EM-Qualifikation
Ein Albtraum! Die Schweizer Handballer scheitern in der EM-Qualifikation. Ist nun der Aufschwung schon vorbei?

Ein Remis hätte gereicht, und die Schweiz würde nächstes Jahr an der EM in Ungarn und der Slowakei teilnehmen. Aber wie schon am Mittwoch gegen Dänemark verliert das Team um Andy Schmid in Nordmazedonien mit einem Tor Differenz.

François Schmid-Bechtel
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So sieht Enttäuschung aus: Andy Schmid nach der 28:29-Niederlage in Nordmazedonien.

So sieht Enttäuschung aus: Andy Schmid nach der 28:29-Niederlage in Nordmazedonien.

Georgi Licovski / EPA

Scheitern sei keine Option. Mantraartig wiederholte Nationaltrainer Michael Suter diesen Satz in den letzten Tagen. Doch nun ist eingetroffen, was keine Option war. Suter daraus nun einen Strick zu drehen, wäre unfair.

Er kann ja schlecht Zweifel schüren vor dem Showdown. Ausserdem hat extrem wenig gefehlt für die EM-Qualifikation. Ein Punkt. Oder: Ein Tor. Entweder gegen Dänemark (29:30), oder gestern in Nordmazedonien (28:29). Das ist wenig.

Trotzdem kann das scheitern in der EM-Qualifikation nicht mit Pech erklärt werden. Eher ist es so, dass die Schweizer Handballer die Chance, sich nachhaltig auf der grossen Bühne zu etablieren, erst mal weggeworfen haben.

Das beginnt schon früh. Im zweiten Spiel. Der Gegner ist Nordmazedonien. Und natürlich ist es für die Schweiz eine Hypothek, wenn Kreisläufer Alen Milosevic und Torhüter Nikola Portner coronabedingt geschwächt ist. Trotzdem ist Nordmazedonien in Schaffhausen nicht so stark wie gestern. Und die Schweizer führen auch eine Viertelstunde vor Schluss mit drei Treffern. Doch dann der Einbruch. Und folglich die Niederlage, die nie hätte passieren dürfen, weil die Schweizer in ihr altes Muster zurückgefallen sind. Dieses besagt: Wenn es eng wird, kann es nur einer richten – Andy Schmid.

Konsternierte Gesichter bei Nik Tominec, Alen Milosevic und Samuel Röthlisberger (v.l.).

Konsternierte Gesichter bei Nik Tominec, Alen Milosevic und Samuel Röthlisberger (v.l.).

Georgi Licovski / EPA

Die Schweizer Handballer haben nicht gestern die EM-Qualifikation verspielt, sondern im November in Schaffhausen. Nach Papierform war klar: Gegen die Dänen ist nichts zu holen und aus Nordmazedonien kehren auch Handball-Schwergewichte regelmässig mit Niederlagen zurück. Also braucht es etwas Zählbares im Heimspiel gegen Nordmazedonien, um sich für die EM zu qualifizieren. Ausser, es geschehen Wunder.

Ein solches wäre ein Sieg gegen Dänemark gewesen. Und lange sah es nach diesem Wunder aus. Aber wieder einmal lastete in der Schlussphase zu viel Verantwortung auf Schmid. Wieder einmal versteckten sich die Mitspieler hinter dem Ausnahmekönner.

Das ist in Skopje anders. Lenny Rubin (9 Tore) macht beispielsweise sein bestes Länderspiel. Ausserdem bräuchte es auch kein Wunder, um in Nordmazedonien zu gewinnen. Es reichte eine aggressivere Abwehrleistung in der ersten Halbzeit, ein besserer Torhüter über die gesamte Spielzeit (Portner war nur die ersten 15 Minuten mit sechs Paraden überragend) und einen effizienteren Schmid (8 Tore aus 18 Abschlüssen).

Lenny Rubin (9 Tore) lieferte in Nordmazedonien wohl sein bestes Länderspiel ab.

Lenny Rubin (9 Tore) lieferte in Nordmazedonien wohl sein bestes Länderspiel ab.

Boris Grdanoski / AP

Als die Problemzonen noch böse Gerüchte sind, führt die Schweiz mit drei Toren Vorsprung. Trainer Michael Suter resümiert: «Wir haben insgesamt eine solide Qualifikation gespielt. Leider lag es an kleinen Details. Trotzdem finde ich, dass wir für unsere guten Leistungen nicht belohnt wurden. Mit unseren Auftritten gehörten wir an diese EM.»

Das klingt etwas trotzig. Aber wer will es ihm verdenken. Schliesslich bedeutet dieses Aus ein Rückschlag im beeindruckenden Steigerungslauf, den die Handballer unter Suter hinlegen. 2020 die erstmalige Teilnahme an einer EM seit 14 Jahren. Und danach diese verrückte, diese begeisternde, diese atemberaubende Weltmeisterschaft im Januar – notabene nach 26-jähriger WM-Absenz.

Mit diesen Endrunden-Teilnahmen haben die Handballer extrem viel Goodwill gewonnen, Aufmerksamkeit generiert. Aber dieser Kredit ist schnell aufgebraucht. Umso wichtiger ist es, dass etliche Spieler Entwicklungspotenzial haben, Andy Schmid noch nicht an den Nati-Rücktritt denkt und mit Suter ein Trainer im Amt ist, der keinen Stillstand duldet.