Eishockey

Wenn ein Team auf den Zehenspitzen steht

Langnauer Jubel beim 3:2 gegen Bern.

Langnauer Jubel beim 3:2 gegen Bern.

Die SCL Tigers feierten mit dem 4:2 gegen den SC Bern den grössten Sieg seit der Rückkehr in die NLA. Mit dem Triumph über den Kantonsrivalen sind die Emmentaler definitiv wieder in der höchsten Liga angekommen.

Die mutige Strategie, Aufstiegstrainer Bengt-Ake Gustafsson nicht mehr zu beschäftigen und durch den Kanadier Benoit Laporte zu ersetzen, könnte bei den Langnauer doch aufgehen.

Der Stilwechsel vom Systemhockey mit dem Primat der Puckkontrolle über das Risiko zum kompromisslosen, mutigen Vorwärts-Hockey ist bemerkenswert. Gegen den SCB ist diese Taktik ebenso beeindruckend aufgegangen wie eine Woche zuvor beim 5:2 gegen Leader Fribourg. Die Spieler stehen dabei sozusagen auf den hockeytechnischen Zehenspitzen und suchen in jeder Situation den Pass nach vorne und im Zweikampf den Weg unter die Haut der Gegenspieler.

Mit dem charismatischen kanadischen Stürmer Chris DiDomenico haben sie einen Leitwolf und Antreiber, dessen Sturmläufe wie Flammenzeichen auf dem Eis wirken. Und mit dem unkonventionellen, an Dominik Hasek mahnenden Damiano Ciaccio einen kampfstarken, mental robusten Goalie, der dazu in der Lage ist, einzelne Spiele zu gewinnen – und damit zwischenzeitliche Lotterpartien kompensiert.

Er kann eine ähnliche Rolle spielen wie einst Martin Gerber beim Wiederaufstieg von 1998. Beim 0:4 in Genf wehrte er am Freitag etwas mehr als 85 Prozent der Schüsse ab – und am Samstag gegen den SCB über 95 Prozent.

Mit diesem urigen,bisweilen archaischen Hockey bieten die Langnauer bei Heimpartien ein grandioses Schauspiel, das bisweilen an die meisterlichen Zeiten der 1970er-Jahre mahnt. Auswärts lässt sich dieses Hockey nur in Ausnahmefällen durchsetzen. Die Schicksalsfrage für den Aufsteiger: Wie weit tragen die Füsse? Reicht die Energie bis zum Ende der Saison?

So oder so: Die Unterhaltung ist grandios und der Unterschied zu den von den Langnauern in die NLB verdrängten Langeweiler-Lakers ist etwa so wie das Glück, im Bett Alice Schwarzer durch Christina Surer ersetzen zu dürfen. Davon profitiert die ganze Liga.

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