er das Geschehen. Es läuft jetzt die 63. Minute. Er wechselt ein erstes Mal. Josip Drmic kommt für Mehmedi. Es kommt der nächste Eckball. Und wer steht am ersten Pfosten? Genau, Drmic. Tor! 1:0! Endlich! Plötzlich scheint der ganze Druck abgefallen. Jetzt geht’s schnell. Wieder Eckball. Abpraller, der Ball kommt zu Fabian Schär - dieser schiebt kühl ein. 2:0. Der Sieg ist gewiss.

Noch ein bisschen mehr? Natürlich!

Die restlichen Minuten verkommen zur Kür. Und was für einer! Die Schweiz spielt genauso leidenschaftlich weiter wie vorher. Drmic trifft fast wieder. Flankt dann zu Shaqiri. Und der kleine Zauberer steigt hoch in den Regenhimmel von St.Gallen – Kopfball, 3:0. Darf es noch ein bisschen mehr sein? Natürlich. Die nächste Hereingabe von Drmic verwertet Shaqiri mit der Hacke – 4:0. Was werden ihm diese Tore gut tun!

Es ist der Schlusspunkt eines tollen Fussballabends, der am Ende das Publikum begeistert. Die Ovationen wollen nicht mehr aufhören. Dieser Triumph schmeckt so richtig süss.

Für einen ist dieser Sieg ganz besonders wichtig, Trainer Petkovic. Schlimmer hätte der Start in seine Ära mit den Niederlagen gegen England und Slowenien nicht sein können. Auch wenn er nicht zu Unrecht betonte, spielerisch schon viel Gutes zu sehen.

Giedrius Arlauskis in der ersten Halbzeit unbezwingbar

Das 4:0 in San Marino war auch resultatmässig ein erster Schritt in die richtige Richtung. Aber so richtig traute man dem Wert dieses Vergleichs dann doch nicht – schliesslich waren die Gegner fast ausschliesslich Amateure.

Nun, diese Leistung gegen Litauen gestern lässt keine Wünsche offen. Die Schweiz agiert von Anfang an leidenschaftlich. Sie spielt ohne Hektik nach vorne. Kommt immer wieder zu Chancen. Neun sind es alleine bis zur Pause. Das einzige, was fehlt, sind zu diesem Zeitpunkt die Tore.
Am auffälligsten ist Stürmer Haris Seferovic. Genau fünf Jahre ist es her, seit er mit seinem Kopfballtor im U17-WM-Final gegen Nigeria dafür sorgte, dass die Schweiz erstmals einen Fussball Weltmeistertitel feiern durfte.

Von Minute zu Minute nähert sich Seferovic dem Tor. Einmal muss er staunend feststellen, dass Litauen-Torhüter Giedrius Arlauskis seinen Kopfball noch ums Tor herum dreht. Wenig später zeigt er einen sehenswerten Distanzschuss. Und plötzlich glänzt er auch als Vorbereiter. Aber noch sind Dzemaili und Shaqiri in der Verwertung dieser Vorlagen glücklos.

Teilweise famoses Gespann

Und die Litauer? Vor dem Spiel versicherte ihr Captain Kijanskas: «Gewiss, wir haben einen Plan für dieses Spiel.» Er lächelte verschmitzt. Auf dem Feld sah das dann so aus: Mit 10 Mann hinten rein stehen, auf Glück, den lieben Gott und Torhüter Arlauskis hoffen. Es war erstaunlich, wie lange das funktionierte. Bis das Duo Drmic/Shaqiri ihre Auftritte hat. Dieses teilweise famose Gespann, das die Schweiz schon an der WM verzückt hatte.

Nach diesem 4:0 sieht die Welt aus Schweizer Sicht schon wieder etwas besser aus. Punktemässig hat sie zu Litauen und den Slowenen, die in England 1:3 verloren, aufgeschlossen. Nun gilt es, im März kommenden Jahres gegen Estland den nächsten Schritt zu tun.

Was bleibt sonst von diesem Abend? Debütant François Moubandje vertrat den verletzten Ricardo Rodriguez nach einem etwas nervösen Start gut. Auch Marco Schönbächler kam zum Ende noch zu seiner verdienten Nati-Premiere.

Vertikale Zuspiele ein Genuss

Im Mittelfeld nutzte Blerim Dzemaili auch seine nächste Chance – trotz verpasster Grosschance. Überhaupt waren die vielen vertikalen Zuspiele aus dem Zentrum ein Genuss. Bleibt die Verteidigung: Fabian Schär gelang der nächste starke Auftritt, gekrönt mit einem Tor.

Das alles lässt die Hoffnung zu, dass es auch in den nächsten Schweizer Spielen steil aufwärts geht.

Schweiz - Litauen 4:0 (0:0)

AFG-Arena, St. Gallen. - 17'300 Zuschauer (ausverkauft). - SR Moen (No). - Tore: 66. Arlauskis (Eigentor) 1:0. 68. Schär (Behrami) 2:0. 80. Shaqiri (Drmic) 3:0. 90. Shaqiri (Drmic) 4:0.

Schweiz: Sommer; Lichtsteiner, Djourou, Schär, Moubandje (75. Fernandes); Behrami, Inler, Dzemaili; Seferovic (83. Schönbächler), Shaqiri, Mehmedi (63. Drmic).

Litauen: Arlauskis; Vaitkunas (64. Borovskij), Freidgeimas, Kijanskas, Andriuskevicius; Zulpa, Vicius (83. Eliosius); Novikovas (87. Kazlauskas), Chvedukas, Cernych; Matulevicius.

Bemerkungen: Schweiz ohne Lustenberger, Rodriguez, Senderos, Widmer und Xhaka, Litauen ohne Panka, Spalkis und Zaliukas (alle verletzt). Länderspiel-Debüts von François Moubandje und Marco Schönbächler. Schweizer Ersatzspieler: Hitz, Bürki, von Bergen, Lang, Frei, Stocker, Kasami. 56. Pfostenschuss von Mehmedi. Verwarnungen: 23. Moubandje. 35. Freidgeimas (beide wegen Fouls). 66. Drmic (Unsportlichkeit).

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