Jahresrückblick

Federers Fluchen und Vinatzers Flitzerin: Diese sieben Kuriositäten aus dem Sportjahr 2020 bleiben in Erinnerung

Corona kam, Sportanlässe mussten verschoben und abgesagt werden. Trotzdem bietet das Sportjahr Absurdes, Witziges und Strittiges.

Anfangs 2020 schwangen sie noch das Tennisracket vor Tausenden von Zuschauern, fuhren mit ihren Hightechbrettern zwischen fahnenschwingenden Fans und den Slalomstangen den schneebedeckten Hang hinunter. Dann kam Corona. Überall und dauernd mussten teilweise sehnlichst erwartete Sportanlässe verschoben und abgesagt werden. Kuriositäten bot das Sportjahr 2020 trotzdem ein paar.

Ein Tennisprofi aus Tennessee namens Tennys

Eben erst hat Roger Federer am Australian Open im sogenannten «Champions-Tie-Break» über 10 zu gewinnende Punkte den Einheimischen John Millman nach einem 4:8-Rückstand noch sensationell mit einem 10:8 ausgeschaltet. Gleich darauf, am 28. Januar, sorgt der Schweizer für das nächste Drama: Im Viertelfinal bezwingt er den Amerikaner Tennys Sandgren, nachdem er zuerst sieben Matchbälle abwehren muss. Kurios bei seinem Gegner auf dem Tenniscourt: Sandgren heisst nicht nur Tennys, er stammt auch noch aus Tennessee. Vielleicht hätte Sandgren auf Sand oder auf grüner Unterlage in Wimbledon einen seiner Matchbälle verwertet.

Kurios übrigens auch: Federer wird in Melbourne von der serbischen Schiedsrichterin Marijana Veljovic verwarnt, nachdem er – offenbar auf Schweizerdeutsch – geflucht hatte. Federer danach: «Das Urteil fand ich etwas hart. Ich bin ja schliesslich nicht der Typ, der ständig mit schlimmen Worten um sich wirft.» Finden wir auch, gopferdami ...

Nackte Tatsachen beim Zieleinlauf des Slalomläufers

Am selben Tag, etwas später in der mitteleuropäischen Zeit, die nächste Kuriosität. Diesmal im Ski-Zirkus, in Schladming. Der Italiener Alex Vinatzer jubelt nach dem zweiten Slalomlauf im Ziel über seine neue, völlig überraschende Bestzeit. Aber nur ganz kurz: Denn eine halbnackte Flitzerin ist knapp vor und knapp neben ihm und knapp angezogen mit einem Transparent («Ruhe in Frieden Kobe Bryant») über die Ziellinie gelaufen und hat die Zielzeit Vinatzers vorzeitig ausgelöst. Die als Erotikdarstellerin bekannte 23-Jährige war schon im Jahr zuvor im Final der Fussball-Champions-League über den Rasen geflitzt und wollte, wie sie in Polizeigewahrsam erklärte, dem Tod von Basketball-Idol Kobe Bryant gedenken. Vinatzer selber nimmt’s gelassen: Sechster Schlussrang und wohl eines der eindrücklichsten Fotofinish-Szenen der Sportgeschichte.

Das Tor, das in der Hektik ganz einfach vergessen ging

Im NLA-Handballspiel HC Kriens-Luzern – Kadetten Schaffhausen vom 21. Februar wird während der zweiten Halbzeit, der ominösen 36. Minute, ein Torerfolg der Schaffhausener schlicht vergessen: Der Treffer wird zwar von den Schiedsrichtern anerkannt, aber am Spielleitertisch weder protokolliert noch an der Anzeigetafel signalisiert. Das Spiel endet schliesslich 24:24.

HC Kriens-Luzern - Schaffhausen - die ominöse 36. Minute

HC Kriens-Luzern - Schaffhausen - die ominöse 36. Minute

Das von den Schaffhausern reklamierte, fehlende Tor kann hinterher mit dem Videobeweis problemlos nachgewiesen werden. Im Nachgang protestieren aber nicht nur die Kadetten, sondern auch St. Otmar St. Gallen und Pfadi Winterthur, die Wettbewerbsfälschung beanstanden. Die Partie wird dann anfangs März mit einem 25:24-Sieg für die Schaffhauser gewertet. Dem Rekurs der Krienser mit dem Antrag auf ein Wiederholungsspiel wird nicht stattgegeben.

Wenn der Eismeister das Tor verbarrikadiert

Was ist ein Eismeister? Das ist der, der vor dem Eishockeyspiel und während den Drittelspausen mit seinem (Zamboni-) Eisreinigungsgefährt hin-und herbraust und ... eben das Eis für die Hockeyaner reinigt sowie bespielbar macht. Ein solcher Eisreiniger ist in Toronto der 42-jährige David Ayres. In der hochdotierten amerikanischen NHL-Eishockeyliga feierte Ayres dann aber aus heiterem Himmel sein Debut als Profitorhüter. Und zwar in einem Liga-Heimspiel seiner Toronto Maple Leafs. In der NHL-Partie zwischen Toronto und den Carolina Hurricanes fallen beim Gästeteam nämlich zuerst Star-Keeper James Reimer und dann auch noch Ersatzgoalie Petr Mrazek wegen Verletzungen aus. Toronto offeriert dem Gästeteam daraufhin Ayres, der zu dieser Zeit noch mit seiner Ehefrau auf der Tribüne sitzt. Ayres schlüpft so rasch wie möglich in die umständliche Goaliemontur ... und lässt danach gleich einmal die ersten beiden Toronto-Pucks ins Carolina-Tor kullern. Danach allerdings glänzt Eismeister Ayres im Tor mit acht tollen Paraden und sichert den Hurricanes einen 6:3-Auswärtssieg. Und dann die Schlusssirene im Air Canada Centre: Ayres wird von allen Stadionbesuchern und von den Spielern beider Teams gefeiert und umjubelt.

Materialwart attackiert – Ex-Natigoalie sieht rot

Es ist das Cupspiel zwischen den beiden Promotion-League-Vereinen Bellinzona und Cham im August. Goalietrainer bei den Zugern: Der ehemalige Nationaltorhüter Stephan Lehmann (56). Als der Ball beim Stand von 0:0 ins Out fliegt, sieht Lehmann plötzlich rot, verliert die Beherrschung und stösst den Materialwart der Tessiner weg. Dieser schlägt mit dem Kopf so unglücklich an einem Metallteil der Tribüne auf, dass Blut fliesst. Der Mann aus dem Bellinzona-Staff muss die Wunde am Ohr später im Spital nähen lassen. Lehmann entschuldigt sich hinterher für seine Unbeherrschtheit via Videobotschaft («ich schäme mich wahnsinnig»), doch da hat ihm der SC Cham für seinen tätlichen Angriff bereits die rote Karte gezeigt beziehungsweise aus dem Trainerstaff des Clubs geschmissen.

Tätlichkeit von Stephan Lehmann

Tätlichkeit von Stephan Lehmann

Auch Tennis-Weltnummer 1 Djokovic wird «tätlich»

Ebenfalls einen schmerzhaften Treffer landet Tennis-Superstar Novak Djokovic im September an den US Open. Der Skandal ereignet sich im Achtelfinal gegen den Spanier Pablo Carreno Busta. Nach einem Ballwechsel beim Stand von 5:6 schlägt der Serbe genervt einen Ball nach hinten und trifft dabei eine Linienrichterin am Hals. Absicht kann man Djokovic bei dieser «Tätlichkeit» gewiss nicht unterstellen, aber das Reglement kennt bei einem solchen Vorfall nur ein Verdikt: Tennistasche packen. Oder in der Fachsprache: Disqualifikation. Djokovics sofortige Entschuldigung bei der nach Luft ringenden Linienrichterin nützt nichts. Nebst der Disqualifikation verliert Djokovic sämtliche an diesem Turnier erreichten Weltranglistenpunkte sowie das Preisgeld, das als Bussgeld verbucht wird. Eine weitere Busse gibt’s, weil der «Djoker» der anschliessenden Medienkonferenz fernbleibt.

Und die Botschaft fürs neue Jahr: Seid friedlich miteinander

Sagenhaft, vor allem sagenhaft schlimm und bedenklich: Fünf rote Karten und zwölf gelbe Karten zeigte der Schiedsrichter im September beim Fussballspiel der französischen Ligue 1 zwischen Paris Saint-Germain und Olympique Marseille insgesamt. Nach einer Spuckattacke und einer Massenschlägerei auf dem Rasen erhebt PSG-Superstar Neymar Rassismusvorwürfe gegen Marseilles Spanier Alvaro Gonzalez.

«Deshalb habe ich ihn auf den Hinterkopf geschlagen», twitterte der Brasilianer. «Das einzige, was ich bedauere, ist, dass ich diesem Idioten nicht ins Gesicht geschlagen habe. Für die Kameras ist es einfach, meine Aggressionen zu zeigen. Aber jetzt möchte ich das Bild dieses Rassisten zeigen, der mich als ‘Affensohn einer Hure’ bezeichnet hat», schreibt Neymar später in den sozialen Medien.

Deshalb der fromme Wunsch fürs neue Jahr, auch wenn es im Sport halt nicht immer möglich ist: Seid friedlich miteinander!

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1