EM-Kolumne
Zwei Herzen in meiner Brust...

… könnte irgendwer vor dem heutigen Spiel Schweiz – Italien meinen, weil ich halb Schweizer, halb Italiener bin. Halt!

Turi Bucher
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Turi Bucher

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Bild: Nadia Schärli

Abgesehen davon, dass das Zitat von Goethe eigentlich «Zwei Seelen, ach, wohnen in meiner Brust…» heisst: sicher nicht, wenn die «Squadra» spielt! Mein Verstand denkt zwar, ach, schweizerisch, mein Herz aber schlägt italienisch. Und mein Verstand wird sich heute Abend mit dem ersten Ton von «Fratelli d’Italia» automatisch ausschalten.

Vielleicht hängt es damit zusammen, dass ich mich unbewusst verpflichtet fühle, gegenüber Italien einiges gutzumachen. Dass ich viel zu wenig gut Italienisch spreche, bedauere ich heute sehr. Es beschämt mich heute, dass ich mich damals als Bub schämte, wenn die Mutter in der Metzgerei in italienischer Sprache das Fleisch bestellte. «Red Düütsch», flüsterte ich ihr zu, wenn sie mit dem gelben Büchlein an den Postschalter trat. Scusa, Mamma.

Daheim hat sie mit uns sowieso italienisch gesprochen, wir haben Schweizerdeutsch geantwortet. Mit einem Augenzwinkern gab sie uns jeweils zu verstehen, dass es für sie als italienische Mamma nicht ihre erste Priorität ist, unsere Sprache zu beherrschen. Wenn der Hauswart wegen uns Kindern reklamierte, hat sie ihn nicht verstanden; wenn etwas auf dem Migros-Kassenzettel nicht stimmte, konnte sie sich sehr wohl ausdrücken. Hai fatto bene, Mamma.

Heute also wieder einmal die Herzensangelegenheit. Mit einem Augenzwinkern: Scusa, Svizzera. Ehrensache, dass das Spiel bei mir auf RAI läuft, auch wenn ich ¾ des Kommentars nicht verstehen werde. Übrigens: Auch meine drei Kinder sind zweisprachig aufgewachsen. Französisch und Deutsch. Ihr Herz schlägt an dieser Fussball-EM: für Italien natürlich.