Tennis
Stan Wawrinka geht an seinem Heimturnier einen neuen Weg

Am Sonntag beginnt mit dem French Open das zweite Grand-Slam-Turnier der Saison. Doch für Stan Wawrinka ist Paris noch weit entfernt. Der Romand startet zuvor an dem neugeschaffenen Turnier in Genf und will in der Schweiz endlich gutes Tennis zeigen.

Michael Wehrle, Genf
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Stan Wawrinka will in Genf Selbstvertrauen tanken für Paris.keystone

Stan Wawrinka will in Genf Selbstvertrauen tanken für Paris.keystone

KEYSTONE

Die Sonne brennt vom strahlend blauen Himmel. Kein Wölkchen trübt die Stimmung über der idyllischen Anlage des Tennisklubs Genève Eaux-Vives direkt hinter dem Jet d’Eau am Genfersee. Gut gelaunt erscheint Stan Wawrinka, Aushängeschild des neuen Turniers in der Schweiz. Gerade hat er mit seinem Coach Magnus Norman zwei Stunden auf der Anlage trainiert, sein erstes Match bestreitet er morgen. Yen-Hsun Lu aus Taiwan oder Lukas Rosol, der Qualifikant aus Tschechien, ist dann sein Gegner.

Das dritte ATP-Turnier in der Schweiz

Neben Basel und Gstaad ist Genf nun das dritte Tennisturnier in der Schweiz auf der höchsten Profistufe. Dabei gehört Basel in die Kategorie 500, so viele Punkte für die Weltrangliste erhält der Sieger. In Gstaad und Genf gibt es 250 und mit 80 000 Euro für den Sieger auch deutlich weniger Geld. 352 000 Euro kassierte Roger Federer für seinen Basler Triumph 2014. Schon einmal gab es in Genf ein Turnier auf höchster Ebene. Von 1980 bis 1991. Die Sieger hiessen unter anderem Björn Borg und Mats Wilander. 1989 feierte Marc Rosset in seiner Heimatstadt seinen ersten Turniersieg. Der Genfer ist nun wieder dabei, als Sportdirektor und grösster Fan von Stan Wawrinka, wie er selbst sagt. (mic)

Normalerweise legen die besten Tennisprofis in der Woche vor einem Grand-Slam-Turnier eine Pause ein. Sie reisen früh an, um sich zu akklimatisieren, so richtig an die spezielle Atmosphäre dieser grossen Turniere einzusaugen. Das galt bisher auch meist für Wawrinka. Nur einmal, vor zwei Jahren, spielte er in ’s-Hertogenbosch in Holland direkt vor Wimbledon ein ATP-Turnier. So richtig auf ging seine Rechnung damals nicht. Er stürmte zwar erstmals ins Endspiel eines Rasenturniers, doch drei Tage später schied er in Wimbledon in der ersten Runde gegen Lleyton Hewitt aus. Diesmal könnte es noch heikler werden. Denn das French Open beginnt bereits am Sonntag, der Final in Genf ist aber erst am Samstag. Und die Möglichkeit, dass ein Finalteilnehmer in Paris schon am Montag wieder ran muss, ist schon da.

Selbstvertrauen tanken

«Es ändert schon einiges an der Vorbereitung», sagt Wawrinka. «Aber das ist zum einen mal die Chance, dass ich in der Schweiz spielen kann», sagt er. Diese Möglichkeit habe er unbedingt wahrnehmen wollen. Nicht allen Spielern sei es vergönnt, ein Turnier in ihrem Heimatland zu bestreiten und dann auch noch vor seiner Haustüre. Dazu lockt natürlich auch das Antrittsgeld für den Mann aus Lausanne. Drei Millionen Franken soll er für seinen Dreijahresvertrag kassieren. «Ich kann hier aber auch mit einem guten Turnier Selbstvertrauen tanken», nennt Wawrinka seinen zweiten Grund. Das sei manchmal mehr wert als das Training vor Ort. Zumal die Reise nach Paris ja nicht weit sei und die Qualität des Turniers in Genf in Sachen Infrastruktur sehr hoch. Selbstvertrauen bringt er auch schon mit. «Ich habe zuletzt in Rom sehr gutes Tennis gespielt, und der Sieg über Rafael Nadal war für mich etwas ganz Besonderes», sagt er.

Neun Turniere hat Wawrinka inzwischen gewonnen, diese Woche soll die Nummer zehn hinzukommen, der erste in der Schweiz. Schon ein paar Mal nahm er Anlauf, zuletzt liessen ihn in Basel und in Gstaad immer die Nerven im Stich. Vor zehn Jahren stand er in Gstaad im Final, als 20-Jähriger, noch nicht unter Erwartungsdruck. Höchste Zeit also, dass er sein Können in der Heimat abruft und dann am Samstag mit breiter Brust nach Paris fährt.