National League

Für einmal ist nicht der Trainer schuld: Langnau verpasst die Playoffs

Tigers-Topskorer Eero Elo taucht in der Liga-Wertung erst auf Platz 45 auf.Key

Tigers-Topskorer Eero Elo taucht in der Liga-Wertung erst auf Platz 45 auf.Key

Die SCL Tigers verlieren gegen Kloten Flyers mit 3:5 und verpassen somit die Playoffs erst im zweitletzten Spiel der Qualifikation – auch, weil die Ausländer auf einem ungenügenden Niveau sind.

Ein Untergang mit Karacho. Ein Scheitern als Drama. Pascal Berger verkürzt am Samstagabend in der 52. Minute auf 3:4. Ein Sieg ist wieder möglich. Bis zum Schluss der Partie wird Kloten mit einem und manchmal auch mit zwei Mann weniger spielen. Es geht drunter und drüber. Aber am Ende verliert Langnau 3:5. Die Playoffs sind verpasst.

Wie 1988, 1999, 2000, 2001, 2002, 2003, 2004, 2005, 2006, 2007, 2008, 2009, 2010, 2012, 2013, 2016 und 2017. Erst wenn wir diese Aufzählung einmal vor Augen sehen, verstehen wir, welche Bedeutung eine Qualifikation für die NLA-Playoffs gehabt hätte. Nur ein einziges Mal hat es bis heute geklappt. 2011.

Die Welt ist im Emmental nicht untergegangen. Das Stadion war ausverkauft. Und in den nun kommenden drei Heimspielen in der Abstiegsrunde gegen Kloten, Lausanne und Ambri werden die Fans ihre Mannschaft nicht im Stich lassen. Aber dieses Scheitern schmerzt. Gleich mehrere Teams sind in Laufe dieser Saison in eine Krise geraten oder konnten bei weitem ihr Potenzial nicht umsetzen: die ZSC Lions, Kloten, Lausanne, Servette und Gottéron. Eine einmalig günstige Gelegenheit für einen tapferen Aussenseiter. Aber Langnau hat sie nicht genützt.

Fehlendes Talent?

Selten waren die Ursachen für sportliches Scheitern so offensichtlich wie in diesem Fall. Die Langnauer sind an ihrer Unfähigkeit im Powerplay zerbrochen.
Mut, Kraft, Disziplin und taktische Schlauheit stabilisieren die Defensive und können ein Team weit tragen. Im Falle der Langnauer bis an die Schwelle der Playoffs.

Sie stehen bei den Gegentoren ligaweit auf Position 6. Aber um in die Playoffs zu kommen, braucht es zusätzlich Talent. Talent für ein gutes Powerplay. Die Deutschen, taktisch die SCL Tigers des internationalen Hockeys, kamen nur in den Olympia-Final, weil sie in jeder entscheidenden Partie – gegen die Schweiz, Kanada und Schweden – einen Treffer in Überzahl erzielten.

Keine guten Ausländer

Die zwei letzten Alles-oder-nichts-Partien gegen Servette (1:3) und Kloten (3:5) sind wegen eines miserablen Powerplays (12 Überzahlsituationen nicht ausgenützt) verloren gegangen. Die SCL Tigers haben das schwächste Überzahlspiel (13,55 Prozent Auswertung) und die schwächste Offensive der Liga – und für einmal ist der Trainer nicht schuld. Heinz Ehlers geniesst auch nach dem spektakulären Scheitern allerhöchsten Respekt und hat einen Vertrag bis Ende der nächsten Saison.

Wenn die Spieler mit Schweizer Lizenz nicht gut genug sind für ein wirkungsvolles Powerplay – dann müssen die ausländischen Arbeitskräfte die Differenz machen. Spitzenteams können sich durchschnittliche Ausländer leisten. Teams wie Langnau hingegen nicht. Oder noch einfacher gesagt: Gute Ausländer sind nicht alles. Aber für eine Mannschaft wie Langnau ist ohne gute Ausländer alles nichts.

Der Finne Eero Elo ist Langnaus Topskorer. Auf Platz 45 (!) der Liga-Skorerliste. Noch weiter hinten finden wir die zwei anderen bereits bei Saisonbeginn zur Verfügung stehenden ausländischen Stürmer Antti Erkinjuntti (52.) und Aaron Gagnon (64.). Die schwächsten Ausländer der Liga haben Langnau die Playoffs gekostet. Aus dem gleichen Grund zittert Kloten um den Liga-Erhalt. Aber die Ausländer-Situation ist dort anders: Durch schiere Dummheit – durch den Verzicht auf die Besetzung aller Ausländerpositionen beim Saisonstart – hat sich Kloten um alle Chancen gebracht.

Auch Sportchef ist unumstritten

In Langnau war Sportchef Jörg Reber nicht dazu in der Lage, gutes ausländisches Personal zu rekrutieren. So gut er sich in den einheimischen Transferbrockenstuben auskennt, so unglücklich stolpert er durch den internationalen Spielermarkt. Trotzdem ist er intern unumstritten. Er muss nicht um seinen Job bangen.

Nach dem bitteren Scheitern stellt sich der ehemalige Verteidiger und SCB-Junior im Kabinengang den Chronisten. Er lässt sich nicht aufs Glatteis der Polemik führen. In der verbalen Enge findet er den Ausweg mit dem Hinweis, jetzt sei noch nicht Zeit, Bilanz zu ziehen. Der Ligaerhalt ist ja theoretisch noch nicht gesichert. Aber immerhin gibt er zu: «Wir haben die Verlängerungs-Option mit Antti Erkinjuntti nicht eingelöst.

Nur Eero Elo hat einen weiterlaufenden Vertrag.» Er kann also drei neue Ausländer verpflichten. Einer davon wird wohl der ehemalige Leitwolf Chris DiDomenico (29) sein, der diese Saison in Ottawa vergeblich versucht hat, die NHL zu erobern. Und so gilt für die SCL Tigers wieder einmal: Neue Saison, neue Ausländer, neues Glück.

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