Spengler-Cup
Servette: Die Musterschüler vom Lac Léman

Deutschschweizer haben ein gespaltenes Verhältnis zu Genf. Die international geprägte Metropole, isoliert am West-Zipfel unseres Landes, ist schwer fassbar und wirkt in unseren Augen oft unschweizerisch. Ähnlich verhält es sich mit dem Eishockey-Klub.

Marcel Kuchta
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Eine Bereicherung: Chris McSorley und die grosse Servette-Delegation in Davos.

Eine Bereicherung: Chris McSorley und die grosse Servette-Delegation in Davos.

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Servette Genf hat in unserer Hockeyszene eine Sonderstellung. Chris McSorley, der kanadische Besitzer, Manager, Sportchef und Trainer in Personalunion ist eine der schillerndsten und bemerkenswertesten Figuren in diesem oft von Eitelkeiten dominierten Mikrokosmos. In den traditionellen Eishockeymärkten unseres Landes schielt man mit einer Mischung aus Argwohn, Neugierde und Bewunderung auf das Treiben des charismatischen Alleinunterhalters an den Gestaden des Genfersees.

McSorley der Vollprofi

McSorley lässt niemanden kalt. Während der Spiele kann er, wenn er sich und sein Team ungerecht behandelt fühlt, toben wie kein Zweiter. Neben dem Eis ist er im Umgang mit den Medien ein absoluter Profi, der seine Message mit dem nötigen Charme immer an den Mann zu bringen weiss. Als Manager ist er auf dem Transfermarkt ein gewiefter, mitunter eiskalt berechnender Dealer, der auch schon mal den Preis für einen Spieler in die Höhe treibt, indem er vordergründig Interesse bekundet, ihn aber eigentlich gar nicht will. Er scheut sich auch nicht davor, Profis mit laufenden Verträgen auszumustern, wenn die Zusammenarbeit nicht mehr funktioniert oder er ein gutes Geschäft wittert. Und dann gibt es noch den Politiker McSorley, der es geschafft hat, seinen Klub im spitzensportfeindlichen Genf zu etablieren.

Spengler-Cup ist Ernstfall

Es spricht auch für ihn, dass Chris McSorley, der mittlerweile seit 14 Jahren in Genf wirkt (er ist nach Arno Del Curto der dienstälteste NLA-Trainer), den Spengler Cup als das erkannt hat, was er ist: Eine wunderbare Plattform für das Eishockey und somit auch ein idealer Anlass, um beste Werbung in eigener Sache zu betreiben. Das fängt an mit dem professionellen Auftritt der gesamten Servette-Organisation in Davos, geht weiter mit publikumsträchtigen Einlagen wie dem Flug des Weisskopfadlers «Sherkan» vor den Spielen und hört auf mit den starken Vorstellungen der Mannschaft auf dem Eis. Dabei überlässt McSorley nichts dem Zufall. Die Partien werden gleich seriös wie «normale» Meisterschaftsspiele vorbereitet. Das heisst mit Videosessionen und allem drum und dran. Und das wirkt sich auch auf die Leistungen aus.

Segen für den Spengler-Cup

Im Vorjahr gewannen die Servettiens bei ihrer ersten Teilnahme gleich das Turnier. In der aktuellen Ausgabe haben sie in den ersten beiden Spielen zwei starke Konkurrenten aus der KHL (Salawat Julajew Ufa und Jokerit Helsinki) in die Schranken gewiesen. Die Genfer haben nun sechs Partien in Serie gewonnen.Chris McSorley hat von Anfang an klar gemacht, dass nur die Titelverteidigung das Ziel sein kann.

Man darf Servette Genf im Zusammenhang mit dem Spengler-Cup also durchaus als «Musterschüler vom Lac Léman» bezeichnen. Auch Spengler-Cup-Präsident Fredy Pargätzi findet nur lobende Worte für die Gäste aus der Westschweiz: «Sie zeigen, was mit einer perfekten Einstellung und Vorbereitung alles machbar ist. Genf nützt die Plattform perfekt.» Von dieser Mentalität könnte sich manch anderer NLA-Klub, der dem Traditionsturnier schon nach dem Leben trachtete, eine dicke Scheibe abschneiden.