EM-Auftakt
Mit dem 1:1 gegen Wales kann die Schweiz nicht zufrieden sein

Die Schweizer teilen sich bei ihrer ersten Aufgabe an der EM mit Wales die Punkte. Mit Blick auf die Torchancen und das Turnier ist das zu wenig.

Christian Brägger aus Baku
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Breel Embolo erzielt in der 49. Minute das 1:0 für die Schweiz.

Breel Embolo erzielt in der 49. Minute das 1:0 für die Schweiz.

Bild: Claudio Thoma/Freshfocus

Soviel vorweg: Breel Embolo ist in Baku in der ersten Halbzeit fast schon ein Ärgernis, kaum zu sehen bis auf eine Szene. Und in der zweiten? Da ist er die alles überragende Figur auf der Seite der Schweizer, mit Spielwitz, mit Power, mit Möglichkeiten, mit dem einzigen Tor. Als hätte es in seinem Pausentee etwas gehabt. Dumm nur, dass sich seine Teamgefährten nach der in der 49. Minute erzielten Führung je länger je mehr zurückfallen lassen und Moore mit einem schönen Kopfball in der 74. Minute ausgleicht.

Auftaktspielen in ein Turnier gibt man ja immer viel Gewicht, weil dann der Druck in den Gruppenspielen leichter auszuhalten ist. Und das Siegenmüssen etwas beiseitegeschoben werden kann. Für die Schweizer gilt das im Besonderen in dieser Partie gegen Wales, gerade mit Blick auf das zweite Spiel dann gegen das starke Italien am Mittwoch. Es würde also darum gehen, sich schon jetzt in eine gute Position zu bringen im Kampf um einen Platz im Achtelfinaltableau.

Deshalb sehen sie es in Baku auch als Schlüsselspiel, in dem sie gleichwohl dominieren wollen. Wie die Mannschaft von Trainer Vladimir Petkovic dann beginnt, zeugt von Vorsicht und Respekt. Dasselbe ist auch über die Waliser zu sagen, die sich weit zurückfallen lassen und bis auf die Startminuten sehr abwartend und defensiv agieren. Und doch sind sie es, die nach 14 Minuten die erste grosse Chance haben, als der spätere Torschütze Moore zu einem gefährlichen Kopfball kommt und Sommer mit einer Glanztat den Ball noch über die Latte lenkt. Allein schon dieser Aktion ist abzulesen: Der Schweizer Goalie ist parat, und Wales, die Nummer 17 der Welt, ein gefährlicher Gegner.

Die Waliser mit der ersten Chance, Sommer ist da

Die Schweizer sind im mit knapp 9000 Zuschauern gefüllten Olympiastadion nun wachgerüttelt, Minuten später sind sie es, die nach einem Corner von Shaqiri in Führung gehen könnten mit Schärs herrlichem Hackenball. Es werden bessere Signale, die sie nun senden, wenngleich noch immer zu wenig Bewegung ist in ihrem Spiel. Seferovic hat in der 27. Minute eine gute Szene, als er sich vom Gegner löst und knapp am Tor vorbeischiesst. Aber sonst kommt nicht viel von der Schweiz, das hat mit der Bissigkeit der Waliser zu tun, und auch damit, dass von Shaqiri oder Embolo bis dahin wenig zu sehen ist. Und Xhaka der Zugriff aufs Spiel fehlt. Vielmehr braucht es ein Foul von Schär an James, um Schlimmeres zu verhindern; der Ostschweizer holt sich damit seine obligate gelbe Turnierkarte ab.

Vor der Pause verpasst der fleissige Seferovic schliesslich eine Riesenchance zur verdienten Führung: Embolo deckt den Ball gut ab und legt auf seinen Sturmpartner auf, doch der 29-Jährige schiesst über das Tor.

Das Gefühl, besser zu sein

So gehen die Schweizer mit einem Gefühl in die Pause, besser als der Gegner zu sein, und sie üben sich in Geduld, wirken nie nervös. Das zahlt sich nach der Pause sofort aus, weil Embolo förmlich explodiert, vier, fünf starke Aktionen hat, die zu Toren führen können, wobei die zweite dann tatsächlich eines ist. Nach einem Shaqiri-Corner, die schon vorher gefährlich sind, setzt sich der Gladbacher im Kopfballduell gegen Roberts durch – und bezwingt Ward. Der walisische Goalie hätte wohl herauskommen müssen.

Egal, der Bann ist gebrochen, bei Embolo, bei den Schweizern, und mit dem Vorsprung im Rücken lässt es sich natürlich leichter leben in einem Spiel, besonders in diesem. Vor allem gegen diesen Widersacher. Da ist zwar mit Ward ein Goalie von Leicester, Bale gehört Real Madrid, Ramsey ist bei Juventus engagiert, James bei Manchester United. Aber es auch Spieler auf dem Platz von zweitklassigen Teams wie Morrell bei Luton oder eben: Moore von Cardiff. Das Gefälle wirkt jedenfalls grösser als bei den Schweizern, die mit der erwarteten Formation beginnen und damit mit lauter Spielern, die im Ausland engagiert sind.

Der Wechsel, der alles verändert

Petkovic wechselt bald einmal Zakaria für Shaqiri ein, es ist ein Zeichen, dass er das 1:0 halten und über die Zeit bringen will. Doch es geht der Schweiz die Stabilität verloren und es ist auch ein Signal für die Waliser, mehr zu riskieren. Und es ist eben dieser Moore aus Cardiff, der davon profitiert und eine defensive Unachtsamkeit von Schär und Zakaria mit seinem wuchtigen Kopfball ausnützt. Der Ausgleich ist ein grosser Lohn für diese Waliser, doch die Schweizer haben sich das selbst zuzuschreiben. In der Schlussphase wittert die Mannschaft von der Insel dann sogar Morgenluft.

Petkovic versucht nochmals zu reagieren und neuen Drive ins Spiel zu bringen, wechselt Gavranovic für Seferovic ein, und Sekunden später trifft dieser auch schon. Doch der Treffer zählt nicht, weil er im Abseits steht. Ohne VAR würde es jetzt 2:1 für die Schweiz stehen. Am Schluss hat Bale noch eine Chance, ja, er steht auch auf dem Platz. Es ist wenig zu sehen von Superstar, gleichwohl hat man immer das Gefühl beim vierfachen Champions-League-Sieger, es könne gefährlich werden.

Letztlich bleibt es beim 1:1, das ist nicht gut, aber es ist auch nicht die Hiobsbotschaft. Die Schweiz weiss, was sie zu tun hat, wenn sie weiterkommen will. Konsequent bis zum Schluss zu Ende spielen, und mindestens gegen die Türken voll punkten.

Schweiz-Wales: Das sind die schönsten Bilder

Yann Sommer hält den Ball.
24 Bilder
Gavranovic stand beim Abschuss im Abseits, sein Tor zählte nicht.
Breel Embolo in Aktion.
Das Tor zum 1:1 der Waliser im Bild.
Der Waliser Kieffer Moore schiesst das Tor zum 1:1.
Kevin Mbabu kassiert eine gelbe Karte.
Breel Embolo bringt die Schweiz in Führung.
Embolos Treffer in der zweiten Halbzeit.
Die Schweizer bejubeln das Tor zum 1:0.
Haris Seferovic lässt seinem Frust nach dem Beinahe-Treffer in der ersten Halbzeit Raum.
Der Waliser Kieffer Moore und der Schweizer Kevin Mbabu nach einem Zusammenprall.
Trainer Petkovic beschwichtigt von der Seitenlinie aus.
Embolo kämpft sich durch die Waliser.
Remo Freuler, Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri diskutieren, während ein Waliser nach einem Zusammenprall betreut wird.
Ricardo Rodriguez will den Ball vor Gareth Bale erreichen.
Fabian Schär gibt sich unschuldig.
Xherdan Shaqiri gegen Joe Morrell.
Breel Embolo gegen Gareth Bale.
Xherdan Shaqiri bereitet sich auf das Spiel vor. Schiesst er gegen Wales ein Tor?
Breel Embolo mit Maske.
Die Schweizer Fans machen schon vor dem Match kräftig Stimmung.
Wales Superstar Gareth Bale (links) wärmt sich für das Spiel gegen die Schweiz auf.
Dieser Schweizer Fan hat die Abstandsregeln ganz klar eingehalten.
Die Schweizer Nati singt die Nationalhymne.

Yann Sommer hält den Ball.

Bild: AP

Das Spiel im Telegramm

Schweiz – Wales 1:1 (0:0)

Baku. – SR: Turpin (Fra). – Tore: 49. Embolo 1:0. 73. Moore 1:1.
Schweiz: Sommer; Elvedi, Schär, Akanji; Mbabu, Xhaka, Freuler, Rodriguez; Shaqiri (65. Zakaria); Embolo, Seferovic (84. Gavranovic);
Wales: Ward; Roberts, Rodon, Davies, Mepham; Allen; Bale, Morrell, Ramsey (92. Ampadu), James (74. Brooks); Moore; 
Bemerkungen: Verwarnungen: 30. Schär (Foul). 47. Moore (Foul). 63. Mbabu (Foul). 

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