Kolumne

Florence Schelling, die Königin von Bern

Florence Schelling beerbte Alex Chatelain und ist neue Sportchefin des SC Bern.

Florence Schelling beerbte Alex Chatelain und ist neue Sportchefin des SC Bern.

SCB-­König Marc Lüthi hat sie erwählt und zu seiner Königin gemacht. Die langjährige Nationaltorhüterin Florence Schelling ist die neue Sportchefin beim Hauptstadtklub.

Klaus Zaugg.

Klaus Zaugg.

Am 14. April beginnt Florence Schelling ihre Arbeit als Sportchefin des SC Bern. Oder besser: Sie besteigt als Königin den Thron. Königin? Ja, sie ist die erste Königin von Bern. Der SCB ist in der Bundesstadt, was der Hof von Versailles zu Zeiten des Sonnenkönigs für «Tout Paris» war: der gesellschaftliche Mittelpunkt. Mag sein, dass YB mehr Fans hat. Aber der SCB hat einen höheren Status. Weil der Glanz des Hockeyklubs das Resultat der Tüchtigkeit und des Geldes der Bernerinnen und Berner ist. Hingegen verdankt es die Stadt Bern ausschliesslich Vögten und fremdem Geld, dass es YB noch gibt.

Wer die Macht beim SCB hat, sitzt auf dem Thron von Bern. Über nichts ärgert sich Manager Marc Lüthi so sehr wie über die Bezeichnung «König von Bern». Einerseits weiss er genau, wie treffend dieser Ehrentitel ist. Aber er weiss eben auch, dass solche Überhöhungen in Bern nicht gut ankommen. Der SCB ist zwar eine hochprofessionelle, ultramoderne Hockeyfirma. Aber während der biblischen Amtszeit von Lüthi (seit 1998) hat der SCB monarchistische Strukturen angenommen.

Beim SCB gilt: Marc Lüthi findet mich gut, also bin ich. Was die Gunst des Sonnenkönigs in Versailles, das ist das Wohlwollen von Marc Lüthi am Hofe SCB. Das ist einer der Gründe für den jüngsten sportlichen Rückschlag. Über allem, was in der Sportabteilung unter Alex Chatelain gedacht, gesagt und getan worden ist, stand der Gedanke, nur ja Marc Lüthi zu gefallen. Kein Wunder, dass es nicht mehr gelungen ist, richtige Transfers zu machen.

In seiner unterwürfigen Art wagte es Alex Chatelain nicht, beim Chef Transfer-Zusatz­investitionen zu fordern. Florence Schelling hingegen darf alles verlangen und wird fast alles bekommen. SCB-­König Marc Lüthi hat sie erwählt und zu seiner Königin gemacht. An dieser aufsehenerregenden Anstellung hängt nun sein Prestige. Aber in einem Jahr muss auch Flo­rence Schelling Erfolge vorweisen. Wenn es um das Wohl seines SCB, seines Königreiches geht, kann Marc Lüthi unverhofft so unerbittlich sein wie König Heinrich der VIII. von England und selbst eine Königin verstossen.

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