EM 2016
Frankreich fürchtet dir irren Isländer

Die Grande Nation macht sich klein. Vor dem Viertelfinal dominiert die Angst vor Aussenseiter Island.

Jan Mies
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Die französischen Nationalspieler geben sich betont entspannt: Paul Pogba auf Tuchfühlung mit den Fans.Keystone

Die französischen Nationalspieler geben sich betont entspannt: Paul Pogba auf Tuchfühlung mit den Fans.Keystone

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Lars Lagerbäck legte noch einmal den Finger in die Wunde. «Von den Franzosen wird enorm viel erwartet», sagte der Nationaltrainer der Isländer mit fester Stimme. Sollten die EM-Gastgeber sein Team, den krassen Aussenseiter, im Viertelfinal am Sonntag im Stade de France nicht besiegen, «oh das wäre nicht gut ...», ergänzte er. Frankreichs Trainer Didier Deschamps dürfte das die Zornesröte ins Gesicht treiben.

Seit dem vergangenen Sonntag muss die Équipe tricolore auf ihr nächstes Spiel warten. Die freien Tage sind Gift für die Grande Nation, für die nur der Titel im eigenen Land zählt. Mit jeder Stunde, mit jeder neuen Kampfansage der Wikinger wachsen die Zweifel. Aus dem Glücklos Island ist plötzlich ein kleiner Angstgegner geworden.

Auf keinen Fall unterschätzen

Selbst, wenn Island ausscheiden sollte, «dann würde sich die Welt bestimmt nicht aufhören zu drehen», sagte der zweite Trainer Heimir Hallgrimsson: «Das ist unser grosses Plus.» Ein Vorteil, den die Franzosen nicht haben. «Wir müssen in den Halbfinal kommen, und wir dürfen den Gegner auf keinen Fall unterschätzen», forderte Abwehrspieler Patrice Evra. Die Engländer hatten das im Achtelfinal beim 1:2 ganz offensichtlich getan. Sie gingen gegen die wie besessen spielenden Isländer unter (1:2) – und sie bekamen seitdem nur Hohn und Spott zu hören. «Wenn wir Island schlagen, spielen wir gegen Deutschland oder Italien. Glück nenne ich das nicht. Wir dürfen nicht in diese Falle tappen», sagte Evra.

Deschamps muss deshalb einen Balanceakt bewältigen. Die Franzosen, die am Sonntag zum 80. Mal in ihrem Nationalstadion in St. Denis auflaufen, sind der klare Favorit, und so müssen Dimitri Payet, Antoine Griezmann und all die anderen, die zu Nationalhelden werden wollen, auch spielen. Sich wie der sichere Sieger fühlen, ist streng verboten. Aus dem Trainingszentrum in Clairefontaine drang am Freitag deshalb nur wenig nach aussen.

Griezmann, mit drei Toren der treffsicherste Franzose, verkleidete sich kurz vor dem Spiel als Pirat, er postete bei Twitter eine digitale Collage von sich als der berühmte Captain Jack Sparrow. Die Zeitung «Le Parisien» zeigte ein paar Bilder von äusserst entspannten Spielern, allerdings ohne genaue Angabe, wann genau die Aufnahmen von Olivier Giroud beim Lesen und Paul Pogba beim Kartenspielen gemacht wurden. Es sieht ein bisschen aus wie gespielte Entspannung.

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