Empfang
Heimkehr der Olympiaheldinnen Gut-Behrami und Suter: «So einen Tag wird es so schnell nicht wieder geben»

Zwei strahlende Olympiasiegerinnen kehrten in die Schweiz zurück. Doch es gab nur eine Medaille zu sehen.

Jule Seifert
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Die beiden erfolgreichen Athletinnen Lara Gut-Behrami und Corinne Suter bei ihrer Ankunft in Zürich.

Die beiden erfolgreichen Athletinnen Lara Gut-Behrami und Corinne Suter bei ihrer Ankunft in Zürich.

Claudio Thoma / freshfocus (Zürich, 16. Februar 2022)

Mit über einer Stunde Verspätung landeten die zwei Olympiasiegerinnen Lara Gut-Behrami und Corinne Suter in Zürich. Wie auch bei Beat Feuz und Marco Odermatt wurde auf einen öffentlichen Empfang verzichtet. Das Medieninteresse war aufgrund der Erfolge natürlich dennoch gross. Die Kameras waren längst eingestellt, die Fragen parat, doch da ein Gepäckstück fehlte, verzögerte sich die Ankunft der Athletinnen erneut.

Lara Gut-Behrami trat als Erste in den Empfangsbereich. Anstatt der Bronze- und Goldmedaille zierte lediglich ihre Kette mit dem silbernen Schneekristall ihren Hals. Das Problem: Zu viele Batterien, die nicht mit in den Frachtraum durften. Sie fanden ihren Weg zurück in die Schweiz im Handgepäck, während die Medaillenbox ihren Platz im aufgegebenen Koffer fand. Einige Minuten später folgte Corinne Suter. Die Familie hat ihr schon Blumen überreicht und die Goldmedaille glänzte um ihren Hals. Beide Athletinnen sahen müde und erschöpft aus. Der Flug war lang und die Wettkämpfe anstrengend.

Gut-Behrami und Suter im Interview nach dem Empfang in Zürich.

Katja Jeggli/CH Media Video Unit

Die Zusammenfassung der olympischen Woche von Gut Behrami: «Es hat sich gelohnt», sagt sie. «Es ist schön gewesen und vor allem erfolgreich.» Für sie persönlich sei ein grosser Druck weggefallen, endlich könne sie auch realisieren, was sie während ihrer gesamten Karriere leisten konnte. «Früher dachte ich, das nächste Rennen macht den Unterschied, ob sich meine Karriere gelohnt hat oder nicht.» Der Druck einer Goldmedaille sei immer da gewesen, nun könne sie wieder mehr grinsen und befreit fahren.

Lara Gut-Behrami strahlt auch ohne ihre zwei Medaillen.

Lara Gut-Behrami strahlt auch ohne ihre zwei Medaillen.

Bild: Michael Buholzer / Keystone (16. Februar 2022)

Denn eines macht Gut-Behrami klar: Das Ende ihrer Karriere sei das noch nicht gewesen. «Ich werde wieder am Start stehen und mein Bestes geben. Ich habe nichts dagegen noch mehr Rennen zu gewinnen. Aber ich weiss, ob da jetzt 34 oder 35 Siege auf dem Konto stehen, macht keinen Unterschied.» Das Wichtigste für sie: gesund zu bleiben und zu geniessen, was sie macht.

«Ich bin reifer geworden»

Eine Wettkampfpause vor Olympia hätte sie am Anfang ihrer Karriere noch nicht gewagt. «Ich bin reifer geworden. Ich will immer Rennen fahren, aber in Cortina wusste ich: Entweder ich geh heim oder ich lande im Zaun.» Trotz der besonderen Spiele ohne Publikum, die Emotionen gab es in Peking trotzdem: «Es waren normale Wettkämpfe. Es gab Freudentränen und traurige Gesichter.» Im Ziel dachte sie noch, dass es nicht reichen werde. Auf dem Podest realisierte sie dann, was sie erreicht hatte. Und die Tränen flossen. Für sie geht es nun weiter nach Italien. Sie freue sich auf eine Woche Pause zu Hause und Erholung, trotz des geplanten Umzugs. Für manche mag das Stress bedeuten, Gut-Behrami sieht es gelassen: «Dafür hab ich dann ein schönes Zuhause.»

Auch Corinne Suter freut sich auf die Zeit mit der Familie, ihrem Freund und auch auf ihr Pferd. Trotz Weltmeistertitel und Olympiasieg war es ein herausforderndes Jahr für Suter. «Der Start war sicher nicht optimal. In unserem Sport gibt es Höhen und Tiefen», sagte sie.

Die Goldmedaille von Corinne Suter hat es ins Handgepäck geschafft.

Die Goldmedaille von Corinne Suter hat es ins Handgepäck geschafft.

Bild: Claudio Thoma / freshfocus (Zürich, 16. Februar 2022)

Der Super-G lief zunächst enttäuschend für sie, sie konnte nicht das umsetzen, was sie sich vorgestellt hatte. Umso mehr ist sie stolz, dass sie ihren Kindheitstraum vom Olympiagold verwirklichen konnte. Und dazu hat jeder im Team hat seinen Teil beigetragen, sie hatte die volle Unterstützung von Familie, Freunden, Trainer und Servicemann.

Nach dem Sieg hatte sie noch keinen Moment für sich alleine, nun freut sie sich auf die Zeit, wo es etwas ruhiger wird, sie es wirklich geniessen kann. Es war keine einfache Reise, und die letzten Stunden in Peking waren turbulent. Schon im Ziel begann der Interview-Marathon, die Dopingkontrolle langwierig und dann folgte auch schon die Abreise nach Zürich. Auch ihren Lauf hat sie noch nicht sehen können. 92 Fahrsekunden, die ihr Gold brachten. Ein Ziel, auf das sie ihr ganzes Leben hingearbeitet habe. Obwohl die Woche anstrengend war, der Olympiasieg werde ihr Energie mitgeben: «Ich versuche den Flow mitzunehmen, neue Ziele gibt es immer.» Doch nun wolle sie zuerst einmal nach Hause, ihre Liebsten in den Arm nehmen und ihren Triumph feiern:

«So einen Tag wird es so schnell nicht wieder geben.»

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