EM-Debakel
«Es tut uns leid für die Fans»: Das sagen die enttäuschten Schweizer nach der Lehrstunde gegen Italien

«Alle haben Fehler gemacht, auch ich», sagt Nati-Trainer Petkovic nach dem 0:3 gegen Italien. Spielmacher Shaqiri und Captain Xhaka fordern gegen die Türkei eine deutliche Reaktion.

Christian Brägger und Etienne Wuillemin
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Eine der wenigen Schweizer Offensivaktionen durch Xherdan Shaqiri. Er sagt nach dem Spiel: «Wir müssen diesen Abend zuerst verdauen.»

Eine der wenigen Schweizer Offensivaktionen durch Xherdan Shaqiri. Er sagt nach dem Spiel: «Wir müssen diesen Abend zuerst verdauen.»

Ettore Ferrari / AP

Verloren ist noch nichts, aber viel Kredit geniesst die Schweizer Nationalmannschaft nach dem blamablen Auftritt gegen Italien nicht mehr. Immerhin zeigten sich die Spieler nach dem 0:3 selbstkritisch, bis zu einem gewissen Teil zumindest. Xherdan Shaqiri sagte:

«Man hat gesehen, dass wir nicht auf dem Niveau der Italiener waren. Nun müssen wir das verarbeiten.»

Captain Xhaka fand deutliche Worte: «Wir gaben den Italienern viel zu viele Räume. Darum mussten wir ihnen stets hinterherlaufen. Dazu hatten wir zu viele einfache Ballverluste. Und dann findet man auch nie Ruhe im Spiel.» Und weiter: «Wir hätten auch einmal mehr Risiko eingehen müssen. Die Enttäuschung ist gross. Und es tut uns Leid für die Fans, die hierher gereist sind oder vor den TV's zugeschaut haben. Sie haben nicht die Mannschaft gesehen, die sie erwartet haben - aber wir selbst auch nicht.»

«Nicht die Mannschaft gesehen, die man erwartet hat», sagt Captain Xhaka.

«Nicht die Mannschaft gesehen, die man erwartet hat», sagt Captain Xhaka.

Ettore Ferrari / Pool / EPA

Shaqiri und Xhaka war die Enttäuschung deutlich anzusehen. Genauso wie Nationaltrainer Vladimir Petkovic. Er sagt:

«Alle haben Fehler gemacht, auch ich.»

Keiner habe sein Level erreicht. «Jetzt dürfen wir heute noch enttäuscht sein, aber danach geht der Fokus vorwärts. Wir müssen bereit sein. Und das Entscheidungsspiel gegen die Türkei gewinnen, dann ist die Chance für die Achtelfinals gross. Wir müssen uns erholen und dann sehen, wer mental bereit ist, diesen Kampf gegen die Türkei anzunehmen.»

Gratulation von Vladimir Petkovic an seinen Trainerkollegen Roberto Mancini. Italien bleibt zum 29. Mal in Serie ohne Niederlage, zum 10. Mal in Serie ohne Gegentor.

Gratulation von Vladimir Petkovic an seinen Trainerkollegen Roberto Mancini. Italien bleibt zum 29. Mal in Serie ohne Niederlage, zum 10. Mal in Serie ohne Gegentor.

Ettore Ferrari / Pool / EPA

Zudem sieht Petkovic wieder einmal die Medien als Feind, nachdem der Friseurbesuch im Camp im Blätterwald für Aufsehen gesorgt hatte. Petkovic sagte: «Diese Themen haben wir seit Jahren. Wir sind Masochisten, das auch zu provozieren. Und die Zeitungen machen dann Kampagnen daraus. Die italienischen Medien unterstützen ihre Mannschaft, das wünschen wir uns auch.» Später bezeichnete er das Einfliegen eines Coiffeurs zum Haareschneiden gar als «Menschenrecht».

Der Mann des Abends mit salbungsvollen Worten

Bestens gelaunt war selbstredend Italiens Doppeltorschütze Manuel Locatelli. Auf die Frage, welchen Gegner er stärker empfunden habe, die Türkei oder die Schweiz, fand der 23-jährige von Sassuolo ausschliesslich nette Worte.

«Schwierig, zu sagen. Es sind beides gute Teams, mit Spielern, die eine grosse individuelle Klasse haben. Wir mussten unser Bestes zeigen, um zu gewinnen.»

Vielleicht war es Locatelli nicht bewusst, aber womöglich hat er den entscheidenden Punkt gleichwohl getroffen: Die Italiener überzeugen als geschlossenes Team. Die Türken wie die Schweizer haben dies noch nicht bewiesen.

Das zweite Gegentor der Schweiz: Manuel Locatelli trifft.

Das zweite Gegentor der Schweiz: Manuel Locatelli trifft.

Jean-Christophe Bott / KEYSTONE