Eishockey
Österreich-Trainer: «Ich habe meine Zeit in Olten sehr genossen»

Dan Ratushny begann seine Trainierkarriere 2009 beim EHC Olten. Jetzt ist er Headcoach von Österreich, dem ersten Schweizer Gegner.

Marcel Kuchta, Prag
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Dan Ratushny als Trainer des EHC Olten an der Bande. Im Jahr 2009.

Dan Ratushny als Trainer des EHC Olten an der Bande. Im Jahr 2009.

PD

Man kann nicht behaupten, dass ganz Österreich der Eishockey-WM entgegenfiebert. Im Anschluss an das erste Eistraining des Nationalteams in Prag befinden sich genau null Journalisten österreichischer Provenienz im Interviewbereich. Anwesend ist eine Handvoll Medienleute aus der Schweiz. So viel zum Interesse unseres Nachbarlands an den Auftritten der rot-weiss-roten Auswahl in Prag. Dan Ratushny nimmts mit Gelassenheit zur Kenntnis. Der Nationaltrainer steht dieser Tage vor einer Herkulesaufgabe. Er muss mit einer stark verjüngten Mannschaft versuchen, den Klassenerhalt zu schaffen. Die Schweiz ist heute Mittag der erste Gegner. Ausgerechnet das Land, in welchem er als Trainer Fuss fasste und so die Basis zu seiner bisher erstaunlichen Karriere legte.

«Ich habe meine Zeit in Olten sehr genossen und viel gelernt», denkt der 44-Jährige gerne an die zwei Jahre mit dem EHCO zurück. Schon damals war erkennbar, dass Dan Ratushny das Potenzial hat, mal ein grosser Trainer zu werden. Umso mehr, als er bei seiner Karriere-Planung sehr umsichtig zu Werk ging. Nach zwei erfolgreichen Saisons in Olten verabschiedete er sich in Richtung Deutschland, wo er in der DEL die Straubing Tigers übernahm. Aus dem Underdog mit beschränktem finanziellen Potenzial holte er in der Folge das Maximum heraus und wurde 2012 zum Trainer des Jahres gewählt. Im Frühling 2014 beendete er seine Mission in Bayern und heuerte etwas weiter südlich in Österreich beim EC Salzburg an, mit welchem er in der eben zu Ende gegangenen Saison gleich Meister wurde. Erstmals kam er dabei in den Genuss, eine Mannschaft trainieren zu dürfen, die mit einen vergleichsweise grossen finanziellen Fundus zusammengestellt wurde.

Eine junge, hungrige Mannschaft

Gleichzeitig mit seinem Amt in Salzburg trat Dan Ratushny auch die Teilzeitstelle als österreichischer Nationaltrainer an. Und dort wird er dieser Tage ein krasses Kontrastprogramm im Vergleich zum Meisterschaftsalltag erleben. Nach dem Meistertitel mit Salzburg wird er nun auf internationaler Ebene mit seiner Mannschaft, die nach unzähligen Absagen stark ersatzgeschwächt ist, gegen den Abstieg kämpfen. «Dem sind wir uns bewusst», sagt Ratushny. «Aber wir haben sehr viele Spieler im Team, die das erste Mal an einer WM teilnehmen. Das bringt eine gewisse Frische. Man spürt, dass die Spieler hungrig sind. Genau das wollen wir ausnützen.» Falls man mit der Mission Klassenerhalt scheitern sollte, «dann werden wir zumindest etwas gelernt haben innerhalb dieses Prozesses», gibt sich der Kanadier pragmatisch. Sein Erfolgsrezept? «Gutes Defensivverhalten kombiniert mit einem starken Torhüter.»

Sollte sich seine Mannschaft zum WM-Auftakt sensationellerweise gegen die Schweiz durchsetzen, so wäre das ein weiterer kleiner Schritt nach oben in der Karriere des Dan Ratushny, der sich gut vorstellen könnte, dereinst wieder in der Schweiz einen Trainerjob anzunehmen. Dort, wo vor sechs Jahren in Olten alles begann.