Europäische Super League
Manchester City und Chelsea kriegen kalte Füsse – ist dies bereits das Ende der Super League?

Nach grossen Demonstrationen gegen die geplante europäische Super League haben sich offenbar bereits Teilnehmer zurückgezogen.

Raphael Gutzwiller
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Demonstrationen vor dem Chelsea-Stadion in London.

Demonstrationen vor dem Chelsea-Stadion in London.

Neil Hall / EPA

Sie hat in der Fussballwelt ein Erdbeben verursacht: Die Ankündigung von zwölf Topklubs aus England, Spanien und Italien, eine Eliteliga zu gründen. Die «Super League» soll die Champions League konkurrieren. Die Reaktionen sind so heftig, dass am Dienstagabend erste Klubs vor dem Rückzug standen. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Welche Klubs stehen bereits vor dem Absprung?

Offenbar ist die Super League bereits vor dem Ende. Übereinstimmenden Berichten in britischen Medien zufolge hat sich Manchester City schon zurückgezogen und Chelsea soll seinen Rückzug von den Plänen vorbereiten. Hunderte Fans, die sich vor dem Chelsea-Stadion Stamford Bridge versammelt hatten, feierten bereits, wie auf Videos in Sozialen Medien zu sehen war. Auch die Teilnahme der spanischen Klubs Atlético Madrid und dem FC Barcelona scheint zu wackeln. Und bei Manchester United ist vor dem drohenden Scheitern der Super League Ed Woodward als Geschäftsführer zurückgetreten, wie «The Athletic» berichtet.

Hat der grosse öffentliche Aufschrei die Super League schon verhindert? Es scheint möglich.

Hat der grosse öffentliche Aufschrei die Super League schon verhindert? Es scheint möglich.

Neil Hall / EPA

Was hat zum möglichen Ausstieg einiger Klubs geführt?

Mit diesen heftigen Rückmeldungen hätten wohl auch selbst die Klubbosse nicht gerechnet. Auch einen Tag nach der Bekanntmachung der Pläne waren gestern weitere klare Wortmeldungen zu vermelden. Positive Worte sind ausser von Klubbossen keine zu hören. Und vor Stadien kam es zu Protesten. So verbrannten in Liverpool Fans Trikots ihres Klubs. Auch die Trainer-Stars Pep Guardiola und Jürgen Klopp haben sich gegen eine Super League ausgesprochen. Derweil hat Liverpool-Captain Jordan Henderson ein Treffen aller Premier-League-Captains einberufen, um ein Wegbrechen der Super-League-Teams zu diskutieren.

Die Chelsea feiern bereits das mögliche Ende der Pläne.

Die Chelsea feiern bereits das mögliche Ende der Pläne.

Matt Dunham / AP

Die Uefa hat angekündigt die Vereine zu sanktionieren. Wie geht es dabei weiter?

Am Freitag entscheidet das Uefa-Exekutivkomitee an einer ausserordentlichen Sitzung darüber, ob und wie die Klubs sanktioniert werden sollen. Jesper Meler, der in jenem Uefa-Gremium sitzt und Vorsitzender des dänischen Fussballverbandes ist, sagt dem dänischen Sender DR: «Ich erwarte, dass die Klubs rausgeworfen werden.»

Uefa-Präsident Aleksander Ceferin.

Uefa-Präsident Aleksander Ceferin.

Fabio Frustaci / EPA

Was geschieht mit den laufenden Uefa-Wettbewerben?

Das hängt davon ab, ob die Super League nun von alleine stirbt. Bleibt sie geplant – schliesslich sind Verträge unterzeichnet – wären mit Manchester City, Chelsea und Real Madrid drei Halbfinalisten der Champions League betroffen, dazu kommen Arsenal und Manchester United in der Europa League. Was bei einem Ausschluss der Klubs aus der Uefa passieren würde, ist schwierig abzuschätzen. Dass PSG am Freitag zum Sieger ernannt wird, ist aber unwahrscheinlich. Dies hätte ein juristisches Nachspiel zur Folge, zudem scheint es logischer, das Feld mit ausgeschiedenen Vereinen, also mit Bayern, Porto und Dortmund aufzufüllen. Ähnlich verhält es sich in der Europa League.

Ist ein Ausschluss von Klubs überhaupt juristisch möglich?

Martin Kaiser, Anwalt und Experte für Sport- und Arbeitsrecht

Martin Kaiser, Anwalt und Experte für Sport- und Arbeitsrecht

zvg

Darüber streiten sich die Juristen. Eigentlich kann die Uefa keine Klubs aus ihrem Verband werfen, denn diese sind keine direkten Mitglieder des europäischen Verbandes. Sie sind lediglich ihrem jeweiligen Landesverband angeschlossen, die wiederum der Uefa angehören. Wenn die Uefa Real Madrid aus dem Verband werfen möchte, müsste sie eigentlich den spanischen Verband ausschliessen. Aber auch das ist nicht so klar, sagt Martin Kaiser, Anwalt und Sportrechtler. «Die Uefa könnte direkt auf die Klubs durchgreifen und nur diese ausschliessen, da in diesem Fall eine entsprechende Verhältnismässigkeit gegeben sein könnte. Doch die Klubs können sich gegen einen sofortigen Ausschluss auf jeden Fall juristisch wehren – dann müssten die Gerichte darüber entscheiden.» So oder so ist juristisch noch vieles unklar. Dass mit Spanien, Italien und England drei der wichtigsten Verbände ausgeschlossen werden, scheint aber unrealistisch.

Darf ein anderer Wettbewerb gegründet werden?

Eine klare Meinung ist auch hier schwierig zu finden: So stützen sich einige Juristen auf das Kartellrecht, wonach neben der Uefa ein anderer Wettbewerb existieren darf, andere verweisen auf das «Ein-Platz-Prinzip». Darunter versteht man das Prinzip, dass es von der obersten bis zur untersten Einheit nur einen Verband geben kann. «Diese Struktur wurde von den Gerichten bereits mehrfach abgesegnet, weil es sonst keinen einheitlichen internationalen Wettbewerb mehr geben kann», sagt Kaiser. Die Gerichte werden sich wohl wieder damit befassen.

Werden Spieler aus den Nationalteams ausgeschlossen?

Die Uefa will die Spieler der betreffenden Klubs für alle Fifa- und Uefa-Wettbewerbe sperren. Das würde bedeuten: Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri könnten nicht an die Europameisterschaft fahren. Die betroffenen Spieler könnten dagegen ebenso rechtlich vorgehen. Es könnte zu einem ähnlich wichtigen Urteil für den Fussball kommen, wie das Bosman-Urteil, welches 1995 das Transfersystem auf den Kopf stellte.

Welche Konsequenzen hat die neue Liga für die Schweiz?

Claudius Schäfer, CEO der Swiss Football League.

Claudius Schäfer, CEO der Swiss Football League.

Keystone

An der Spitze des Schweizer Fussballs hofft man, dass die europäische Super League scheitert. «Durch sie gäbe es eine Ungewissheit bezüglich der europäischen Wettbewerbe, die für unsere Klubs wichtig sind», sagt Claudius Schäfer, CEO der Swiss Football League. Zwar könnte die Schweiz ohne diese zwölf Teams sich eher Chancen ausrechnen, europäisch eine gute Rolle zu spielen, jedoch könnten die Uefa-Wettbewerbe an Bedeutung und finanziellen Mitteln verlieren.