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Fifa-Museum: Wo die Fussballwelt noch heil ist

Wenigstens im Fifa World Football Museum steht der Fussball nur am Töggelikasten Kopf.

Wenigstens im Fifa World Football Museum steht der Fussball nur am Töggelikasten Kopf.

Das Fifa-Museum in Zürich hat seine Türen nun geöffnet – nur für den suspendierten Fifa-Präsidenten Sepp Blatter bleiben sie vorerst geschlossen.

Der Reporter von «Sky News HD» gibt alles. Er muss ein guter Hobbykicker sein, dribbelt er sich doch geschickt durch den Parcours und schildert dem Fernsehzuschauer dabei erst noch, wie er sich fühlt. «Es macht Spass», lacht er in die Kamera.

Es ist eine gute Idee der Museumsgestalter gewesen, dass die jungen und jung gebliebenen Besucher beim weltweit grössten begehbaren Flipperspiel ihr Ballgefühl zeigen können. Man kann sich gut vorstellen, wie munter es hier zugeht, wenn Familien oder Schulklassen vorbeischauen. «In den letzten Wochen haben wir getestet, getestet und getestet», sagt Museumsdirektor Stefan Jost. «Es sind Kinder, Fussballer und Rollstuhlfahrer hier gewesen. Wir wollten, dass alles perfekt funktioniert.»

Am Medientag hat alles geklappt. Jost und seine Mitarbeiter können dem Sonntag beruhigt entgegen blicken. Dann öffnet das Fifa World Football Museum in Zürich offiziell seine Türen. Am Tessinerplatz ist in den letzten zwei Jahren das Haus des einstigen Engi Märt für 140 Millionen Franken umgebaut worden. Entstanden sind Büros, 34 Luxuswohnungen und eben das Museum. 30 Millionen davon sind für Letzteres aufgebracht worden. Bezahlt von der Fifa.

Pelé, Maradona, Platini, Blatter

Es ist überall zu spüren, dass nicht gekleckert, sondern geklotzt werden durfte. Riesige Bildschirme lassen den Besucher in die Welt der geschichtsträchtigsten Stadien und der grössten Momente der Weltmeisterschaften eintauchen. Man erkennt Pelé, Diego Armando Maradona, Paolo Rossi – und Michel Platini, wie dieser vor dem Penalty den Ball küsst. Aber wie Sepp Blatter, der die Weltfussballerin des Jahres ehrt, ist auch Platini nur auf der Leinwand zu sehen. Beide, vor allem aber Museumsinitiator Blatter, wären wohl gerne vor Ort gewesen, haben jedoch aufgrund ihrer Suspensionen nicht erscheinen dürfen.

Es ist eine gute und heile Fussballwelt hier, auch wenn Schiedsrichter Pierluigi Colinas ausgestellte WM-Trillerpfeife nicht immer zu Recht getrillert hat. Doch was ist das schon im Vergleich zu den Skandalen, welche die Fifa in den letzten Jahren erschüttert haben? Nur einen Katzensprung vom Museum entfernt sind im letzten Jahr viele hohe Fifa-Tiere verhaftet worden. Wer sich darüber wundert, dass davon im Museum nichts zu sehen ist, braucht noch etwas Geduld. «Sobald die Fakten gesichert sind und eine gewisse historische Distanz da ist, wird diese düstere Seite der Fifa beschrieben», verspricht Jost. Und betont, dass das Museum freie Hand bei der Einrichtung und der Wahl der zu zeigenden Objekte gehabt habe. Zwar ist es eine Tochterfirma der Fifa, gleichwohl aber eine unabhängige Aktiengesellschaft. «Wir sind nicht das Sprachrohr des Weltverbandes», sagt Jost, «wir beschreiben die historische Entwicklung des Fussballspiels.» Auch mithilfe einer umfassenden Bibliothek.

Multimediale Erlebniswelt

Dies gelingt auf 3000 Quadratmetern Ausstellungsfläche gut. Fussballfreaks, und mögen sie im normalen Leben noch so grosse Museumsmuffel sein, kommen auf ihre Rechnung. Auch der Frauenfussball erhält Raum. Die interaktive, multimediale Erlebniswelt hat viel zu bieten. Sie lässt die auf den ersten Blick hohen Eintrittspreise (Erwachsene 24 Franken, Kinder 14, Familien 64) eher moderat erscheinen. Wer nur ins Restaurant oder in die Sportsbar will, um sich auf dem Grossbildschirm ein Spiel anzuschauen, braucht kein Ticket. Jost hofft aber, dass pro Jahr 250 000 Leute eines lösen werden.

Es ist ihm gut anzusehen, dass es für ihn und seine Crew nach monatelangen Vorarbeiten ein grosser Moment ist, als im Blitzlichtgewitter der Fotografen der brasilianische Weltmeister Cafu und die zweifache deutsche Weltmeisterin Renate Lingor die original Trophäen des World Cup in die Vitrinen stellen. «Es ist das erste Mal, dass beide Pokale zusammen zu sehen sind. Das ist ein sehr emotionaler Augenblick», sagt Jost.

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