Schützin Nina Christen: «Silber ist für mich Gold wert»

Die Schweiz gewinnt am dritten Wettkampftag der Europaspiele in Minsk die erste Medaille. Die Wolfenschiesserin Nina Christen zeigt eine nervenstarke Leistung.

Christian Ballat, Minsk
Merken
Drucken
Teilen
Die Nidwaldnerin Nina Christen während des Luftgewehr-Wettkampfs über zehn Meter in Minsk. (Bild: Sergei Bobylev/Keystone, 24. Juni 2019)

Die Nidwaldnerin Nina Christen während des Luftgewehr-Wettkampfs über zehn Meter in Minsk. (Bild: Sergei Bobylev/Keystone, 24. Juni 2019)

Bilderbuchtag in der prächtigen Schiessanlage am Stadtrand von Minsk: Gutgelaunte Sportlerinnen, Trainer, Betreuer und Organisatoren nehmen den Tag in Angriff. Mittendrin steht Nina Christen (25), sie ist ruhig und fokussiert. Schon früh muss sie in den Schiessstand treten, macht ihr Luftgewehr bereit und rüstet sich. Dann endlich geht’s los. Schon in den ersten Runden trifft sie besser als fast alle anderen. Das sollte sich bis zum Schluss der sechs Runden der Qualifikation nicht ändern.

Für die Nidwaldnerin ist jetzt Warten angesagt. Weitere Gruppen absolvieren ihr Programm, darunter auch die Rothenburgerin Petra Lustenberger. Ihr läuft es nicht wie erwartet, sie wird 29. Nina Christen ist am Ende der Qualifikation Zweite und tritt am Nachmittag zum Final an.

Knappe Entscheidung um die Goldmedaille

Im Final beweist Christen ihre Nervenstärke und Treffgenauigkeit. Schnell wird klar, das wird einen Zweikampf um Gold und Silber zwischen der Rumänin Laura Coman und der Wolfenschiesserin geben. Und wie an der EM im März 2019 hat zum Schluss Coman die Nase mit 251,3:250,0 Zählern knapp vorn. Die Bronzemedaille geht an die Tschechin Nikola Mazurova mit 228,7 Punkten.

Nina Christen freut sich riesig über den tollen Erfolg: «Coman hat mich souverän distanziert, sie hat Gold verdient. Für mich ist die Silbermedaille Gold wert.» Sie bringe ihr zusätzliche Motivation: «Es ist schön, einmal Erfolg zu haben und nicht einfach nur für einen möglichen Erfolg arbeiten zu müssen. Silber bestätigt mir auch, dass ich in dieser Saison vieles richtig gemacht habe.»

Nach dem Wettkampf erklärt die Silbermedaillengewinnerin, dass sie sich zwar sehr gut, aber auch müde fühle. In der Schiessanlage hat sich die Hitze der letzten Tage angestaut. «Es ist schon enorm warm da drin», sagt sie eine Stunde nach der Medaillenübergabe. Dabei hat sie am Morgen noch nicht gedacht, dass es reichen könnte – nicht in dieser Disziplin. Das Wettkampffieber sorgt zusätzlich für warme Temperaturen.

Zwei weitere Wettkämpfe in Minsk

Bereits am Dienstag steht die Silbermedaillengewinnerin wieder im Einsatz (liegend im Mixed Team; eine neue Kategorie). Zeit zum Feiern gibt es deshalb fast keine. «Mit dem Team am Abend kurz gemütlich zusammensitzen, liegt drin», sagt Christen. «Mehr muss ich rausschieben, bis ich dann nach der Rückkehr in der Schweiz ein-, zweimal anstossen kann.» Zuvor steht sie am Donnerstag in ihrer Lieblingsdisziplin, dem Dreistellungskampf, im Einsatz.

Minsk. 2. Europaspiele. Schiessen. Frauen. Luftgewehr 10 m: 1. Coman (ROU) 251,3. 2. Nina Christen (SUI) 250,0. 3. Mazurova (CZE) 228,7. Ferner (nicht im Final der Top 8): 29. Petra Lustenberger (SUI).

Mixed-Team-Wettkampf. Sportpistole 50 m: 1. Lomowa/Tschernousow (RUS). 2. Rasmane/Strautmanis (LAT). 3. Salukwadse/Matschawariani (GEO). Ferner: 7. Heidi Diethelm Gerber/Steve Demierre (SUI).

Bogenschiessen. Recurve (olympisch). Männer. 2. Runde: Florian Faber (SUI) s. Hall (GBR) 6:4. – Faber im Viertelfinal von Dienstag.

Boxen (EM der Amateure). Bis 56 kg. 1. Runde: Tiago Pugno (SUI) u. Zeneli (ALB) 0:5.

Badminton. Einzel. Männer. Gruppe D. 1. Runde: Christian Kirchmayr (SUI) s. Gunnarsson (ISL) 13:21, 21:17, 21:18.

Frauen. Einzel. Gruppe H: Sabrina Jaquet (SUI) u. Birch (GBR/8) 21:11, 20:22, 15:21.

Mixed-Doppel. Gruppe A. 1. Runde: Oliver Schaller/Céline Burkart (SUI) u. Adcock/Adcock (GBR/1) 13:21, 13:21.

Trampolin. Frauen: 1. Labrousse (FRA) 54,800. 2. Golowina (GEO) 53,990. 3. Hantscharowa (BLR) 53,970. – Out in der Qualifikation: 21 Fanny Chilo (SUI) 51,965.

Judo-EM. Männer. Bis 90 kg: 1. Özerler (TUR). 2. Kochman (ISR). 3. Mehdijew (AZE) und Chalmursajew (RUS). Ferner: 7. (u. a.) Ciril Grossklaus (SUI).