Die SCL Tigers wollen bzw. können auch nächste Saison nicht mehr Geld in die Mannschaft investieren. Sportchef Köbi Kölliker bestätigt: «Es gibt für nächste Saison keine Budget-Erhöhung.» Wenn wir uns ein wenig näher mit Köllikers Strategie befassen, sehen wir, wie schwierig es ist, im Sportbusiness des 21. Jahrhunderts die Lohnkosten im Griff zu halten.

Die praktischen Folgen der Langnauer Sparpolitik zeigen sich nämlich in diesen Tagen. Der Vertrag von Joel Genazzi (24) läuft aus. Er ist Langnaus statistisch bester Schweizer Spieler: 34 Spiele, 9 Tore und 5 Assists. Dazu mit -2 die beste Plus/Minus-Bilanz aller Schweizer. Mehr noch: Der kräftige Allrounder (185 cm/81 kg) kann als Verteidiger und Stürmer und im Powerplay an der blauen Linie eingesetzt werden.

Er ist im Laufe dieser Saison ein Schlüsselspieler geworden und in die NLA-Businessklasse aufgestiegen. Zum richtigen Star fehlen ihm allerdings Antrittsschnelligkeit und Charisma. Doch mit entsprechendem Training kann er diese letzte Schwäche noch beheben.

Ein NLA-Schlüsselspieler in seinem Alter muss versuchen, seinen sportlichen Marktwert zu kapitalisieren. Ein schlauer Agent kann Genazzis aktuelles Leistungsniveau in einen Vertrag mit einem Jahreslohn zwischen 250000 und 320000 Franken ummünzen.

Aber so viel wird er in Langnau bei weitem nicht verdienen. Joel Genazzi steht im dritten Jahr in Langnau unter Vertrag. Der gefeuerte Trainer John Fust hat ihn aus der NLB (Visp) nach Langnau gebracht. Von seinem Salär her ist Genazzi also noch immer ein NLB-Spieler. Aber Jakob Kölliker verweigerte ihm bisher in den Verhandlungen eine markante Lohnerhöhung. Die Offerte für eine Vertragsverlängerung liegt bei rund 150000 Franken.

Was jetzt? Joel Genazzi möchte in Langnau bleiben. Aber nicht um jeden Preis. Sein Nachteil: Er hat sich bisher erst bei den SCL Tigers in der höchsten Spielklasse bewährt. So gut seine Statistiken auch sind – es ist für ihn nicht einfach, bei der Konkurrenz einen Vertrag mit mehr als 200000 Franken zu bekommen.

Die Grossen (wie Fribourg, Bern, Zug, Lugano, Davos oder die ZSC Lions) brauchen Joel Genazzi nicht. Die Kleinen oder Cleveren (wie Biel, Ambri, die Lakers, Kloten oder Servette) sind nicht bereit, für einen Spieler wie ihn den Tresor zu öffnen. Sie gehen nicht davon aus, dass er tatsächlich dazu in der Lage ist, eine Mannschaft besser zu machen.

Das Pokerspiel von Kölliker ist zwar riskant – aber es könnte aufgehen. Er muss darauf achten, dass er bei Vertragsverlängerungen das Salär nicht zu stark erhöhen muss. Sonst wird die Mannschaft teurer, aber nicht besser.

Kölliker pokert auch bei Moser

Er pokert noch bei zwei anderen Spielern: Beim sanften Riesen Christian Moser (194 cm/99 kg) und beim Talent Valentin Lüthi (19). Kölliker hat die Option genützt und den Vertrag mit dem Ur-Langnauer Christian Moser (mehr als 350 Spiele für Langnau) per Ende Saison gekündigt.

Der Bruder von Nationalstürmer Simon Moser ist allerdings einer der meistunterschätzten Spieler der Liga. Zwar vermag er nicht am offensiv grossen Rad zu drehen (31 Spiele/1 Assist) und nach wie vor spielt er zu wenig intensiv (16 Strafminuten).

Aber der 28-jährige Verteidiger ist inzwischen ein verlässlicher Abwehrspieler geworden, der auffällig unauffällig seine Arbeit verrichtet. Mit -7 hat er die um Welten bessere Plus/Minus-Bilanz als der wilde Hasardeur Philippe Rytz (-18), der schleichende Floh Jörg Reber (170 cm/80 kg/-19) – sein Vertrag läuft ebenfalls aus – und sogar die leicht besseren Zahlen als «Gartegg-Elik» Simon Lüthi (-8). Verteidiger sind rar. Wenn Jakob Kölliker versuchen sollte, den Lohn unter 120000 Franken zu drücken, könnte Christian Moser beim EHC Biel landen.

Das kräftige Verteidigertalent Valentin Lüthi (189 cm/93 kg) hat ebenfalls einen auslaufenden Vertrag. Das Potenzial des Junioren-Internationalen ist beachtlich – doch wie weit er es bringen kann, wird sich erst im Laufe der nächsten Saison zeigen.

Deshalb will Langnaus schlauer Sportchef Valentin Lüthi bloss einen Einjahresvertrag mit höchstens 60000 Franken Salär geben. Entwickelt er sich nächste Saison gut, hat er dann noch genügend Zeit, um nachzubessern.

Auch Valentin Lüthi könnte, wenn es für Langnau dumm läuft, bei Biel landen. Denn Sportchef Martin Steinegger muss mit Anthony Huguenin (zu Gottéron), Clarence Kparghai (zu Lugano) und Thomas Wellinger (zum SCB) gleich drei Verteidiger ersetzen.

Wer denkt, dass Kparghai und Wellinger vielleicht schon in der Weihnachtspause 2013 wieder nach Biel zurückkehren möchten, ist zwar kein Schelm. Aber darauf zu bauen, wäre für Biels Sportchef denn doch unseriös.