Eishockey-WM
Vor Schweden-Partie: Hanlon nimmt den Mixer in die Hand

Man kann dem Schweizer Trainer nicht vorwerfen, dass er dem bemühenden Treiben seines Teams tatenlos zusieht. Nach lediglich acht erzielten Toren in den ersten vier WM-Spielen zog der Kanadier die Notbremse und nahm den Mixer in die Hand.

Marcel Kuchta, Prag
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Man kann dem Schweizer Trainer nicht vorwerfen, dass er dem bemühenden Treiben seines Teams tatenlos zusieht. Nach lediglich acht erzielten Toren in den ersten vier WM-Spielen zog der Kanadier die Notbremse und nahm den Mixer in die Hand.

Man kann dem Schweizer Trainer nicht vorwerfen, dass er dem bemühenden Treiben seines Teams tatenlos zusieht. Nach lediglich acht erzielten Toren in den ersten vier WM-Spielen zog der Kanadier die Notbremse und nahm den Mixer in die Hand.

KEYSTONE

Man kann dem Trainer der Schweizer Nationalmannschaft nicht vorwerfen, dass er dem bemühenden Treiben seines Teams tatenlos zusieht. Nach lediglich acht erzielten Toren in den ersten vier WM-Spielen zog der Kanadier die Notbremse und nahm den Mixer in die Hand. Bis auf die Sturmlinie mit Matthias Bieber, Andres Ambühl und Simon Bodenmann wirbelte er die Angriffsformationen im Hinblick auf das morgige Spiel gegen Schweden komplett durcheinander.

Und geht dabei volles Risiko ein: Das Trio mit Kevin Fiala, Cody Almond und Damien Brunner verspricht zwar viel offensives Spektakel und Torgefahr, dürfte dafür aber auch vor dem eigenen Tor für ungewolltes Spektakel sorgen. «Es ist riskant, aber wir müssen etwas versuchen», machte Hanlon nach dem gestrigen Training klar. In den anderen beiden Sturmlinien werden Reto Suri, Kevin Romy und Dennis Hollenstein sowie Reto Schäppi, Morris Trachsler und Julian Walker gemeinsam auflaufen. Dino Wieser kommt als 13. Stürmer aufs Matchblatt.

Auch im Powerplay hat sich Glen Hanlon etwas einfallen lassen. Mit Julian Walker hat er einen «Brocken» in die Überzahllinie mit Roman Josi integriert. Der Lugano-Stürmer soll mit seiner Präsenz vor dem gegnerischen Tor helfen, dass die Schüsse von Josi für den Goalie nicht zu sehen sind und ausserdem auf Abpraller lauern. Kein Thema für die WM ist der gestern mit den Minnesota Wild aus den Playoffs ausgeschiedene Nino Niederreiter. «Wir haben seinen Agenten André Rufener kontaktiert. Aber es wäre für den Spieler ein zu grosser Stress gewesen, noch für die letzten WM-Spiele zur Mannschaft zu stossen.» Umso mehr, als Niederreiter im schlechtesten Fall nur noch ein Spiel bestritten hätte – am Dienstag gegen Tschechien.

Der Unbekannte auf der Tribüne

Offiziell umfasst das Schweizer Trainerteam mit Cheftrainer Glen Hanlon, den Assistenten John Fust und Thierry Paterlini sowie Video- und Goalietrainer Reto Schürch vier Personen. In der Praxis kurvt seit der WM-Vorbereitung während der Trainings noch ein fünfter Coach auf dem Eis umher: Tood Woodcroft.

Der Kanadier trägt im offiziellen Schweizer Teamguide die Bezeichnung "Team Staff". Für Hanlon beobachtet Woodcroft, im Alltag als NHL-Scout für die Calgary Flames tätig, die Gegner. Während der Schweizer Partien sitzt der 42-Jährige zusammen mit Schürch auf der Tribüne und bringt seine Feststellungen in die Besprechungen mit seinen Trainerkollegen ein.

Woodcroft gilt als wandelndes Eishockey-Lexikon und ist ein alter Weggefährte von Hanlon, der das temporäre Engagement im Schweizer Verband auch veranlasst hat. 2006 war Woodcroft bei den Washington Capitals als Videocoach für Hanlon tätig. Im selben Jahr war er in der selben Funktion unter Hanlon bei den Weissrussen tätig. Auch letztes Jahr arbeiteten die beiden im weissrussischen Nationalteam zusammen. (SI)