Langlauf
Endlich ist der alte Cologna wieder zurück

Dario Cologna startet erstmals seit drei Jahren wieder ohne gestörte Saisonvorbereitung in einen Winter. Damit ist er ein heisser Kandidat für den Sieg im Gesamtweltcup.

Simon Steiner
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Dario Cologna gilt als heisser Kandidat für den Gesamtwelcupsieg.

Dario Cologna gilt als heisser Kandidat für den Gesamtwelcupsieg.

Sandra Ardizzone

Dario Cologna ist nicht bekannt dafür, grosse Töne zu spucken. Der dreifache Langlauf-Olympiasieger weiss sein Leistungsvermögen in der Regel nüchtern einzuschätzen – egal, ob der Formstand nun auf dem gewünschten Niveau ist oder nicht. Die Konkurrenz darf es daher durchaus als Warnung verstehen, wenn Cologna vor dem morgigen Weltcupstart im finnischen Kuusamo sagt: «Wenn es in der Vorbereitung so lief wie in diesem Sommer, dann kam es jeweils auch im Winter gut.»

Erstmals seit drei Jahren kann Cologna vor dem Saisonstart auf eine ungetrübte Vorbereitung zurückblicken, von Marginalien wie einer Bänderverletzung im Daumengelenk einmal abgesehen. Im November 2013 hatte es den Bündner viel schlimmer erwischt, als er kurz vor dem Saisonstart beim Jogging auf eisigem Untergrund ausrutschte und sich einen mehrfachen Bänderriss im rechten Fuss zuzog. Nach einer ersten Operation verpasste Cologna damals einen grossen Teil der Saison, ehe er an den Olympischen Spielen in Sotschi mit zwei Goldmedaillen den grossen Coup landete. Mit einem beispiellosen Rehabilitations- und Aufbauprogramm war es dem Bündner gelungen, seine exzellente Herbstform über die Verletzungsphase zu retten.

Viel Gewicht für die Touren

Die Rechnung für den Olympia-Effort bekam Cologna im Sommer danach präsentiert, als er nach einer zweiten Operation lange auf intensives Lauftraining verzichten musste. Damit handelte er sich insbesondere im Sprintbereich ein Trainingsdefizit ein, das ihn den ganzen Winter verfolgen sollte – auch wenn dies im Rückblick angesichts einer Saisonbilanz mit WM-Silber und einem zweiten Rang im Gesamtweltcup als geringer Makel erscheint.

Umso grösser sind die Erwartungen in diesem Winter. Weil diese Saison weder Weltmeisterschaften noch Olympische Spiele anstehen, richtet Cologna seinen Fokus ganz auf den Gesamtweltcup, den er bereits dreimal gewonnen hat. Der Weg dazu führt primär über die Mehr-Etappen-Events, die für die Weltcup-Wertung punktemässig ein grosses Gewicht haben. Neben der Mini-Tour zum Auftakt in Kuusamo und der inzwischen bereits traditionellen Tour de Ski gilt dies heuer auch für die «Ski Tour Canada», mit der die Weltcupsaison im März abgeschlossen wird.

Neuer Anlauf mit Höhentraining

Als Zwischensaison will Cologna den Winter ohne Titelkämpfe denn auch nicht betrachten. «Wenn es keinen Grossanlass gibt, zählt jedes einzelne Rennen etwas mehr», sagt er. Im Hinblick auf die nächsten Olympischen Spiele beteiligte sich der 29-Jährige aber im Sommer am Höhentrainings-Projekt, das Langlaufchef Hippolyt Kempf bewusst in einem Zwischenjahr angestossen hat. Im Vergleich zu früheren Jahren, als die Schweizer Athleten bereits mit Höhentraining experimentiert hatten, ging man das Thema diesmal wissenschaftlicher an.

«Es geht darum, dass jeder Athlet für sich persönlich herausfinden kann, ob und in welcher Form er vom Höheneffekt profitieren kann», sagt Kempf. «Mein Körper hat grundsätzlich positiv darauf reagiert», stellt Cologna fest, der zeitweise in einem sogenannten Höhenzimmer mit reduziertem Sauerstoff-Gehalt übernachtete. Noch offen ist, ob er nach der Tour de Ski einen weiteren Höhenblock einschieben wird. «Der Wettkampfkalender ist dicht», sagt er. «Es bleibt wenig Zeit für Experimente.»

Gleich fünf Weltcuprennen finden diesen Winter im Bündnerland statt: Nach dem Davoser Wochenende von Mitte Dezember beginnt die Tour de Ski ab dem Neujahrstag mit drei Etappen auf der Lenzerheide.