Eishockey
Eiskalte Schweden frieren den HC Davos ein

Der HC Davos unterliegt im ersten Halbfinal-Spiel der Champions Hockey League gegen Frölunda Göteborg mit 0:5. Im Rückspiel muss nun auf einen Exploit gehofft werden.

Marcel Kuchta, Davos
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Kein Durchkommen: Davos-Topskorer Andres Ambühl verkeilt sich in Göteborgs Henrik Tömmernes.

Kein Durchkommen: Davos-Topskorer Andres Ambühl verkeilt sich in Göteborgs Henrik Tömmernes.

Keystone

Eishockey ist ein unberechenbares Spiel, welches auf glatter Unterlage ausgetragen wird. Und so folgt dieser Sport nicht immer der Logik. So geschehen beispielsweise beim 4:1-Sieg des HC Davos im Viertelfinal-Rückspiel in Skelleftea, als der Schweizer Meister mit einer Mischung aus unglaublicher Effizienz und cleverer Spielweise gegen einen optisch überlegenen Gegner die Oberhand behielt.

Gestern nun erlebten die Davoser im Halbfinal-Hinspiel gegen Frölunda Göteborg die Schattenseite der Unberechenbarkeit. Sie kämpften, ackerten, bemühten sich – und mussten am Ende doch zur Kenntnis nehmen, dass der angestrebte und erhoffte Einzug ins Endspiel nach der 0:5-Niederlage von eigenem Publikum nicht mehr zu schaffen ist. Der HCD erhielt von der schwedischen Spitzenmannschaft aus Göteborg seinerseits eine Lektion in Sachen Effizienz und taktischer Abgeklärtheit. So sehr sich die Davoser auch anstrengten, so sehr war auch spürbar, dass an diesem Abend die Trauben sehr hoch hängen würden – zu hoch.

Physisch und psychisch ausgebrannt

Es war nicht so, dass der HCD dem Gegner von A bis Z unterlegen gewesen wäre. Und doch hatte man latent das Gefühl, dass sich hier zwei Mannschaften auf unterschiedlichem Niveau begegnen. Wobei sich vor allem bei den Davosern der Trend der letzten Tage und Wochen bestätigte: Das Team von Arno Del Curto läuft physisch und psychisch auf dem Zahnfleisch. Die vielen Verletzungen und das Mammut-Programm am Spengler-Cup (vier Spiele innert vier Tagen) haben deutliche Spuren hinterlassen.

Die offensiven Leistungsträger wie Perttu Lindgren oder Dick Axelsson vermochten nur punktuell für Gefahr vor dem Tor Göteborgs zu sorgen. Andere Leaderfiguren wie Marc Wieser oder Andres Ambühl zollen allmählich Tribut für ihr Marathonpensum der letzten Monate. Und in der Defensive schlichen sich immer wieder gravierende Fehler ein. Bezeichnend war etwa Samuel Guerras Aussetzer nach wenigen Sekunden im Schlussdrittel, welches zum 0:3 und zum Ende aller Hoffnungen für den HCD führte. Alles in allem war diese Davoser Equipe viel zu weit entfernt von ihrem maximalen Leistungspotenzial, welches sie noch im Dezember beim Auftritt in Skelleftea ausgeschöpft hatte.

Im Stil einer Maschine

Auf der anderen Seite spulte die Mannschaft aus Göteborg ihr Pensum perfekt und fast im Stil einer Maschine hinunter. Da passte fast alles – von der disziplinierten Defensive über das schnelle Konterspiel und die Effizienz im Abschluss bis hin zur starken Torhüterleistung von Lars Johansson, dem in den wichtigen Momenten dann auch noch das Glück des Tüchtigen hold war.

Zu schlechter Letzt waren den Davosern auch die Schiedsrichter nicht gerade wohlwollend gesinnt. Ein entscheidender Fehler unterlief den beiden Headreferees, als sie vor dem wegweisenden Tor zum 0:2 durch Lehkonen (29.) ein klares Foul an Mauro Jörg übersahen. Auch die Powerplaybilanz sprach am Ende deutlich zugunsten der Schweden, die sich sechsmal in Überzahl versuchen durften, die Davoser hingegen nur einmal.

Hoffen auf einen Exploit

Am Ende war die Leistung der Unparteiischen aber nur einer Randnotiz. Die Davoser waren ganz einfach nicht gut genug. «Ich bin sehr enttäuscht von meiner Mannschaft. Fehler wie vor dem 0:3 und vor dem 0:4 dürfen auf diesem Niveau nicht passieren», fand entsprechend auch Arno Del Curto deutliche Worte für den Auftritt seines Teams. Auch er weiss: Nach der klaren Niederlage dürfte die Champions-League-Kampagne des HCD in einer Woche in Göteborg mit allergrösster Wahrscheinlichkeit zu Ende gehen. Dass die Bündner in der zweitgrössten Stadt Schwedens gegen diesen starken Gegner einen Exploit schaffen und mit mindestens fünf Toren Unterschied gewinnen, kann man aufgrund der aktuellen Form- und Personallage fast ausschliessen.

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