Eishockey
Kommt Superstar Sidney Crosby in die Schweiz?

Der NHL-Lockout machts möglich: Superstar Sidney Crosby überlegt sich, in den kommenden Wochen und Monaten in der Schweiz zu spielen. Sein Agent Pat Brisson hat gemäss nordamerikanischen Medien Kontakt mit NLA-Klubs und KHL-Teams aufgenommen.

Marcel Kuchta
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Bald von Schweizer Journalisten umringt? Superstar Sidney Crosby.

Bald von Schweizer Journalisten umringt? Superstar Sidney Crosby.

Das wäre ein Knaller! Der Kanadier Sidney Crosby, der derzeit wohl beste Eishockeyspieler der Welt setzt sich offenbar Konkret mit einem Wechsel nach Europa auseinander. Da in den Verhandlungen um einen neuen Gesamtarbeitsvertrag keine Fortschritte erzielt werden, möchte der 25-Jährige nun nicht mehr länger zuschauen. Er hat seinen Agenten Pat Brisson beauftragt, sich nach Interessenten umzuschauen. Im Vordergrund stehen für den Center der Pittsburgh Penguins mögliche Arbeitgeber in der russischen KHL oder in der Schweiz.

Bleibt die Frage, welcher NLA-Klub sich die Dienste des Superstars überhaupt leisten kann? Das Problem: Crosby hat einen bis ins Jahr 2025 (!) laufenden Vertrag, der ihm jährlich 8,75 Millionen US-Dollar einbringt. Und: Crosby hat schon mehrere schwere Gehirnerschütterungen hinter sich, womit seine Versicherungsprämien extrem hoch sind. Brisson sprach vor zwei Monaten von Beträgen zwischen 200 000 und 400 000 US-Dollar - pro Monat. Eigentlich zu viel für jeden vernünftig wirtschaftenden NLA-Klub. Die «Nordwestschweiz» hat ein Crosby-Ranking erstellt:

1. ZSC Lions: Wenn Mäzen Walter Frey will, dann macht er das Portemonnaie auf und schenkt seinem Team einen Superstar. ZSC-Lions Sportchef Edgar Salis hatte zuletzt vor vier Wochen Kontakt mit Brisson. Klar ist aber auch hier: Die Relationen müssen gewahrt bleiben. Will heissen: Um jeden Preis wird man Crosby nicht nach Zürich holen.

2. HC Lugano: Auch hier steht mit der Mantegazza-Family ein reicher Personenkreis im Hintergrund, der bei Bedarf (viel) Geld lockermachen könnte. Lugano-Sportchef Roland Habisreutinger, der wie Salis zuletzt vor vier Wochen in Kontakt zu Brisson stand, sagt klar: «Crosby dürfte nicht mehr kosten als unser aktueller NHL-Gast Patrice Bergeron.» Der Stürmer der Boston Bruins wird pro Spiel bezahlt und pro gewonnenen Punkt der Mannschaft. Die Versicherungsprämie übernimmt Bergeron selbst. Habisreutinger glaubt ausserdem nicht, dass eine Verpflichtung Crosbys für den HC Lugano einen nachhaltigen Effekt hätte: «Am Anfang hätten wir zweimal ausverkauftes Haus, danach wäre wieder alles wie vorher.»

3. SC Bern: Der knallhart wirtschaftende SC Bern könnte aus der Verpflichtung Crosbys vermutlich nicht genügend Profit generieren. Viel mehr Zuschauer können gar nicht mehr kommen. Und mit zusätzlich verkauften Merchandising-Produkten und Bratwürsten liesse sich nur ein Bruchteil der Kosten refinanzieren. Trotzdem: Crosby in Bern? Das wäre irgendwie reizvoll.

4. HC Davos: Durch das Team Canada und den Spengler-Cup geniesst Davos bei jedem kanadischen Spieler einen gewissen Bekanntheitsgrad. Doch ob der Kristallklub, die HCD-Gönnervereinigung bereit wäre, nach der Verpflichtung von Rick Nash und von Joe Thornton das Portemonnaie noch einmal weit aufzumachen, muss man schwer anzweifeln. Selbst wenn Arno del Curto möglicherweise noch einen NHL-Spieler verpflichten möchte.

5. Kloten Flyers: Der designierte VR-Präsident Philippe Gaydoul hätte genügend Münz, um Sidney Crosby aus dem eigenen Sack zu finanzieren. Doch wenn er es tun würde, wäre es schon fast ein Akt der Unanständigkeit. Wer im Sommer unter Mithilfe der öffentlichen Hand knapp vor dem Konkurs gerettet wird, der darf ein halbes Jahr später nicht derart prassen. Obwohl die Verlockung gross ist.

6. Rapperswil-Jona Lakers: Auch die Lakers hätten einen potenten Geldgeber im Rücken, doch es ist fraglich, ob Rapperswil für Crosby «sexy» genug wäre. Ausserdem hat man dort mit den NHL-Gästen Jason Spezza und Michael Del Zotto bisher keine sonderlich guten Erfahrungen gemacht.

7. EV Zug: In Zug musste man sich schon durchringen, die beiden verlorenen Söhne Damien Brunner und Rafael Diaz während der Lockouts unter Vertrag zu nehmen. Dann kam auch noch Henrik Zetterberg. Das Geld für einen Crosby-Coup fehlt - es sei denn, eine der renommierten Firmen mit Sitz in Zug finanziert diesen PR-Coup.

8. Servette Genf: Man darf Servette-Zampano Chris McSorley ja fast alles zutrauen. Aber für eine Verpflichtung Crosbys dürfte selbst er zu wenige Geld auftreiben können. Seine Kontakte nach Nordamerika sind zwar vorzüglich, aber der Inhalt des Portemonnaies reicht nicht aus.

9. Fribourg-Gottéron: In Fribourg zögerte man lang, nur schon einen NHL-Spieler zu verpflichten. Mit David Desharnais angelte man sich dann einen eher kleinen Fisch. Gottéron spielt im Crosby-Poker keine Rolle.

10. EHC Biel, Ambri-Piotta, SCL Tigers: Biel hat schon Kane und Seguin, Ambri und Langnau dürfen von Crosby nur träumen.

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